„Tatsächlich ist das Rentenniveau in Deutschland, verglichen mit den OECD-Ländern, eher niedrig. Daher ist es absolut sinnvoll, dass Mitarbeiter der bAV als ergänzenden Ruhestandseinkommen einen so hohen Stellenwert beimessen“, kommentiert Dr. Thomas Jasper, Leiter des Bereichs Retirement Solutions bei Towers Watson, die Ergebnisse. „Aber auch die Unternehmen brauchen die bAV. Für viele Mitarbeiter ist sie ein ausschlaggebender Faktor, um in ein Unternehmen einzutreten oder ihm treu zu bleiben. Unternehmen, die eine gute bAV anbieten, verfügen damit im ‚War for Talents‘ über einen wesentlichen Vorteil“, so Jasper.

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Einheitliches Renteneintrittsalter wird Erwartungen nicht gerecht

Beim Rentenalter scheiden sich die Geister: Rund ein Drittel der Arbeitnehmer erwartet, mit 65 oder 66 Jahren in Rente zu gehen, ein weiteres Drittel frühestens mit 67 Jahren. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) ist der Meinung, dass Arbeitgeber es älteren Menschen leichter machen sollten, auch im Ruhestand zu arbeiten. Jedoch rechnen nur 8 Prozent der Deutschen damit, bis zum 70. Lebensjahr oder darüber hinaus zu arbeiten. Im Australien und den USA erwartet dies hingegen knapp ein Drittel der Arbeitnehmer, in Großbritannien ein knappes Viertel, in den Niederlanden ein Sechstel.

Für Jasper lassen die unterschiedlichen Erwartungen zum Rentenalter – sowohl national als auch international – nur eine Schlussfolgerung zu: „Einheitslösungen werden den Erwartungen der Mitarbeiter nicht gerecht. Sie passen auch nicht zu den Anforderungen der Unternehmen. Vielmehr benötigen wir flexible Lösungen für die späten Arbeitsjahre und den Übergang in den Ruhestand, die je nach Neigung und finanzieller Situation des Mitarbeiters und Personalbedarf des Unternehmens angepasst werden können.“

Mehrheit der Unternehmen will Verantwortung für Mitarbeiter wahrnehmen

Bemerkenswert ist, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit Blick auf die bAV offenbar einig sind: 63 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland erwarten, dass sich ihr Arbeitgeber für die bAV engagiert. Nahezu genauso viele deutsche Unternehmen (64 Prozent) meinen, dass Arbeitgeber sich um die Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter kümmern sollten, wie die Studie „Is 75 the new 65?“ der Economist Intelligence Unit 2014 zeigt.

Von der bAV profitieren beide Seiten: 47 Prozent der Mitarbeiter schätzen an der Betriebsrente besonders das im Vergleich zu privater Vorsorge bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis. Unternehmen setzen ein gutes bAV-Angebot ihrerseits vor allem ein, um Mitarbeiter zu binden und talentierte Mitarbeiter zu gewinnen. „Die Befragungsergebnisse zeigen, dass dies auch funktioniert – und zwar umso besser, je genauer das bAV-Angebot den Vorsorgebedarf der Mitarbeiter trifft“ weiß bAV-Experte Jasper. „Für Unternehmen lohnt es sich daher, nicht nur ‚irgendeinen‘ Pensionsplan, sondern einen für ihre Mitarbeiter passenden Pensionsplan anzubieten.“

Sparen scheitert nicht am Wissen, sondern am Handeln

Der sorgenvolle Blick auf die Ruhestandsfinanzierung führt allerdings kaum zu Taten. 71 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sparen weniger als sie ihrer Meinung nach sollten. Auch diejenigen, die den Stand ihrer betrieblichen Altersversorgung detailliert prüfen, tun danach meist nichts (69 Prozent). Dieses Problem könnte durch Opting-Out-Modelle gelöst werden, die Mitarbeiter automatisch in einen betrieblichen Vorsorgeplan aufnehmen. Aus dem Gehalt der Mitarbeiter werden dann automatisch (ohne dass sie dafür aktiv werden müssten) Beiträge für eine Betriebsrente angespart – es sei denn, sie entscheiden sich explizit dagegen. Rund 60 Prozent der Unternehmen können sich die Einführung von betrieblichen Opting-out-Lösungen vorstellen, wie eine Umfrage von Towers Watson unter bAV-Verantwortlichen aus deutschen Unternehmen ergab. Und die große Mehrheit der Mitarbeiter (74 Prozent), die in einen solchen Plan aufgenommen wurden, ist mit dieser Lösung durchaus zufrieden.

„Das Sparen für den Ruhestand scheitert meist nicht am Wissen, sondern am Handeln. Unternehmen können dies mit Opting-out-Pensionsplänen wirkungsvoll kompensieren. Dann führt das Verhaltensmuster ‚nichts tun‘ zu einer auskömmlichen Rente statt zu Altersarmut“, betont Jasper. „Wenn die große Koalition beim weiteren Ausbau der ergänzenden Altersversorgung tatsächlich etwas bewirken will, sollte sie also die Arbeitgeber mit ins Boot holen“, so der bAV-Experte. Wichtig sei dabei aber, dass dies nicht zu obligatorischen Einheitsmodellen führe. „Die Stärke der bAV ist, dass sie die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern zusammenbringt. Das funktioniert nur auf betrieblicher Ebene – wenn die einzelnen bAV-Lösungen gut auf Unternehmen und Belegschaft abgestimmt sind.“

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Die Umfrage wurde von dem Beratungsunternehmens Towers Watson unter 22.000 Arbeitnehmern weltweit, darunter 2.000 in Deutschland, durchgeführt.