Die Deutschen verstärken offensichtlich ihren Schutz vor drohender Berufsunfähigkeit: Im Jahr 2011 ist das Neugeschäft an Berufsunfähigkeitsversicherungen in Deutschland um 13,7 Prozent auf 459 Tausend Verträge gewachsen. Die Versicherungssumme, die auf diese Neuverträge entfiel, summierte sich auf 69,2 Milliarden Euro (plus 16,9 Prozent). Dies geht aus der neuen Broschüre „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2012“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor, die heute in Berlin veröffentlicht wurde.

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Angesichts der Debatte um die Gefahr der Altersarmut und die Arbeitsfähigkeit älterer Menschen kommt diesem Schutz bei Erwerbsminderung wachsende Bedeutung zu. Zusammen mit Zusatzversicherungen stieg der Bestand an Berufsunfähigkeitspolicen auf gut 16,9 Millionen Verträge.

Lebensversicherungen: leichte Stabilisierung?

Ein weiterer wichtiger Indikator für die Vorsorgebereitschaft der Bevölkerung konnte sich ebenfalls im Jahr 2011 stabilisieren: Nach zwei Jahren des Rückgangs sind die laufenden Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung um knapp ein Prozent gewachsen.

Die Erholung der laufenden Beiträge in der Lebensversicherung zeigt sich noch deutlicher im Neugeschäft: Nach den Minusraten der beiden Vorjahre ist dieses in 2011 um mehr als acht Prozent (plus 8,3 Prozent) gewachsen.

Wie erwartet kam es 2011 zu einer Konsolidierung der Einmalbeiträge. Nach fast 27 Milliarden Euro im Jahr 2010 wurden im vergangenen Jahr 22,6 Milliarden Euro gemessen – historisch betrachtet der zweithöchste Wert. Aufgrund des Rückgangs der Einmalbeiträge reduzierten sich die gesamten Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung (einschließlich Pensionskassen und -fonds) um 3,9 Prozent auf 86,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 90,4 Milliarden Euro).

Ein sprunghafter Anstieg war bei den ausgezahlten Leistungen zu verzeichnen: Diese stiegen von 72,4 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 85,0 Milliarden Euro (plus 17,3 Prozent). Diese Steigerung um 17,3 Prozent ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass 1999 – im Vorgriff auf eine erwartete Verschlechterung der steuerlichen Behandlung der Lebensversicherung – viele Verträge über 12 Jahre abgeschlossen wurden, die 2011 ausgezahlt wurden.

Erfreulich für unsere Kunden: Die Verwaltungsaufwendungen der Lebensversicherer sind auch im letzten Jahr wieder leicht zurückgegangen: Mit 2,0 Milliarden Euro lagen die Verwaltungskosten 2011 erneut unter dem Vorjahreswert (2,1 Milliarden Euro). Die Verwaltungskostenquote, bei der die Kosten ins Verhältnis zu den gebuchten Brutto-Beiträgen gesetzt werden, blieb damit stabil bei 2,4 Prozent; 1985 betrug diese Quote noch über 6 Prozent.

Mit insgesamt 93,6 Millionen Verträgen bleibt der Bestand der Lebensversicherungen in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau. (2010: 94,2 Millionen Verträge einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds).

Bei den Stornoquoten setzte sich der positive Trend fort: Trotz der Finanz- und Schuldenkrise ist die Stornoquote erneut zurückgegangen und lag mit 3,49 Prozent (2010: 3,60 Prozent) auf dem niedrigsten Niveau seit 1993.

Ein Plus auch bei Riester, Rürup, bAV

Überaus erfreulich war die Entwicklung der betrieblichen Altersversorgung. Insgesamt waren 2011 gut 13,8 Millionen Verträge der betrieblichen Altersversorgung zuzuordnen (plus 4,6 Prozent); sie hielt damit einen Anteil von 14,8 Prozent an allen Verträgen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds. Gemessen an den Bestandsbeiträgen lag der Anteil sogar bei 20,3 Prozent.

Deutliche Wachstumsraten auch bei der staatlich geförderten Altersvorsorge: So erreichte der Gesamtbestand an Riester-Verträgen zum Jahresende 2011 rund 10,8 Millionen Verträge (plus 4,8 Prozent) mit einem laufenden Beitrag von 5,4 Milliarden Euro (plus 6,5 Prozent) und kapitalisierten Jahresrenten in Höhe von 132,3 Milliarden Euro (plus 8,2 Prozent).

Auch der Bestand an Basisrentenverträgen („Rürup-Renten“) konnte zulegen. Er erreichte zum 31.12.2011 knapp 1,5 Millionen Verträge (plus 16,4 Prozent) mit einem laufenden Beitrag von 2,8 Milliarden Euro (plus 14,1 Prozent) und kapitalisierten Jahresrenten in Höhe von 47,6 Milliarden Euro (plus 14,0 Prozent). Diese Variante der privaten Vorsorge ist besonders für Selbstständige geeignet.

Damit die Lebensversicherer ihrer Verantwortung für die Sicherung der künftigen Rentner gerecht werden, legen sie die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel langfristig am Kapitalmarkt an. Ende 2010 addierten sich diese Kapitalanlagen auf 764,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 752,5 Milliarden Euro); weitere 55,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 56,4 Milliarden Euro) kamen noch für fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen hinzu.

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Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2012 können Sie downloaden. Interessierte können sie auch kostenfrei bestellen.