Tibet gilt als das Dach der Welt. Der Vielvölkerstaat unter chinesischer Herrschaft umfasst nicht nur weite Teile des Himalaya-Gebirges, sondern auch alpine Steppen, reißende Flüsse, Wüsten und steile Täler. Was die Touristen lockt, birgt jedoch Gefahren. Immer wieder wird Tibet von Naturkatastrophen heimgesucht, die Leid und Elend unter der oft bettelarmen Bevölkerung hervorrufen und viele Todesopfer fordern.

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China plant Katastrophen-Versicherung für Tibet

Nun hat sich die Chinesische Versicherungsaufsicht für ein Pilotprojekt ausgesprochen, bei dem die Einführung einer Katastrophen-Versicherung für das klamme Land getestet werden soll. Dies berichtet Radio China International (CRI), der staatliche Auslandsrundfunk der Volksrepublik China.

Wang Jianhong, stellvertretender Direktor des tibetischen Amts der chinesischen Kommission für Versicherungsaufsicht, erklärt: „Zuerst müssen wir die Kosten für die Durchführung einer solchen Versicherung ausrechnen. Dann müssen die Versicherungsfirmen ermutigt werden, ihre Dienstleistungen zu erweitern, ihre Filialen auszubauen und Produkte zu entwickeln, die den Gegebenheiten der Region entsprechen“. Auch das Versicherungsbewusstsein der Bevölkerung müsse erhöht werden: für viele Tibeter ist die eigene Familie noch immer die wichtigste Sozialabsicherung.

Das Pilotprojekt besitze hohe Priorität, da Tibet regelmäßig von Katastrophen heimgesucht werde. Als Beispiele nennt der Funktionär Erdbeben, Schlammlawinen und Dürren, aber auch Regen-, Schnee- und Windstürme. „Sie verursachen sowohl wirtschaftliche Verluste als auch Sachschäden. Deshalb ist es notwendig, eine Katastrophenversicherung in Tibet einzuführen“.

Erfahrung bereits mit Unfallversicherungen

Laut CRI ist die geplante Katastrophenversicherung nicht der erste Schritt hin zu einem besseren Schutz der Bevölkerung. Bereits 2013 habe die Regierung des autonomen Gebiets Tibet private Unfallversicherungen für Landwirte und Hirten gekauft. Die Landwirtschaftsversicherung, welche das gesamte autonome Gebiet abdecke, beinhalte zudem eine Zahlungspflicht bei Erdbeben und könne folglich als vereinfachte Version der Katastrophenversicherung gelten.

Nach Ansicht von Xiang Junbo, dem ehemaligen Leiter der Regulierungskommission zur Unterstützung des Pilotprojekts, sollen die Versicherungen in das Sozialsystem Tibets aufgenommen werden. „Untersuchungen haben ergeben, dass 82 Prozent der Befragten die Etablierung eines solchen Systems in unserem Land befürworten. Internationalen Gepflogenheiten zufolge erstatten die Versicherungen 30 bis 40 Prozent der Schäden“. In China freilich sei die Quote deutlich anders. Nach dem verheerenden Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan, bei dem 70.000 Menschen getötet und mehr als 5 Millionen Gebäude zerstört wurden, ersetzten die Versicherungen lediglich 0,2 Prozent des gesamten Verlustes.

Chinesischer Markt öffnet sich nur langsam ausländischen Anbietern

China gilt als einer der am schnellsten wachsenden Versicherungsmärkte weltweit. Zwischen 2000 und 2010 expandierte der chinesische Schaden- und Unfallversicherungsmarkt um durchschnittlich 21 Prozent pro Jahr, getrieben durch eine starke anwachsende Nachfrage nach Autos, Immobilien und Investitionsgütern, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtete. Nach einer Studie der Munich Re ist das Prämienvolumen von 19 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 215 Milliarden im Jahr 2010 gestiegen. Damit war China hinter Deutschland bereits der sechstgrößte Versicherungsmarkt der Welt.

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Doch der Markt gilt als stark reguliert, einheimische Anbieter werden bevorzugt. 2011 betrug der Anteil ausländischer Schaden- und Unfallversicherer lediglich 1 Prozent des Marktanteils, während 74 Prozent des Geschäftes auf fünf große Versicherer fielen, darunter die früheren Staatsmonopolisten People’s Insurance Company of China (PICC) sowie die Nummer zwei im Markt, Ping An. Erschwert wird das ausländische Geschäft u.a. dadurch, dass ausländische Versicherer oft nur die Lizenz für eine bestimmt Region erhalten, nicht jedoch für den gesamten chinesischen Markt.

CRI Online