Zu Plänen der Bundesregierung, den Garantiezins für Lebensversicherungen zu streichen, meint Gerhard Schick, in diesem Falle müssen die Finanzaufsicht darauf achten, „dass die Versicherer nicht zu viel versprechen“. In der Sache verkennt der grüne Finanzfachmann, dass die Lebensversicherer schon aus eigenem Sicherheitsinteresse heute kaum noch zu große „Versprechungen“ wie Schick es nennt, an die Kunden und Sparer machen würden. Das tat die Lebensbranche übrigens auch in der Vergangenheit nicht.

Anzeige  

 

Versicherer jammern

Vor 20 Jahren, als der Rechnungszins – also der diese Kennzahl betreffende Kapitalmarkt – bei garantierten vier Prozent lag, hatte niemand seherische Fähigkeiten, dass die US-Hypothekenindustrie eine Finanzkrise samt Bankenpleiten-Lawine und fast Staatsbankrotten lostreten würde.

Schick analysiert richtig, was von Bundesbank bis Bafin wirtschaftliches Erkenntnis-Allgemeingut ist, nämlich zunehmende Schwierigkeiten für die Lebensversicherer, „obwohl die Branche insgesamt kräftige Gewinne einfährt“, konstatiert Gerhard Schick und bemängelt die Janusköpfigkeit, das Sprechen der Versicherer mit gespaltener Zunge: Politiker werde von der Assekuranz „vorgejammert, wie schlecht es den Unternehmen wegen der Niedrigzinsen an den Kapitalmärkten geht, um versicherungsfreundliche Gesetze zu bekommen.“ Kunden und Investoren würde andererseits „erzählt, wie toll das Geschäft läuft, um sie bei der Stange zu halten. Das passt nicht zusammen.“ Stimmt!

„Im Jahr sieben der Finanzkrise“

Aus Schicks Sicht sollte die Assekuranz weniger Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten und stattdessen ihr Eigenkapital stärken, weil Lebensversicherer schlechter kapitalisiert seien als Banken, die bekanntlich ihrerseits um die bilanzielle Stärke ihrer Kapitalkraft ringen. Infolge des Lebensversicherungs-Reformgesetzes seien zwar Bewertungsreserven zu Gunsten der Barauszahlung an die Kunden gekappt und Zusatzreserven zugunsten gesicherter Kundengarantien aufgebaut worden, dennoch seien weiter laufende hohe Dividendenzahlungen ungerecht.

Zur zwischenzeitlich verkündeten Entwarnung der Bundesbank bezüglich der konkreteren Pleitegefahr der Versicherer relativiert Experte Schick. Stabilere Lebensversicherer im Sinne der Entwarung der Bundesbank gäbe es „nur, wenn nicht nur bei den Kunden gespart wird, sondern auch die Gewinne einbehalten werden.“ Der Niedrigzinsphase entgegensteuern, das hätten die Versicherungsmanager schon längst tun sollen, schließlich seien wir „mindestens im Jahr sieben“ der Finanzkrise.

Schlankes Schwedisches Sparmodell

Zu Forderungen nach einem Provisionsverbot meint Gerhard Schick, die „hohen Vertriebskosten und die übergroße Zahl von 200.000“ Vermittlern seien „wesentlicher Grund dafür, warum die Altersvorsorge nicht funktioniert. Ich habe also durchaus Sympathien für ein Provisionsverbot“. Es würde aus Schicks Sicht helfen, Provisionen aus den Beiträgen herausrechnen und den Kunden Nettotarife zu nennen. Dann wäre für Schick auch ein fairer Vergleich mit den Honorarberatern möglich.

Schick plädiert in dem „Zeit“-Interview hinsichtlich des Zusatzsparens für ein einfaches, standardisiertes Produkt für die Basisvorsorge, vom Staat angeboten, privat gemanagt und obligatorisch für jeden und zu geringen Kosten wie etwa in Schweden. Die betriebliche Altersversorgung sieht Schick hierfür nicht geeignet, weil entweder nicht jeder Arbeitnehmer eine solche bekommt oder Selbstständige davon ausgeschlossen sind.

Anzeige  

 

Das ganze Interview der „Zeit“ mit Gerhard Schick im Wortwechsel finden Sie hier.