Der Map-Report 879 startet mit einem Marktüberblick. Zwar werde die klassische Lebensversicherung (LV) totgesagt, dazu genügte in den vergangenen tatsächlich Jahren fast schon ein beliebiger Blick des Verbrauchers in die Tageszeitung, doch halte die Branche „die Zukunftsfähigkeit ihres Produkts in ihren eigenen Händen“. Und bekanntlich trimmen die Gesellschaften ihr Produkte - weg von lebenslangen Garantien und hin zu alternativen Garantiekonzepten. Zürich, Generali, Talanx und Ergo haben das klassische Geschäft eingestellt. Ergo hat inzwischen sein neues Modell „Garantie“ als Ersatz im Einsatz, dessen Garantien jedoch ebenfalls auf die Beitragssumme des Kunden begrenzt sind.

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Neue Produkte dominieren

Ferner wird diese Garantie der Ergo nicht mehr teuer im Produkt erzeugt, sondern schlicht und einfach von der Konzernmutter Munich Re gewährleistet. Einen besseren Bürgen als den größten Rückversicherer kann man weltweit kaum finden. Die Allianz hat sich vor einigen Wochen vom aktiven Verkauf von „Klassikern“, also Policen mit Garantien verabschiedet. Kein Thema, ihre vor zwei Jahren eingeführte Rentenpolice „Perspektive“ mit so genannten Abschnittsgarantien (Beiträge sind sicher, aber es gibt keinen Mindestzins mehr und die Rentenhöhe steht erst nach der Aufschubzeit zum Rentenbeginn fest) wie geschnitten Brot. Die „Perspektive“ dominiert inzwischen das Neugeschäft des Blauen Versicherungsriesen aus München.

Für den Map-Report ist klar, dass demnächst immer mehr Gesellschaften garantiefreie oder -arme Tarife für ihre Kunden der Zukunft kalkulieren werden. Außerdem seien mehr auf Zielgruppen gerichtete Produkte im Anmarsch auf den Markt. Bei neuen Konzepten erwartet der Map-Report kein einheitliches Vorgehen der Versicherer. Vielmehr werde sich der der Markt der Lebensversicherung „weiter diversifizieren und intransparenter“ werden. Für den Versicherungsmakler wird dadurch die Arbeit nicht einfacher, kommt doch heute schon der gelernte LV-Fachmann ins Schleudern, weil er nicht mehr weiß, wie er unterschiedliche Produkte korrekt vergleicht.

Zinszusatzreserve geht zu Lasten der Rendite

Durch die Zinszusatzreserve (ZZR), im Jahr 2011 eingeführt, sind die „Gewinne aus dem Abgang aus Kapitalanlagen“ (so der Bilanztitel) laut Map-Report von damals rund 4,5 auf 6,4 Milliarden Euro im Jahr gewachsen. Die Lebensversicherer brauchen diese Erlöse, um ihre Zusatzreserve zu päppeln, je nach Zustand der eigenen Bilanz, mit denen sie Ertragslöcher stopfen, weil ihre durchschnittliche Verzinsung kleiner ist als die Zinslasten auf alten oder aus Garantien. Nachdem die Versicherer bereits seit 2011 für ihre Vier-Prozenter mit zusätzlichem Geld auffüllen müssen, waren im Jahr 2014 auf die Vertragskohorten mit 3,25 Prozent an der Reihe.

Das Problem ist, dass die ZZR noch lange nicht beim Kunden ankommen. Sollen die Reserven doch mittelfristig die Garantien im Zeitablauf decken. Außerdem beeinflussen Zuführungen zur ZZR das Kapitalanlage-Ergebnis der Lebensversicherer. Dieses wiederum dient als Berechnungsbasis für das Kapitalanlage-Ergebnis des Unternehmens. Der Map-Report berichtet von unterschiedlichen Bilanzpolitiken der Gesellschaften. Einige Unternehmen nennen demnach in ihren Jahresabschlüssen „bereits um die Zuführung zur ZZR bereinigte Nettorenditen".

Neue Bayerische Beamten mit der höchsten bereinigten Nettorendite

Marktweit, also in Bezug auf die mehr als 80 untersuchten Versicherer, berichtet der Map-Report für das Jahr 2014 eine bereinigte Nettoverzinsung von 3,61 Prozent. Dieser Wert liege „damit etwa einen Prozentpunkt unter den 4,63 Prozent Rendite gemäß GDV-Formel“ (Gesamtverband der Deutschen Versicherer). Die höchsten bereinigte Nettorendite vermeldet der Report für die Neue Bayerische Beamten mit 5,54 Prozent, gefolgt von WWK (4,94 Prozent), Ideal (4,59 Prozent) und Mylife (4,30 Prozent).

Rangliste der Größten: Allianz führt, Zurich holt auf

Gemessen an den verdienten Bruttobeiträgen bleibt die Allianz deutscher Marktführer bei den Lebensversicherern. Nach Angaben des Map-Report könnte das Unternehmen zum Ende dieses Jahres eine historische Marke knacken und erstmals auf auf 20 Milliarden Euro Umsatz kommen (2013: 18,42 Milliarden). Hier die Liste:

  1. Allianz
  2. R+V
  3. Aachen Münchener
  4. Zurich
  5. Debeka
  6. Generali
  7. Ergo
  8. Axa
  9. Bayern Versicherung
  10. Nürnberger

Weniger Storno, aber massiver Abgang bei bAV

Nach LV-Sparten sortiert war die Stornoentwicklung (mit Ausnahme bei Kollektivverträgen) aus Sicht des Map-Report günstig. Die gute alte Kapitalleben verlor wie im Vorjahr nur 3 Prozent ihres Bestands, Fondspolicen litten unter 7,4 Prozent Schwund. Bei Renten waren 5,4 und bei Risikoverträgen 3,3 Bestandsverlust zu verzeichnen. Inzwischen sind per Bilanzstand 2014 durchschnittlich 26,7 Prozent aller LV-Verträge beitragsfrei gestellt. Bei Betriebsrenten sind gar fast schon als dramatisch zu bezeichnende knapp 44 Prozent dauerhaft ohne Beitrag. Wohlgemerkt über den gesamten Bestand gesehen, also dauerhaft. Im Vorjahr (2013) waren laut Map-Report mit 36,6 Prozent erheblich weniger Verträge beitragsfrei.

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Der Map-Report 879 mit der Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2014 kann hier bezogen werden.

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