Sollten die Bundesbürger ihr Geld zurücklegen oder lieber ausgeben, da viele Geldanlagen nur noch niedrige Zinsen versprechen? Alexander Erdland, Chef der W&W und Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), plädiert für das Sparen. „Wir sind gegenwärtig in einer Phase, in der private Vorsorge für eine auskömmliche Finanzausstattung noch sehr viel wichtiger ist als früher“, sagte Erdland in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

Anzeige

Nur noch die Hälfte des Einkommens durch Rente abgedeckt?

Erdland argumentiert, dass sie die Situation der gesetzlichen Rentenversicherung zukünftig weiter verschlechtern werde. Die Babyboomer-Generation fange erst in zwei bis drei Jahren an, in Rente zu gehen – dies belastet das Umlageverfahren. „Wir kommen dahin, dass nur noch die Hälfte des vorherigen Erwerbseinkommens durch die Rente abgedeckt wird“, so Erdland. „Der andere Teil muss durch eine betriebliche Rente und durch private Vorsorge abgedeckt werden.“

Gerade jüngere Menschen würden im Hier und Jetzt leben und sich kaum Gedanken über ihre Altersvorsorge machen. “Die Frage, was in 30 oder 40 Jahren im Rentenalter ist, liegt nicht mehr so auf der Hand.“ Eine abnehmende Sparbereitschaft hätte auch eine GDV-Studie in Kooperation mit dem Institut für Demoskopie Allensbach gezeigt, die sich speziell der Generation der 30- bis 59jährigen widmete. „Dass die Versorgungslücke immer größer wird, ist diesen Menschen durchaus bewusst. Aber es fehlt die Bereitschaft, etwas dagegen zu tun.“

Doch in Zeiten niedriger Zinsen sei Sparen doppelt wichtig, erläutert Erdland, denn der Zinseszinseffekt falle ja kleiner aus. „Ein Prozentpunkt weniger beim Zinsniveau bedeutet, dass bei einem Zeitraum von 30 Jahren 15 Prozent mehr gespart werden muss, um am Ende das gleiche Vorsorgeniveau zu erreichen.“

Hier seien auch die Versicherer gefordert, um ihren Kunden eine vernünftige Rendite gewähren zu können. „Wir müssen unser Spektrum erweitern und in Anlageklassen gehen, die früher nicht bei jedem Versicherer eine Rolle gespielt haben. Für die Gesellschaften im W&W-Konzern war schon immer ein nennenswertes Immobilien-Engagement Tradition.“ Immerhin acht Prozent der Anlagen würde die W&W in Immobilien stecken, auch das Investment in Unternehmensanleihen sei verstärkt worden.

Forderung nach mehr Riester-Förderung

An die Politik plädiert Erdland, sich stärker für die private Altersvorsorge zu engagieren. “Wir sind gemeinsam mit der Politik aufgefordert, die Riester-Produkte verständlicher und einfacher zu machen. Auch auch die Förderung sollte angehoben werden, zumal die jetzige Riester-Förderung mehr als zehn Jahre alt ist. Sonst bekommen wir eine große Versorgungslücke und riskieren, ein Problem mit der Altersarmut zu bekommen.“

In Interviews betont Erdland gerne, dass auch seine Familie privat auf Lebensversicherungen und Bausparverträge vertraut. Dies ist allerdings nicht die einzige Geldanlage. Die Erdlands nennen auch eine Penthaus-Wohnung in Stuttgart, einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb und Aktien ihr Eigen.

Stuttgarter Zeitung