Für die Riester-Rente ist es ein PR-Gau, für das Bundesfinanzministerium super peinlich. Wie Handelsblatt Online (Freitag) berichtet, hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf falsche Zahlen zur staatlich geförderten Altersvorsorge verlassen. Demnach erhalten Riester-Sparer tausende Euro weniger, als es die Bundesregierung in einem offiziellen Dokument behauptet hatte. Mitte Juli waren die fehlerhaften Zahlen vorgestellt worden.

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Handelsblatt Online deckt Rechenfehler auf

Das Handelsblatt sorgte selbst dafür, dass der blamable Rechenfehler aufgedeckt wurde. Ausgangspunkt war eine Studie des Berliner Instituts für Transparenz (ITA), einem Schwesterunternehmen des renommierten Versicherungsinstituts Morgen & Morgen, im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.

Die Experten sollten ausloten, wie stark der Gesetzgeber die Kosten für Riester-Produkte begrenzen muss, damit für den Kunden noch ausreichend übrig bleibt. Die Studie sollte auch dazu dienen, das angekratzte Image der staatlich geförderten Altersvorsorge aufzuwerten. Nach schlechter Presse in den letzten Jahren schwächelt das Riester-Neugeschäft deutlich, rund ein Fünftel aller Verträge sind ruhend gestellt.

Doch ausgerechnet bei den Riester-Renten hatten die Wissenschaftler die Ausgangsrenditen zu positiv angesetzt. Um bis zu 1,8 Prozentpunkte fielen die Renditen (nach Kosten) zu hoch aus, wie das Institut auf Nachfragen des Handelsblattes zugab. Das Bundesfinanzministerium musste den Fehler mittlerweile einräumen. Eine Differenz, die pro Riester-Vertrag schnell mehrere tausend Euro ausmachen kann.

Einfacher Kopierfehler gab Ausschlag für Fehlberechnungen

Warum aber errechnete das Berliner Institut für Transparenz zu hohe Renditen? Simone Tutone, Projektleiterin beim ITA, erklärte gegenüber Handelsblatt Online: „Es hat sich leider herausgestellt, dass uns beim Einfügen der Ergebnisse aus unseren Berechnungstabellen in das Studiendokument bei den klassischen Rentenversicherungen ein Fehler unterlaufen ist.“ Mit anderen Worten: beim Kopieren der Zahlen von einem Dokument in das andere haben die Wissenschaftler geschlampt. Ein banaler Fehler, der nun eine ganze Studie in Misskredit bringt – und mit ihr die private Altersvorsorge.

Die Auswirkungen der Fehlberechnung zeigen sich an einem Rechenbeispiel. Demnach veranschlagte das ITA für einen Kunden, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt, eine jährliche Rendite von 3,6 Prozent – und errechnete 28.200 Euro reinen Zinsertrag. Richtig wären aber 2,86 Prozent Rendite gewesen, was den Zinsertrag des Sparers um gut 7.250 Euro schmälert.

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Das Bundesfinanzministerium übt sich nun in Schadensbegrenzung. Man habe das Gutachten zwar in Auftrag gegeben, aber die Experten hätten völlig unabhängig gerechnet, erklärte ein Sprecher dem Handelsblatt. Man erwarte jetzt eine Berichtigung der Zahlen. Im übrigen sei es Aufgabe des Instituts, die Richtigkeit der Berechnungen zu überprüfen.

Handelsblatt Online