Mehr Geld für Riester: Bis zum Jahr 2019 sollen die Aufwendungen des Staates für die geförderte Altersvorsorge auf rund 3,3 Milliarden Euro steigen. Dies geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor, wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtet.

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Riester-Boom scheint vorbei

Keine Prognose wollte die Bundesregierung zu der weiteren Entwicklung der Riester-Nachfrage treffen. Fakt ist, dass der Markt aktuell schwächelt: In den Jahren 2013 und 2014 haben erstmals mehr Personen einen Vertrag gekündigt als abgeschlossen. „Seit Jahren gibt sich die Bundesregierung der Illusion hin, dass die Riester-Rente immer beliebter wird“, kritisiert Grünen-Politiker Markus Kurth die mutmaßliche Ignoranz der Bundesregierung.

Doch was sind die Gründe für den Nachfrage-Einbruch? In den letzten Jahren wurden mehrfach hohe Kosten sowie fehlende Transparenz bemängelt. Die Zweifel wachsen, ob Riester die Rentenlücke schließen kann. Zwar besitzen die Bundesbürger über 16 Millionen Riester-Verträge. Aber das entspreche nur 35 Prozent der Beschäftigten, kritisieren die Gewerkschaften. Außerdem seien knapp 20 Prozent der Policen ruhend gestellt, die Sparer zahlen also keine Beiträge mehr.

Vor allem Geringverdiener sorgen kaum vor. Für sie lohnt sich Riester nicht, da die private Altersvorsorge im Alter auf die Grundsicherung angerechnet wird. Ein weiterer Grund: Wer kaum genug Geld verdient, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, kann nicht noch Teile seines Lohns für die Alterssicherung zurücklegen. Folglich sei Riester ein stumpfes Schwert im Kampf gegen die Altersarmut, so die Gewerkschaften.

Angela Merkel bekennt sich zu Riester

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesregierung über den Nutzen von Riester-Verträgen nicht im Bilde ist. Auf eine Anfrage der Grünen hin musste die Regierung eingestehen, dass sie weder weiß, wie viel die Versicherungswirtschaft mit Riester verdient, noch wie hoch die durchschnittlichen Gesamtkosten aller angebotenen Verträge sind. Es fehlt an einer unabhängigen Evaluation der geförderten Altersvorsorge. Gegner und Befürworter zerfleischen sich in verbitterten Debatten.

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Berlin will jedenfalls weiterhin an Riester festhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich anlässlich des 125. Geburtstages der Deutschen Rentenversicherung klar zur staatlich geförderten Altersvorsorge bekannt. „Ich bin überzeugt, dass die Riester-Rente wegweisend war“, sagte die CDU-Politikerin Mitte Dezember bei einer Feierstunde im Berliner Abgeordnetenhaus. Immerhin hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) versprochen, man werde die Riester-Rente auf den Prüfstand stellen. Man müsse mehr tun, um die Riester-Rente „zu retten“ und die Angebote „attraktiver zu machen“, so die Sozialdemokratin.