Nach dem wirtschaftlichen Einbruch 2009 hat sich der deutsche Arbeitsmarkt erstaunlich schnell erholt. Ein Bestandteil des "deutschen Jobwunders" war die Ausweitung der Kurzarbeit. Doch ohne günstige Rahmenbedingungen hätte sie nicht so gut angeschlagen. Dies zeigt der Vergleich mit Italien, den PhD Ulrike Stein vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung zusammen mit Dr. Fabio R. Aricò von der University of East Anglia im englischen Norwich angestellt hat.

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Ähnliche Startbedingungen in beiden Ländern, bessere Rahmenbedingungen in Deutschland

Für beide Länder ging die globale Nachfrage 2009 ähnlich stark zurück, skizzieren die Forscher. Deutsche wie Italiener nutzten das Instrument der Kurzarbeit seit geraumer Zeit, um in Phasen der Rezession Beschäftigte im Unternehmen halten zu können. Und beide Länder starteten mit einer identischen Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent in die Wirtschaftskrise (laut Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), abweichend von den Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit).

Hier hören die Gemeinsamkeiten allerdings auf: Trotz des kräftigen Einbruchs behielten in Deutschland die meisten Arbeitnehmer ihren Job. Seit Anfang 2010 nahm die Beschäftigung sogar wieder zu, die Wirtschaft erholte sich. In Italien hingegen gingen sowohl die Zahl der Erwerbstätigen als auch das Wachstum erheblich zurück. Eine nachhaltige Erholung ist nicht in Sicht.

Dass Deutschland besser abschnitt, beruht nach der Analyse von Stein und Aricò auf den günstigeren Rahmenbedingungen. Angesichts des großen Ausmaßes der Rezession verließ sich die Bundesregierung nicht allein auf arbeitsmarktpolitische Instrumente. In kurzer Folge legte sie mehrere Konjunkturprogramme auf, die dabei halfen, den starken Nachfragerückgang aufzufangen. Die italienische Regierung unterstützte die Wirtschaft dagegen kaum; Begründung: Der Staat sei zu hoch verschuldet.

Arbeitszeitkonten erlaubten flexiblere Nutzung der Teilzeitarbeit

Zudem konnten Betriebe in Deutschland auf weitere Möglichkeiten interner Flexibilität zurückgreifen, zum Beispiel auf die in der deutschen Industrie weit verbreiteten Arbeitszeitkonten. Vor der Krise florierte die Wirtschaft, die Konten der Beschäftigten waren gut gefüllt. Als Aufträge fehlten, bauten sie ihre Zeitguthaben ab. Darüber hinaus machten Arbeitnehmer weniger Überstunden und reduzierten ihre Wochenarbeitszeit. Mehr als drei Millionen Jobs ließen sich so erhalten, zitieren Stein und Aricò eine Studie des WSI in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer trug dazu bei, solche betrieblichen Arbeitszeitverkürzungen effektiv einzusetzen: "Die Sozialpartner hatten diese Instrumente innerhalb eines verlässlichen Rahmens entwickelt", erläutern die beiden Wirtschaftsforscher. Arbeitgeber konnten dadurch gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten an die Auftragslage anpassen. Entlassungen blieben so aus. In Italien fehlen solche Möglichkeiten.

“Flexibilitätspuffer“ boten zusätzlichen Schutz vor Entlassungen in Deutschland

Die zusätzlichen Flexibilitätspuffer erleichterten es deutschen Betrieben auch, die Kurzarbeit weniger intensiv einzusetzen. In Deutschland waren im Mai 2009 zwar mehr als 1,5 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Die meisten von ihnen reduzierten ihre Wochenarbeitszeit jedoch lediglich um bis zu 25 Prozent. Nicht einmal zehn Prozent aller Kurzarbeiter arbeiteten weniger als die Hälfte ihrer üblichen Arbeitszeit. Im Durchschnitt belief sich die Reduzierung auf 30 Prozent.

Die italienische Regierung hingegen verließ sich fast ausschließlich auf die verschiedenen Regelungen zur Kurzarbeit, um die Auftragseinbrüche der Industrie abzufedern. "Diese Programme haben sicherlich dazu beigetragen, einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern", so Aricò und Stein. Dennoch habe die Zahl der Arbeitslosen bis ins Jahr 2010 zugenommen.

Ein Grund für die Verzögerung: In Italien hat nur ein kleiner Kreis von Beschäftigten Anspruch auf Arbeitslosengeld. "Da italienische Beschäftigte weniger davor geschützt sind, im Falle von Arbeitslosigkeit ohne Einkommen dazustehen, wurde die Kurzarbeit während der Krise als Ersatz-Arbeitslosenversicherung genutzt", fassen die Forscher zusammen. Zu Beginn der Krise wechselten viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit Null, waren also eigentlich arbeitslos. Gerade sie tauchten später in den Arbeitslosenstatistiken auf, als die Wirtschaftskrise andauerte und ihr Kurzarbeitergeld auslief.

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Fabio R. Aricò, Ulrike Stein: Was Short-Time Work a Miracle Cure During the Great Recession? The Case of Germany and Italy, in: Comparative Economic Studies Nr. 54, 2012