5,4 Prozent weniger Neuabschlüsse – so lautet die vorläufige Bilanz des Geschäftsjahres 2016 in der Lebensversicherung, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in einer Pressemeldung berichtet. Dabei entschieden sich immer mehr Kunden für abgewandelte Garantieprodukte wie die „neue Klassik“. Auf sie entfielen 2016 im Neugeschäft bereits 46 Prozent, nach 37 Prozent im Jahr zuvor (2014: 31 Prozent; 2013: 24 Prozent).

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"Gefahr, dass sich Kunden aus Altersvorsorge komplett zurückziehen"

„Die Versicherungsunternehmen stehen aktuell vor der Herausforderung, die teils unbezahlbar teuer gewordenen Garantien zu reduzieren und gleichzeitig die Kunden zu überzeugen, in Vorsorgeprodukte einzubezahlen, die weniger klare Sicherheiten bieten“, kommentiert Henning Kühl, Chefaktuar und Experte für Lebensversicherungen beim Zweitmarkt-Anbieter Policen Direkt. So sei der Rückgang des Neugeschäfts auch darauf zurückzuführen, dass einige Versicherer im laufenden Geschäftsjahr den Verkauf von Produkten mit Garantiezins komplett eingestellt haben (Gothaer) oder die Garantien abgesenkt haben (Volkswohl Bund).

KüŸhl warnt: „Es besteht die ernste Gefahr, dass Kunden, sich komplett aus der privaten Altersvorsorge zurŸckziehen, weil sie die neuen hybriden Produkte nicht durchschauen oder sie ihnen zu wenig Sicherheit bieten – fatal, angesichts der demografischen Herausforderung, auf die aktuell die gesetzliche Rente noch keine beruhigenden Antworten liefert, wenn es um Fragen zur Sicherung des Lebensstandards geht."

Die Lebensversicherung sei im Vergleich zu ähnlichen Anlagen wie Festgeld oder festverzinslichen Anleihen immer noch ein attraktives Produkt, so Kühl. Doch sollten die Versicherer bedenken, dass den meisten Sparern Sicherheit immer noch wichtiger sei als schnelle Rendite.

Lebensversicherung in Zahlen 2016. Quelle: GDV

"Wir gehen nicht davon aus, dass ein Lebensversicherer in die Knie geht"

90,7 Milliarden Euro haben die Lebensversicherer im vergangenen Jahr an Beiträgen eingenommen, das bedeutet einen Rückgang von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotz der schwierigen Situation zeigt sich GDV-Chef Alexander Erdland kämpferisch, Herausforderungen wie den anhaltenden Niedrigzins und strengere regulatorische Vorschriften zu meistern. „Wir gehen nicht davon aus, dass in diesem Jahr irgendein Lebensversicherer in die Knie geht“, sagte der Chef des Versicherungsverbands am Donnerstag in Berlin.

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Eine Zahl stimmt optimistisch: Die Stornoquote in der Lebensversicherung dürfte 2016 erneut zurückgegangen sein. Mit geschätzten 2,8 Prozent liegt sie demnach auf einem historisch niedrigen Niveau. Der Gesamtbestand der Verträge ging leicht um 1,7 Prozent auf 89,4 Millionen zurück. Im laufenden Geschäftsjahr 2017 rechnet der GDV mit einem Beitragsminus in der LV-Sparte von nur noch 0,5 Prozent.