Geringfügig niedriger als in Deutschland sind die Arbeitskosten in Finnland und Österreich. Und wenn den Krisenländern Irland, Italien, Spanien, Griechenland oder Portugal mangelnde Wettbewerbsfähigkeit unterstellt wird, so kann dies sicher nicht an den Arbeitskosten liegen. Sie reichen von 26,80 bis 12 Euro pro Stunde. Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis der neuesten verfügbaren europäischen Daten.

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"Die Zahlen unterstreichen, was wir an vielen Parametern ablesen können: Deutschland ist ein Land mit hervorragender internationaler Wettbewerbsfähigkeit", sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. "Doch das ist nicht nur eine gute Nachricht. Die Kehrseite ist eine langjährige relativ schwache Entwicklung bei Löhnen und Binnennachfrage. Seit Jahren exportieren wir weitaus mehr als wir einführen. Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse sind nach wie vor so groß, dass sie unsere Handelspartner in der europäischen Währungsunion und auch außerhalb unter großen Druck setzen, und das macht es so schwer, die Krise im Euroraum zu bewältigen."

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Zwar stiegen die deutschen Arbeitskosten nach Analyse der IMK-Experten mit drei Prozent zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 etwas stärker an als im Durchschnitt von Euroraum und EU (je 2,7 Prozent). Doch dem steht eine langjährige gegenläufige Entwicklung gegenüber. Von 2000 bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 wuchsen die Arbeitskosten in Deutschland im Jahresdurchschnitt um lediglich 1,8 Prozent, während es im Mittel der Währungsunion 3 und im Durchschnitt der EU sogar 3,6 Prozent waren. Selbst im Mittel der Jahre 2008 bis 2011 blieb der Anstieg in Deutschland mit 2 Prozent pro Jahr erneut unter der Entwicklung der Eurozone und der EU (2,3 Prozent) – trotz zum Teil drastischer Rückgänge in den Euro-Krisenstaaten. Der gleiche Trend zeigt sich bei den Lohnstückkosten, welche die Arbeitskosten ins Verhältnis zur Produktivität setzen (Einzelheiten siehe unten).