Ein Grund für die Probleme der privaten Krankenversicherung sind die Nichtzahler. So haben sich die Verluste durch Beitragsschuldner im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Ende Juni diesen Jahres schuldeten 142.800 Privatpatienten ihren Versicherern mindestens drei Monatsbeiträge. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 120.800. Zwar scheint der Anteil der Beitragsschuldner bei knapp 9 Millionen Privatversicherten in Deutschland eher gering. Jedoch ist der Schaden immens. Der Verband der privaten Krankenversicherung geht von einem Schaden von einer halben Milliarde Euro aus (289 Millionen im Vorjahr). Bei generell eng kalkulierten Tarifen wiegen solch enorme Beitragsausfälle schwer.

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Vor allem die privaten Krankenversicherungen mit sogenannten Billigtarifen sind stark betroffen. Sie hatten in den vergangenen Jahren den Markt mit Basistarifen erobert und enorme Kundenzuwächse gefeiert. Doch gerade diese Niedrigpreisstrategie fällt den Versicherern jetzt auf die Füße. Denn gerade in diesem Preissegment befindet sich verhältnismäßig die größte Anzahl der Beitragsschuldner. Durch die 2009 eingeführte Versicherungspflicht dürfen die privaten Krankenversicherungen keinen Kunden mehr kündigen, wenn er seine Prämien nicht zahlt. Die Nichtzahler sind somit voll versichert und das für lau.

Die Leidtragenden dabei sind die restlichen Versicherten. Sie werden an dieser Stelle zur Kasse gebeten und müssen über Beitragsanpassungen den Fehlbetrag ausgleichen. Damit wird die private Krankenvollversicherung immer unattraktiver. Als Alternative könnte das Schweizer Modell, mit einer Grundversorgung und Krankenzusatzversicherungen, herhalten.

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Den privaten Krankenversicherungen fehlt an dieser Stelle die Alternative. Sie haben lediglich die Möglichkeit, säumige Mitglieder im Versicherungsschutz einzuschränken. So würde Beitragsschuldnern nur noch die Notversorgung zustehen. Darin eingeschlossen sind Schmerzbehandlung sowie Schwangerschaft und Mutterschaft. Der Verband der privaten Krankenversicherung fordert diesbezüglich seit geraumer Zeit eine Reaktion der Bundesregierung. Diese solle endlich eine gesetzliche Regelung, für die Vorgehensweise mit Beitragsschuldnern, schaffen.