"Alarmierend ist, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer weiter sinkt", erklärt Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. "Wir müssen davon ausgehen, dass es sich hier nicht um eine kurzfristige Erscheinung handelt, sondern um einen längerfristigen Trend." Als Treiber der Entwicklung lassen sich zwei Faktoren ausmachen. Mehr als die Hälfte aller Berufstätigen in Deutschland (52 Prozent) sorgt sich wegen der Staatsschulden- und der Eurokrise verstärkt um ihre Altersversorgung. "Die Bereitschaft, neue und langfristige Vorsorgeverträge in dieser Situation abzuschließen, ist entsprechend gering", erklärt Meyer. Aber auch die starke Konjunktur mit einer historisch hohen Beschäftigungslage in Deutschland hat hier erheblichen Einfluss. So wiegt die gute Arbeitsmarktlage offenbar viele in Sicherheit. Meyer: "In unseren zehn Jahresstudien haben noch nie so viele Befragte angegeben, dass sie das, was sie bisher für ihre Altersvorsorge tun, als ausreichend ansehen. Allein von den Berufstätigen sagen dies aktuell 44 Prozent."
In der Gruppe der jungen Berufstätigen im Alter von 16 bis 29 Jahren hält inzwischen mehr als jeder Vierte seine heutige Altersvorsorge bereits für ausreichend. Noch vor fünf Jahren glaubte dies nur jeder Sechste, eine Zunahme also um fast 60 Prozent.

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Überdies scheint sich auch die Einstellung der Menschen zu verändern: Nur noch 14 Prozent der Berufstätigen, die sich nicht ausreichend abgesichert fühlen, würden sich für eine sichere Altersvorsorge bei ihren heutigen Ausgaben einschränken. Vor zwei Jahren war dies mit 22 Prozent noch fast die Hälfte mehr.

Unterschätzte Preisentwicklung

Exakt jeder zweite Deutsche gibt in der aktuellen Postbank-Studie zu Protokoll: "Die Inflation spielt bei der Planung meiner Altersvorsorge keine Rolle." Sogar unter den jungen Berufstätigen unter 30 Jahren sind es 44 Prozent. Dazu Meyer: "Ein Euro, der Anfang 2002 im neuen Starter-Kit für die Deutschen lag, hat heute eine Kaufkraft von wenig mehr als 80 Cent. Den Preissteigerungseffekt bei einer so langfristigen Planung wie der Altersvorsorge zu vernachlässigen, ist daher ebenso fahrlässig wie gefährlich."