Die Fitness Tracker sind unscheinbare Geräte, die sich als Armband tarnen oder in Kleidungsstücken verstecken und permanent Daten über den aktuellen Puls oder die zurückgelegten Schritte an ein Smartphone senden. Auf dem Smartphone läuft eine sogenannte Gesundheits-App oder Fitness-App, die diese Daten auswertet und den Kunden über seinen aktuellen Gesundheitszustand informiert. Doch mit der App auf dem Handy ist meist nicht Schluss. Die Daten werden zentral gesammelt. Apple hat dieser Tage dafür sein Projekt HealthKit vorgestellt. Hier soll der Datenaustausch zwischen verschiedenen Geräten unterschiedlicher Hersteller ermöglicht werden und auf einer zentralen Datenplattform zusammengeführt werden. Natürlich nur im Interesse der Kunden, die Ihre Daten dort ganz privat speichern. Google hat eine ähnliche Plattform im Rennen und nennt sie GoogleFit.

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Google, als Datenkrake bereits bekannt, schließt damit eine weitere Lücke in der Rundum-Überwachung der Internet-Nutzer. So hatte Google erst neulich für drei Milliarden Euro die Firma Nest gekauft, einen Hersteller von Rauchmeldern und Heizungsthermostaten. Das besondere an der Firma Nest ist, dass die Kunden ihre Daten ins Internet senden. So kann Google zum Beispiel zukünftig an Hand der Heizdaten auswerten, wann die Kunden zu Hause sind, oder an Hand der Raumtemperatur Rückschlüsse auf die finanzielle Lage der Kunden ziehen. Scheint das hier noch harmlos, so ist die Verwertung von Gesundheitsdaten doch wesentlich heikler.

Sicher wird keiner der großen Anbieter diese Gesundheitsdaten zusammen mit den Adressen der Kunden weitergeben, das verbietet der Datenschutz. Aber mit all den anderen Daten über die eigenen Kunden wie Kaufverhalten und Vorlieben, können Google und Co. zukünftig viel einfacher Rückschlüsse auf die Gesundheit von bestimmten Kundengruppen ziehen. Diese Daten können Google und Co. sehr wohl an Versicherungsgesellschaften verkaufen und in Zeiten von Big Data gehört das auch zum ganz normalen Werkzeug in der Kalkulation von Versicherungsprodukten.

So könnte Google zukünftig erkennen, dass Kunden, die sich einen Fitness-Tracker kaufen, gesünder sind, weil sie dank Gesundheits-App auf ihre Werte achten und bemüht sind, diese zu verbessern. Dieser Rückschluss ist sicher noch trivial. Aber wie ist es, wenn man an Hand der Vorliebe für eine Musikgruppe oder die Marke eines Modelabels Rückschlüsse auf den zukünftigen Gesundheitszustand ziehen kann? Das ist keineswegs ausgeschlossen. Raffinierte statistische Methoden machen das möglich und erkennen Abhängigkeiten zwischen Daten, bei denen auf den ersten Blick kein Zusammenhang besteht.

So gab die Firma Nudge, Anbieter einer kostenlosen Gesundheits-App, gegenüber dem Online-Magazin Forbes an, dass sie bereits mit einer Handvoll von Versicherungsunternehmen gesprochen habe. Derzeit wolle man jedoch von "Versicherungen den Abstand halten, um das Vertrauen der Nutzer und seine Daten privat zu halten”.

Vielen Nutzern der schönen neuen Gesundheits-Spielzeuge wird kaum bewusst sein, welche Macht sie den Firmen geben, die ihre Daten sammeln. Aber auch wenn die Privatheit der Daten versprochen wird, ist das keine Garantie dafür, dass diese Daten dennoch statistisch ausgewertet und verwendet werden - dafür sind sie zu kostbar und die Versuchung ist zu groß. Wenn uns eines Tages die Versicherungsgesellschaft nach unserem Lieblingsmusiker fragt, sollten wir jedoch vorsichtig werden.

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