Ganze 72 Artikel in zwölf Monaten weist die Suchfunktion unserer Homepage zum Thema Griechenland aus. Ok, wenig ist das nicht. Bei Spiegel Online kann man über diese Zahl jedoch nur müde lächeln. Denn im selben Zeitraum wurden beim Spiegel tausende Artikel zum Thema veröffentlicht, wie unsere kleine Recherche ergab, nicht wenige davon waren Leitartikel. Auch bei Zeit Online: Weit über eintausend Treffer. Bei der FAZ: Es lockt die tausendfache Griechenlandkrise. Im Archiv der Süddeutschen Zeitung wird ebenfalls eine vierstellige Zahl zum Thema ausgewiesen. Zieht man die Texte zur Fußball-EM sowie Kochrezepte und Reiseberichte ab, so kommen unsere Kollegen immer noch pro Tag auf zwei bis drei Artikel zur Griechenlandkrise. Und täglich grüßt das Murmeltier!

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Sollten Sie also die letzten zweieinhalb Jahre in einer dunklen Höhle gehaust haben, ohne Zugang zu Tageszeitungen, Fernsehern oder Radios, hier noch einmal das Wichtigste im Schnelldurchlauf: Griechenland ist noch immer mit Milliardenbeträgen verschuldet. Und immer noch gibt es keine Lösung für das Problem. Immer noch glaubt auch die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), man könne einem Bettler helfen, indem man ihm die letzten Groschen wegnimmt. Denn als Gegenleistung für neue Milliardenkredite werden Sparprogramme durchgesetzt, die dort am meisten weh tun, wo das Geld am dringendsten gebraucht wird. Wie bitteschön kann eine Volkswirtschaft wachsen, wenn weniger Finanzmittel für Investitionen bereit stehen? Wie kann die Binnennachfrage angekurbelt werden, wenn abertausende Menschen ihren Job verlieren, Erwerbstätigen der Lohn gesenkt wird und Rentnern die Altersbezüge gekürzt werden? Es ist kein Geheimnis, dass nur ein Bruchteil der Milliarden-Hilfsgelder tatsächlich dem griechischen Staat zugute kommt. Der weitaus größere Betrag wird sofort für den Schuldendienst verwendet. Empfänger sind Banken, Hedgefonds und private Gläubiger aus aller Welt.

Allerdings gibt es doch Bereiche, in denen Griechenland stolze Wachstumsraten verzeichnet. Im Mai 2012 gab die Statistik- Behörde Griechenlands bekannt, dass die Arbeitslosigkeit auf 23,1 Prozent gestiegen ist. Sie liegt damit um ein Drittel höher als ein Jahr zuvor. Gestiegen ist auch die Zahl der Jungen und Jugendlichen, die sich vorstellen können das Land zu verlassen. Immerhin 40 Prozent der jungen Griechen gaben bei einer Umfrage an, dass sie darüber nachdenken, in ein anderes EU-Land auszuwandern. Viele davon sind gut ausgebildete Fachkräfte, die infolge der Krise keine Arbeit finden. So wird die Zukunft des Landes aufs Spiel gesetzt. Im zweiten Quartal 2012 brach auch die Wirtschaft des Landes um weitere 6 Prozent ein.

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Da das Griechenland-Bashing in deutschen Medien ungemindert anhält und wohlwollende Artikel in der Unterzahl sind - "Griechenland, das war's wohl!", schrieb etwa der Stern im Juli, da die Abgesänge auf das Land ebenso zahlreich sind wie die Abgesänge auf den Euro, da die Presse gern auch populistische Töne anschlägt - "Akropolis Adieu. Warum Griechenland den Euro jetzt verlassen muss", titelte der Spiegel in seiner Heftausgabe 20/2012, seien hier ein paar Zahlen wider dem Populismus genannt:

  • Laut einem Bericht der Zeit betrug das griechische Durchschnittseinkommen vor der Krise nur 820 Euro. Infolge der Sparmaßnahmen ist es seither weiter gesunken.
  • Griechenland hat die zweitlängste Wochenarbeitszeit in Europa. Im Schnitt arbeitet jeder Grieche 42,2 Stunden pro Woche, nur die Österreicher können diese Zahl toppen. Deutschland steht da weit zurück. Hier beträgt die Wochenarbeitszeit 35,6 Stunden pro Woche.
  • Zahlen der OECD zeigen, dass griechische Männer genauso lang arbeiten, wie deutsche. Nämlich durchschnittlich 62, 1 Jahre.
  • Die Finanzhilfen für Griechenland (Hilfspaket 1/2010) kommen nicht aus dem Staatshaushalt, sondern Deutschland leiht sich Geld und verborgt es weiter - mit kräftigen Aufschlägen. Per Saldo zahlen also die Griechen an Deutschland - Voraussetzung ist natürlich, dass die Krisenstaaten ihre Schulden begleichen.


Unsere Gewinnspielfrage für diese Woche lautet: Wie wird das Dreigespann aus IWF, EU-Kommission und EZB in den Medien genannt?

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