Auf P2P-Plattformen im Internet werden zwar schon seit Jahren Kredite und Zahlungen von privat an privat vermittelt sowie Anlagetipps ausgetauscht, häufig unter weitgehender oder vollständiger Umgehung einer Bank. Inzwischen finanziert die Community aber sogar Projekte und Unternehmen – wenn auch vom Volumen her noch im kleinen Maßstab. Wie die Entwicklung in den USA zeigt, könnte sich das schon bald ändern. Dort wandte sich beispielsweise zu Jahresbeginn Spiele-Entwickler Tim Schafer an die Netzgemeinde, nachdem sich sonst kein Finanzier für sein neues Computerspiel gefunden hatte. Über die Plattform „Kickstarter“ hatte er im Handumdrehen rund zwei Millionen US-Dollar von begeisterten Fans eingesammelt. Für „Kickstarter“ ein neuer Rekord.

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Wenn Kleinanleger nicht nur ihr Kapital einsetzen, um über Onlineplattformen Projekte zu finanzieren, etwa im Kulturbereich, sondern auch Anteile von Unternehmen erwerben, spricht man von Crowd-Investing. Prominentestes und bislang erfolgreichstes Beispiel in Deutschland ist „Stromberg“. Fans der Fernsehserie sammelten Ende 2011 in kurzer Zeit eine Million Euro für die Produktion des ersten Kinofilms über den „Alptraum-Chef“ ein. Die Kleinanleger erwarben Anteile im Wert von je 50 Euro und erhalten pro verkaufte Kinokarte einen Euro zurück. Im vergangenen August startete zudem die Onlineplattform „Seedmatch“, die private Anleger an junge Unternehmen vermittelt. Bis zu 100.000 Euro können Geldgeber dort in Start-ups stecken.

„Crowd-Funding und -Investing stecken in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt Stefan Lamprecht, Bankexperte bei Steria Mummert Consulting. „Die P2P-Plattformen werden von den Banken jedoch heute schon zu den fünf wichtigsten branchenfremden Wettbewerbern gezählt. Eine bedeutende Rolle für die weitere Entwicklung wird der Gesetzgeber spielen – denn bisher fehlt es an einheitlichen Regelungen für das P2P-Geschäft.“

Der Vorteil dieser Form des Investments: Die Kreditgeber können selbst entscheiden, in welche Projekte sie ihr Geld stecken. Wer sein Geld bei einer Bank anlegt oder in einen Fonds investiert, hat oftmals weniger Einflussmöglichkeiten.

Hintergrundinformationen Für die Studie „Branchenkompass 2011 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut befragte forsa im Juli 2011 100 Entscheider aus 100 Kreditinstituten in Deutschland. Die Institute gehören zu den nach ihrer Bilanzsumme größten Kreditinstituten im Land. Sie repräsentieren die drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft: Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Kreditbanken. Die Entscheider wurden zu den Branchentrends sowie zu den Strategien und Investitionszielen bis 2014 interviewt. Befragt wurden jeweils die Vorstandsvorsitzenden, Vorstandsmitglieder, die Geschäftsführer, die Leiter der Unternehmensentwicklung, die Leiter von Finanzen und Controlling oder die Vertriebs- und Marketingleiter. Die Befragungen wurden mit der Methode des Computer Assisted Telephone Interview (CATI) durchgeführt.