Die privaten Haushalte in Deutschland haben im Jahre 2013 durch aktives Sparen Geldvermögen in einem Gesamtvolumen von rund 148 Milliarden Euro gebildet. Infolge der positiven Kursentwicklung an den Börsen stiegen die Geldvermögensbestände aber stärker um 200 Milliarden Euro oder rund 4 Prozent auf 5.152 Milliarden Euro. Trotz der anhaltend niedrigen Zinsen verhalten sich die Bundesbürger nach einer Untersuchung der Analysten der Postbank eher risikoscheu. Insbesondere im internationalen Vergleich mit den USA und Großbritannien zeigt sich, dass die deutschen Anleger bei den Zuwächsen den Anschluss verlieren, weil dort viel stärker in Wertpapiere investiert wird.

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Seit Beginn des Jahrzehnts flossen 92,5 Prozent der neugebildeten Geldvermögen in Bankeinlagen und Versicherungen. Auf Aktien, Investmentfonds oder etwa festverzinsliche Wertpapiere entfielen dagegen in der Summe lediglich 0,4 Prozent. Infolge der extremen Zurückhaltung gegenüber kapitalmarktbasierten Anlagen ist deren Bedeutung im Trend deutlich gesunken. 2013 entfielen hierauf nur noch 22,6 Prozent der gesamten Geldvermögensbestände. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise hatte deren Anteil noch bei rund 30 Prozent gelegen. Zu Beginn des Jahrtausends hatte er sich mit etwa 35 Prozent sogar noch auf Augenhöhe mit den Bankeinlagen befunden. "Gemessen an den verfügbaren Einkommen ist das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im internationalen Vergleich nicht allzu üppig", sagt Marco Bargel, Chef-Anlagestratege der Postbank. In den USA oder auch in Großbritannien ist die Ausstattung mit finanziellen Mitteln wesentlich höher. Zwischenzeitlich, insbesondere im Zuge der Finanzkrise, hatte Deutschland im Vergleich mit diesen Ländern dank seiner hohen Sparquote aufgeholt.

Im internationalen Vergleich fallen die Erfahrungen der deutschen Privathaushalte mit ihrem Vermögensaufbau bei gleichzeitig sehr konservativem Anlageverhalten und geringer Verschuldungsneigung zwiespältig aus. Zum einen hatte sich die Vermögensschere zu den angelsächsischen Ländern seit der Jahrestausendwende etwas geschlossen, was aber in Anbetracht der sehr viel höheren Sparquote nicht verwundern kann. In Deutschland ist die Ersparnisbildung in Relation zum Verfügbaren Einkommen mit 10 Prozent rund doppelt so hoch wie in den USA und in UK. Zudem ist die Vermögenslage stabiler, insbesondere sind die deutschen Haushalte besser durch die Finanzkrise gekommen. „Zuletzt zeigte sich aber wieder die Kehrseite der Medaille. Sowohl hinsichtlich der Brutto- als auch der Nettogeldvermögen sind die Privathaushalte Deutschlands im internationalen Vergleich wieder zurückgefallen“, unterstreicht Bargel. Während das Pro-Kopf-Vermögen in Deutschland 2013 gegenüber dem Vorjahr nur um 2.500 Euro anstieg, betrug der Zuwachs in UK 4.500 Euro und in den USA sogar gut 10.000 Euro.

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"Verantwortlich hierfür ist eindeutig die ausgeprägte Abneigung, bei der Geldanlage ein Risiko einzugehen. Dies führt zu einem niedrigen Niveau an Kapitalmarktanlagen. Da sich an den grundlegenden Relationen kurzfristig nur wenig ändern lässt, dürften die deutschen Privathaushalte vor dem Hintergrund des unseres Erachtens weiterhin konstruktiven Umfeldes für Aktienanlagen in Sachen Vermögensaufbau insbesondere im Vergleich zu Ländern, die wie die angelsächsischen Staaten eine ausgeprägte kapitalmarktorientierte Anlagekultur aufweisen, weiter zurückfallen", sagt der Chef-Anlagestratege der Postbank. In längerfristiger Perspektive erscheint es ihm zweifelhaft, ob Deutschland den Rückstand zu anderen führenden Wirtschaftsnationen verkürzen kann, wenn die Bereitschaft, bei der Geldanlage Risiken in Kauf zu nehmen, nicht spürbar steigt, selbst wenn die Sparquote hierzulande überdurchschnittlich hoch bleiben sollte.