Für Ergo-Chef Torsten Oletzky wird heute ein richtungsweisender Tag. Heute trifft sich der Aufsichtsrat der Ergo und wird aller Voraussicht nach über die Zukunft von Oletzky entscheiden.

Anzeige

Da die nächste ordentliche Sitzung erst im August stattfindet, wird damit gerechnet das bereits heute eine Entscheidung in der Causa Oletzky fällt. Dessen Vertrag zum Ende des Jahres ausläuft. Wie die Rheinische Post, unter Berufung auf Stimmen aus dem Umfeld des Unternehmens, berichtet, gebe es aktuell innerhalb des Aufsichtsrats keine Zwei-Drittel-Mehrheit für Oletzky.

Nach diversen Skandalen in und um den Ergo-Konzern scheint eine Weiterarbeit so gut wie ausgeschlossen. Zwar treffe Oletzky persönlich keine Schuld. Jedoch stehe er als Chef in der Verantwortung, heißt es. So fielen in seine Amtszeit der Skandal um Incentive- bzw. Sexreisen nach Budapest (der Versicherungsbote berichtete: „Versichern heißt vergessen“), Betrug bei Riester-Versicherungen (der Versicherungsbote berichtete: „Wucher-Verträge: ERGO erneut in der Kritik“ und „Staatsanwaltschaft macht Jagd auf ERGO-Führungskräfte“), Vorwürfe wegen angeblicher Falschberatung und der durch den Konzernumbau geplante Stellenabbau (der Versicherungsbote berichtete: „Ergo streicht bis zu 1350 Stellen“. Dieser war kurz darauf noch ein mal nach oben korrigiert worden (der Versicherungsbote berichtete: „Ergo plant weiteren Stellenabbau“).

Das passt so gar nicht ins neue Selbstverständnis des Versicherungskonzerns. Viel mehr wollte man mit dem Slogan „Versichern heißt verstehen“ dem angestaubten Assekuranz-Image ein frisches, jugendliches Bild verpassen und damit vor allem neue Kunden gewinnen. Doch am Ende bleibt es wohl mehr bei einem großen Missverständnis und dem passenden Versicherungsbote-Artikel („Das 90-Millionen-Werbe-Schlamassel“).

Anzeige

Sollte es innerhalb des Aufsichtsrats keine Zwei-Drittel-Mehrheit für Oletzky geben, müsste ein Vermittlungsausschuss mit je zwei Vertretern der Kapital- und der Arbeitnehmerseite eingerichtet werden. Dieser reicht anschließend einen neuen Vorschlag für eine Entscheidung in den Aufsichtsrat ein.