Das Bundessozialministerium von Andrea Nahles (SPD) rechnet innerhalb der kommenden 30 Jahre mit einer Verdreifachung der Rentenkosten. Betragen die Rentenausgaben derzeit 282,7 Milliarden Euro pro Jahr, so sollen die Kosten bis 2045 auf 783,5 Milliarden Euro anwachsen. Das berichtet die Bild-Zeitung am Montag und beruft sich auf Berechnungen aus dem Ressort von Nahles.

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Rentenloch von 177 Milliarden Euro

Der Anstieg der Kosten wäre enorm: um eine halbe Billion Euro würden die Ausgaben laut den Berechnungen zulegen. Damit steigt auch der Betrag, den der Bund zur Stopfung des Rentenlochs aus Steuermitteln zuschießen müsste. Aktuell nimmt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) 214,8 Milliarden Euro an Beiträgen ein, der Steuerzuschuss beträgt 86,7 Milliarden Euro. Bis 2045 sollen sich die Beitragseinnahmen auf 606,6 Milliarden Euro summieren. Der Rentenkasse würden dann knapp 177 Milliarden Euro fehlen.

Die Mehrausgaben für die jüngste Rentenreform sind hierbei noch gar nicht eingerechnet, schreibt die Bild. Am Donnerstag hatte sich die große Koalition auf Neuerungen bei der Rente geeinigt. Unter anderem soll das Rentenniveau bei 46 Prozent stabilisiert werden, finanziert aus Steuermitteln. Auch eine Angleichung der Ost-Renten auf Westniveau ist bis 2025 geplant, veranschlagte Mehrkosten: 3,9 Milliarden Euro (der Versicherungsbote berichtete).

"Das sind unvorstellbare Zahlen"

Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, kritisierte angesichts der erwarteten Mehrausgaben die aktuellen Rentenbeschlüsse. „Das sind unvorstellbare Zahlen“, sagte Fuchs der Bild. „Bevor die Finanzierung dieser Ausgaben nicht seriös geklärt ist, verbieten sich weitere Reden über zusätzliche ausgabenträchtige Leistungen.”

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Doch die Finanzierung der Rentenreform ist noch nicht abschließend geklärt. Andrea Nahles will die 3,9 Milliarden Euro zur Rentenangleichung aus Steuermitteln finanzieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist strikt dagegen. Sein Ministerium erklärte am Freitag, die Mittel müssten aus der Rentenkasse fließen - und damit aus Beitragseinnahmen finanziert werden.