Es sind drastische Worte, die der Verbraucherschützer Niels Nauhauser für die private Altersvorsorge wählt. Ein „Haifischbecken“ nennt er den Versicherungsmarkt um Riester und Co., und wer darin die Raubfische sind, will Nauhauser bereits erkannt haben: „Es sind die Berater, die den Verbrauchern nicht genau erklären können, welche Altersvorsorge für sie persönlich die beste ist“. Der umstrittene Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen fordert einen staatlichen Altersvorsorge-Fonds als Alternative zur Privatvorsorge.

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“Die Riester-Rente hat ihre Ziele nicht erreicht“

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte Nauhauser, die Riester-Rente habe ihre Ziele nicht erreicht. Nun sei es an der Zeit, über echte und vor allem verbraucherfreundliche Alternativen nachzudenken. Hier könne Skandinavien als Vorbild dienen: Dort gebe es bereits staatliche Pensions- und Vorsorgefonds.

“Es geht darum, wieder Vertrauen herzustellen. Momentan spielen die Berater der Finanzindustrie eine entscheidende Rolle; sie sollen den Kunden eine ganz individuelle Altersvorsorge empfehlen - verfolgen aber ganz eigene Ziele“, so Nauhauser. Millionen Bürger müssten überlegen, wie sie in einem unübersichtlichen Markt ihre Vorsorge am besten gestalten können. Die Finanzdienstleister aber überlegten sich in erster Linie, wie am meisten Geld in ihrer Branche hängen bleibt. Das könne nicht funktionieren und sei nicht zum Wohl der Verbraucher, schlussfolgert Nauhauser.

Vorbild: Pensionsfonds in Schweden und Norwegen

Bei der Suche nach Alternativen geht Nauhausers Blick nach Skandinavien. In Schweden und Norwegen habe sich das Modell eines staatlichen Fürsorgefonds bewährt. Die Menschen würden freiwillig einzahlen und der Fonds sei überwiegend den Anlageinteressen der Beitragszahler verpflichtet. Das bedeute auch: Im Gegensatz zur Riester-Rente fallen keine Abschluss- und Folgeprovisionen an. Auch die Verwaltungskosten seien geringer als bei den privaten Anbietern. „Beim staatlichen Pensionsfonds Schwedens betragen die jährlichen Kosten 0,12 Prozent des verwalteten Vermögens“, rechnet die Süddeutsche vor.

„Es ist an der Zeit, dass auch bei uns ein System die Verbraucher versorgt, das kostengünstig, transparent und einfach ist“, sagt Nauhauser. „Damit können wir der Fehlberatung und Provisionsschneiderei begegnen.“ Da die Anlagegrundsätze des Vorsorgefonds ausschließlich auf wissenschaftlichen Kriterien basierten, seien Risiken durch Kursschwankungen nahezu ausgeschlossen. Es werde nicht mehr wild spekuliert, und die Kontrolle durch die Politik garantiere ein zusätzliches Maß an Transparenz.

GDV weist die Kritik zurück

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) konterte Nauhausers Kritik umgehend und warnt vor den Gefahren des skandinavischen Modells. „Der Vorsorgefonds bietet weder lebenslange Renten noch eine Mindestgarantie für die Leistungen“, heißt es auf der Webseite des Verbandes. Auch würden die Sparer keine Planungssicherheit haben, weil die Kapitalerträge starken Schwankungen ausgesetzt seien. Letztendlich müsse der Anleger sogar eine „Quasi-Enteignung“ durch den Staat fürchten, weil der Fiskus in Krisenzeiten auf die Ersparnisse zugreifen könne. Gerade staatliche Banken hätten in der Finanzkrise viel Geld verspekuliert.

Stattdessen fordert der GDV sogar eine Ausweitung der Riester-Förderung. Das Fördervolumen solle dynamisiert und die Grundzulage erhöht werden, heißt es unter der Überschrift „Wie die Riester-Rente verbessert werden sollte“. Mehr Transparenz erhofft sich der GDV von einem „gut gemachten, einheitlichen Informationsblatt“ mit Ausweisung der Gesamtkostenquote.

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“Statt der Riester-Rente untaugliche Modelle wie ein Vorsorgekonto entgegenzusetzen, sind vielmehr konstruktive Verbesserungen gefragt“, argumentiert der Interessenverband der Privatversicherer. Die Riester-Rente sei noch relativ jung und selbstverständlich gebe es Aspekte, die weiter verbessert werden können.

Süddeutsche Zeitung