Viele Menschen werden mit dem Thema Pflegebedürftigkeit schon konfrontiert, bevor sie selbst in einem entsprechenden Alter sind, zum Beispiel weil in der Familie ein Pflegefall auftritt. Die Frage, ob man selbst im Alter Pflege in Anspruch nehmen wird und wie das bezahlt werden soll, muss man sich dann irgendwann auch selbst stellen. Denn die Kosten für die Pflege, welche von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen werden, decken nur einen kleinen Teil dessen ab, was man unter Umständen wirklich brauchen wird.

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Dabei sind Männer und Frauen vom Pflegerisiko unterschiedlich stark betroffen: "Frauen trifft das Thema Pflege besonders hart und das gleich in mehrfacher Hinsicht", so Dr. Stefan Knoll in seiner Funktion als Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Familienversicherung. "Mehr als Zweidrittel aller Pflegebedürftigen werden heute zu Hause versorgt - und zwar überwiegend von weiblichen Familienmitgliedern, die dafür ihre Berufstätigkeit einschränken und deswegen auf Einkommen verzichten müssen. Und das bei, im Vergleich zu Männern, ohnehin schon geringeren Einkommen. Später haben Frauen ein doppelt so hohes Risiko, pflegebedürftig oder dement zu werden."

Jede zweite Frau könnte pflegebedürftig werden

Weil Frauen im Schnitt eine höhere Lebenserwartung haben als Männer, ist auch das Risiko größer, im Alter selbst auf Pflege angewiesen zu sein. "Statistisch gesehen muss jede zweite Frau damit rechnen. In den Pflegeheimen ist ihr Anteil heute bereits doppelt so groß. Und weil die Rente und die staatlichen Leistungen einfach nicht reichen, sind viele Heimbewohnerinnen auf Sozialhilfe angewiesen", erklärt Knoll.

So kann man rechnen, dass man als Eigenanteil an den Pflegekosten als stationär betreuter Pflegebedürftiger in der niedrigsten Pflegestufe im Schnitt rund 1.427 Euro im Monat leisten muss. Bisher lag das durchschnittliche Altersgeld für Neurentnerinnen im Jahr 2014 bei ungefähr 533 Euro, der Eigenanteil lässt sich damit also kaum begleichen. Im Zweifel werden dann die Angehörigen in gerader Linie zur Kasse gebeten, also der Ehepartner und die Kinder.

Nicht einmal 5 Prozent der Bürger haben eine private Pflegezusatzversicherung

Je länger die Pflegephase andauert, umso mehr wächst sich die Finanzierungslücke in den fünfstelligen Bereich aus. Die Lücke wird im Barmer-GEK-Pflegereport für Frauen im Schnitt mit 45.000 Euro beziffert. Knoll rät deshalb, gerade Frauen sollten sich mit der Frage beschäftigen, wie sie alt werden möchten und sich auch zum Thema Pflegevorsorge beraten lassen.

"Dass nicht einmal 5 Prozent der Pflegepflichtversicherten über eine private Pflegezusatzversicherung verfügen, ist ein alarmierendes Zeichen. Selbst die Politik hat es bislang nicht geschafft, diese Quote mit dem staatlich geförderten Pflege-Bahr nennenswert nach oben zu bringen. Und sie hat, was noch viel entscheidender ist, bis jetzt versäumt, auf die Notwendigkeit privater Vorsorge hinzuweisen und klarzumachen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung auch nach der Pflegereform ein Teilkasko-Modell bleiben wird", so der Vorstand.

Pflegerente, Pflegekosten, Pflegetagesgeldversicherung

Wie also können Frauen vorgehen, um sich einem Finazierungsdebakel im Alter zu entziehen? Beispielsweise stünden Pflegerenten-, Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung zur Absicherung bereit. Wobei die Pflegetagegeldversicherung auch wegen ihres günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses bei den Verbrauchern am populärsten sei. Bei den Produkten, die Absicherung versprechen, ist allerdings ein präziser Blick vorab nötig.

Denn eine wirklich optimale Absicherung boten nur die wenigsten, wie die Stiftung Warentest in mehren Tests feststellten musste, die meisten Produkte seien bestenfalls zufriedenstellend. Auch sollte man bei der Auswahl eines passenden Tarifs darauf schauen, dass der Pflegebedürftige ganz gleich, wo er die Pflege empfängt, ob zu Hause oder im Heim, stets gleich hohe Leistungen erhält. Auch von Wartezeiten bei einem Tarif wird abgeraten.

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Tarifauswahl: worauf es zu achten gilt

Ferner sollte man bei der Auswahl darauf achten, dass beim Eintritt des Pflegefalls eine Beitragsbefreiung bereits ab Pflegestufe 0 selbstverständlich ist, und das auch im Fall von Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit. Darüber hinaus ist es schlau, wenn der gewählte Tarif über die Option einer Nachversicherungsgarantie verfügt, um ohne erneute Gesundheitsprüfung die Anpassung des Tarifs an neue Bestimmungen zu gewährleisten, beispielsweise wenn eine Pflegereform stattfindet. Nun stehen dem Interessenten standardisierte Produkte zur Wahl, aber auch Baukastensysteme können eine individualisierte Lösung darstellen. Diese sind allerdings besonders beratungsintensiv.

DFV Familienversicherung