Rolf Gerlach wird vom Handelsblatt „Sparkassen-Regionalfürst“ genannt – Ende März wird der mächtige Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL) in den Ruhestand gehen. Sein Abschied nach 22 Jahren wird Gerlach nicht still und leise gestalten: Kurz vor seinem Ausscheiden hat er Großfusionen zwischen öffentlichen Versicherern und Landesbausparkassen angeschoben. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

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Bereits zahlreiche Gespräche geführt

Grund für die Fusionsüberlegungen sei, dass sich Gerlach Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit der Sparkassen mache. „Unsere Hauptkonkurrenten, die Volksbanken Raiffeisenbanken, haben eine Bausparkasse und einen Versicherer“, wird Gerlach zitiert. „Wir haben das nicht, und wir müssen an dem Thema weiter arbeiten, um voranzukommen“.

Gerlachs Plädoyer bezieht sich auf den Umstand, dass es laut Sparkassen-Dachverband bundesweit neun verschiedene Landesbausparkassen und elf öffentliche regionale Versicherer gibt, die weitestgehend selbständig agieren. Und eine eigene Verwaltung, eigene Vorstände etc. beschäftigen, was zusätzliche Kosten erzeugt. Dem entgegen haben die Volksbanken ihr Geschäft in zwei Unternehmen gebündelt: das Volksbank-Geschäft in der Schwäbisch Hall und das Versicherungs-Geschäft bei der R+V-Versicherung.

Laut Gerlach werden zu möglichen Fusionen auf der Ebene der Eigentümer und Träger bereits zahlreiche Gespräche geführt: „An dem Thema sind wir nun wirklich dran“. Für mögliche Konsolidierungen gebe es zudem reichlich Potential. Zitat Gerlach: „Ich bin der Meinung, dass wir die Strukturen in beiden Teilen unseres Verbundes dringend ändern sollten. Ich kenne keinen, der den jetzigen Zustand für das Optimum hält“. Weitere Details zu möglichen Fusionen nannte der Verbandschef nicht.

Gerlach war auch umstritten

Rolf Gerlach stand dem Sparkassenverband Westfalen-Lippe 22 Jahre vor und prägte die Entwicklung des Verbandes in den letzten Jahren. Er leitete damit die Geschicke von einem der größten Sparkassen-Verbände: Nach eigenen Angaben beschäftigen die zugehörigen Geldhäuser mehr als 28.000 Mitarbeiter und haben zusammen eine Bilanzsumme von über 114 Milliarden Euro. Seine Nachfolgerin wird Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken.

In seiner Amtszeit sorgte Gerlach auch für kritische Schlagzeilen. So soll er sich 2012 mit dem damaligen Allianz-Chef Michael Diekmann getroffen haben, um einen möglichen Verkauf der Provinzial Rheinland zu bereden. Die Provinzial war zu der Zeit kerngesund und wies positive Geschäftszahlen aus, so dass es für einen Verkauf nach Einschätzung von Experten keinen Grund gab (der Versicherungsbote berichtete). Ein angedachter Zusammenschluss der Sparkassen-Versicherer Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland scheiterte 2013 am Streit über die Rechtsform des neuen Konzerns.

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Von 2004 bis 2007 war Gerlach zudem Vorsitzender des Aufsichtsrates der WestLB, die im Jahr 2012 abgewickelt werden musste. Die Landesbank hatte sich in dieser Zeit mit riskanten Finanzwetten am US-Immobilienmarkt verzockt. Das Institut musste zum Jahresende 2008 faule Wertpapiere im Wert von 23 Mrd. Euro in eine Bad Bank ausgliedern und konnte auch mit Steuergeldern nicht gerettet werden.

Reuters