Aktuare sind die Höchstform des Mathematikers und sie haben ihre persönlichen Eigenheiten – wie wir alle. Das macht diese Menschen sympathisch, verführt ihre Neider, Nicht-Mathematiker eben, allerdings zu bösen Witzen. Die entsprechen natürlich nicht den Tatsachen:

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Was hassen Normalmenschen, was lieben Aktuare? Die vierte Nachkomma-Stelle.

Ständige Erreichbarkeit, arbeiten unter Zeitdruck, Multitasking: Diese Phänomene der modernen Arbeits- und Ausbeutungswelt bezeichnen Arbeitswissenschaftler nüchtern als „Verdichtung“ der Arbeit. Der Normalo sagt: Stress! Es gibt Wege, das haben amerikanische Wissenschaftler ermittelt, wie man, frau auch, dem Stress bei der Arbeit bereits durch die Berufswahl entgehen, diesen wenigstens minimieren kann. „Werdet Mathematiker; nein, werdet Aktuar“, könnte man jungen Leuten kurz vor der Berufswahl zurufen.

Was sind Aktuare für Menschen? Das sind Leute, denen Buchhaltung viel zu aufregend ist.

Die Redaktion des amerikanischen „Business Insider“ berichtet über Erhebungen des US-Arbeitsministeriums, welche zwölf Berufe erstens relativ viel Geld bringen und zweitens wenig mentale Lasten des Werktätigen erfordern. Überrepräsentiert, mit drei von zwölf Berufen, sind die Mathematiker im allgemeinen, und im besonderen deren Derivate Statistiker und Aktuare. Letztere verdienen nach US-Zahlen mehr als die Statistiker mit ihren umgerechnet läppischen 76.000 Euro pro Jahr. Klar: Alles, was es an Zahlen der Vergangenheit zu notieren und auszuwerten gilt, ist bereits Geschehenes. Statistik.

Wie bezeichnen Aktuare die 16. Nachkomma-Stelle der Zahl Pi? Als grobe Schätzung.

Aktuare können mehr: Sie sind zwar auch Statistiker. Vor allem aber sind sie Stochastiker, blicken also mit den Zahlen der Vergangenheit und mit Hilfe der Wahrscheinlichkeits-Rechnung (Stochastik) in die Zukunft – besser bekannt als Prognose. Und dafür gibt es eben mehr Geld: umgerechnet rund 100.000 Euro verdient ein Aktuar in den USA; in Deutschland dürfte das ähnlich viel sein. Dafür hat der Aktuar am Anfang seines Berufs etwas Stress. Nach einem Mathestudium muss er eine Zusatzprüfung zum Versicherungsmathematischen Sachverständigen ablegen.

Runden Aktuare Rechenergebnisse auf? Niemals, es könnte anschließend um eine Multiplikation mit einer Million gehen!

Federführend bei der Aktuar-Werdung ist in Deutschland die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. Mit Bestehen der Prüfung bewirtschaftet der Aktuar anschließend große, alte und neue Versicherungsbestände; sei es bei der Deutschen Rentenversicherung oder bei privaten Versicherern. Vereinfacht gesagt versucht (versucht? Berechnet!) ... also berechnet der Aktuar sodann aus einem großen Bestand an jungen und alten Versicherten mit großen und kleinen Beiträgen quasi „einen großen“ Versicherungsvertrag. Besser bekannt als Tarif.

Warum haben Aktuare immer zwei Reservereifen im Auto? Weil zwei Reifenpannen auf einmal sehr, sehr unwahrscheinlich sind.

Natürlich braucht es Aktuare auch, um das „Volk“ gegenwärtiger und zukünftiger Betriebsrentner bei BASF, Daimler oder Google in seiner Betriebs-Demographie, vor allem den zu erwartenden Kosten zu kalkulieren. Ohne Aktuare hätte Professor Rürup sein Alterseinkünftegesetz einpacken können; Fürst Bismarck mit seiner Rentenversicherung vor mehr als 125 Jahren auch. Aktuare mögen etwas strenge Menschen sein. Das sind sie aber nicht. Sie sind eben nur exakt.

Warum gratulieren Aktuare allen Menschen am 1. Juli zum Geburtstag? Das ist effektiver und diskontiert der exakte Termin, wann alle diese Menschen zur Welt kommen sind.

Wer also „irgendwas mit Mathe“ machen will, sollte sich den Beruf des Aktuars ansehen. Aufregender - na ja, etwas - ist es als Statistiker oder als einfacher Mathematiker. Geographen leiden auch eher weniger unter Stress.

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Hier eine Liste entspannter Berufe; zusammengestellt vom „Manager Magazin“ mit den „besten Jobs der Welt“:

  • Materialwissenschaftler
  • Mathematiker
  • Geograph
  • Politologe
  • Wirtschaftswissenschaftler
  • Universitäts-Professor
  • Aktuare
  • Statistiker
  • IT-Manager
  • Kieferorthopäden
  • Art-Direktoren
  • Optiker