Die Zurich Insurance Group hat im Februar einen massiven Stellenabbau angekündigt – über 8.000 Jobs sollen bei Europas fünftgrößtem Versicherer bis Ende 2018 wegfallen. Dabei macht der neue Konzernchef Mario Greco auf vor Führungskräften nicht Halt. Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag berichtet, könnten bis zu 380 Führungskräfte in den kommenden Tagen ihre Kündigung erhalten. Dabei beruft sich die Zeitung auf „gut informierte Kreise“ aus dem Konzern, der die konkreten Zahlen nicht kommentieren wollte. Die betroffenen Mitarbeiter sollen in den letzten drei August-Tagen informiert werden.

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Abbau von Doppelstrukturen nach Gewinneinbruch 2015

Hintergrund des Stellenabbaus: In den letzten Jahren hat der Schweizer Versicherer vermeintlich unnütze Doppelstrukturen geschaffen, die nun wieder abgebaut werden sollen. Wie komplex die Konzernstruktur auch mit Blick auf die Vorstandsetagen ist, zeigt die schiere Zahl der Vorstände. Aktuell beschäftigt die Zurich rund 1.900 Führungskräfte, die über den eigentlichen Geschäftseinheiten angesiedelt sind. Rund 20 Prozent dieser Kaderleute sollen nun aussortiert werden.

Bereits im Juni hatte die Zurich auf Länderebene eine Zusammenlegung der Schaden- (General Insurance) und Lebensversicherung (Global Life) angekündigt. Speziell die Schadenversicherung, mit 70 Prozent Prämienanteil größte Geschäftseinheit der Zurich, sorgte im Vorjahr für Probleme. Im vierten Quartal 2015 schloss die Sparte mit 120 Millionen Euro Betriebsverlust ab.

Dass es im Konzern an vielen Stellen brennt, ist nicht zu leugnen. Der Überschuss der Zurich brach im Jahr 2015 um mehr als die Hälfte ein, auf 1,8 Milliarden Dollar. Ursache hierfür waren nach Konzernangaben auch überproportional hohe Schadenaufwendungen. Unter anderem musste die Zurich für die Explosions-Katastrophe in der chinesischen Hafenstadt Tianjin einstehen. Dort explodierten im Sommer 2015 mehrere Containeranlagen: seitdem gelten 165 Personen als vermisst, knapp 800 Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt.

Konzernchef Mario Greco braucht schnelle Erfolge

Der straffe Zeitplan -8.000 Kündigungen bis 2018- wurde der Zurich durch den neuen Konzernchef Mario Greco verordnet, seit Frühjahr diesen Jahres im Amt. Zuletzt war der Italiener beim Konkurrenten Generali tätig, kennt die Zurich aber sehr gut. Von 2007 bis 2012 leitete Greco erst die Lebensversicherungs- und dann Schadensparte des Schweizer Weltkonzerns.

Nach Informationen der NZZ hat Greco bereits erste Maßnahmen getroffen, um Geld einzusparen. Unter anderem strich er die Reisekosten der Führungskräfte zusammen und setzt vermehrt auf Web- und Videokonferenzen. Die Verträge mit 300 Zulieferern wurden neu verhandelt und die IT verschlankt. Doch das sei noch nicht ausreichend: speziell bei der ungünstigen Schaden-Kosten-Quote drücke seit Jahren der Schuh.

Erneut Gewinnrückgang im ersten Halbjahr 2016, aber auch Hoffnung

Für das erste Halbjahr 2016 präsentierte der Versicherer jüngst durchwachsene Zahlen. Der Reingewinn in den sechs Monaten brach zwar gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar ein. Aber Analysten hatten ein noch schlechteres Ergebnis erwartet. Grund für den Rückgang waren Unwetter in Europa und den USA sowie Waldbrände in Kanada. Der Umsatz lag stabil bei 36,1 Milliarden Dollar.

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Speziell der Trend in der kriselnden Sachversicherung macht Mut: hier konnte die Zurich ihren Betriebsgewinn um drei Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar steigern. „Wir haben in den vergangenen sechs Monaten erhebliche Fortschritte erzielt und in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld unsere Leistung im zweiten Quartal weiter verbessert“, kommentierte Mario Greco.

NZZ