Erst kommt die Flut, dann schickt der Gebäudeversicherer die Rechnung ins Haus: Die Sparkassen-Versicherung (SV) erhöht zum Jahresanfang teils deutlich ihre Beiträge. „Die Beitragsanpassung betrifft rund 350.000 Kunden“, sagte Michael Kuhn, Sprecher der Sparkassen-Versicherung, den Stuttgarter Nachrichten. Die Kosten für Hausbesitzer steigen demnach um 13,5 Prozent. „Das liegt an den kontinuierlich steigenden Schadenzahlen – der Klimawandel ist in den Statistiken klar sichtbar“, begründete Kuhn die künftige Preiserhöhung. Damit setzt sich der Trend zu Teuerungen in der Wohngebäude-Sparte fort. In diesem Jahr hatten zuvor u.a. die Allianz, die Ergo, die Aachen Münchener und die VHV Beitragserhöhungen durchgesetzt.

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Neben den Überschwemmungen belastete im Sommer vor allem der Hagelsturm in Süddeutschland die Schadensbilanz der Sparkassen-Versicherung. In den betroffenen Gebieten hat der Versicherer besonders viele Kunden. Starke Schäden waren in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen sowie Göttingen und Esslingen zu beklagen, wo der Hagel rund 70.000 versicherte Gebäude und unzählige Autos beschädigte. „Die Schadenshöhe insgesamt beträgt etwa 600 Millionen Euro bei unseren Versicherten“, so SV-Sprecher Kuhn. Etwa 70 Prozent aller Wohnhäuser in Baden-Württemberg sind über die Sparkassen-Versicherung geschützt.

Seit Jahren rote Zahlen in der Wohngebäude-Sparte

Die meisten Versicherungsunternehmen bestreiten allerdings, dass die Beitragsanpassungen im direkten Zusammenhang mit den aktuellen Unwettern stehen. Bereits seit zwölf Jahren schreibt die Wohngebäude-Sparte rote Zahlen – die Ergo etwa musste in 2011 einen Verlust von 40 Millionen Euro verkraften. Hannover-Rück-Vorstand Michael Pickel erwartet, dass die Versicherer in der Gebäudeversicherung ein Drittel mehr für Schäden, Verwaltung und Vertrieb ausgeben, als sie an Beiträgen einnehmen: Das führt zu einem Defizit in der Branche von rund 2 Milliarden Euro. Beitragsanpassungen waren laut Brancheninsidern also längst überfällig.

Trotz dieser Beteuerungen dürfte das Image der Branche durch die aktuellen Prämienerhöhungen leiden. Bei vielen Beitragsanpassungen handelt es sich um sogenannte Änderungskündigungen: Wer den neuen Beitrag nicht akzeptiert, verliert seinen Versicherungsschutz. Gerade für Hausbesitzer in Überschwemmungsgebieten dürfte es aber schwierig werden, einen neuen Anbieter zu finden, der zukünftig auch das Überschwemmungsrisiko abdecken will. Die Kunden haben oftmals keine andere Wahl, als den Preisaufschlag zu akzeptieren.

Wohngebäudeversicherung: Kündigungswelle in den Überschwemmungsgebieten

So erhob auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Sommer schwere Vorwürfe in Richtung der Versicherer. Die Verbraucherschützer berichteten von einer Kündigungswelle in den Überschwemmungsgebieten und einer zunehmenden Zahl an Verbraucherbeschwerden. Selbst langjährigen Versicherungskunden werde nun die Wohngebäude- oder Elementarschadenversicherung gekündigt, vielen bereits nach dem ersten Schadensfall und bei Bagatellschäden von wenigen hundert Euro.

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Dies nährt den Verdacht, dass die Branche ihre Kunden im Stich lässt. „Das Geschäft von Versicherern ist die Übernahme von Schäden. Es ist kein gutes Zeichen, wenn die Versicherer dann, wenn ein Schaden aufgetreten ist, einem kündigen“, so Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden Württemberg. Zwar würden einige Betroffene das Gespräch mit der Versicherung suchen, um den Rausschmiss zu verhindern. Sie müssten dann aber fast immer höhere Beiträge, einen höheren Selbstbehalt oder Leistungsausschlüsse akzeptieren.

Stuttgarter Nachrichten