Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) ging in einer repräsentativen Studie unter 1001 Versicherungsnehmern der Frage nach, wie groß die Akzeptanz von Versicherungsbetrug in der Bevölkerung ist. Und präsentierte erschreckende Zahlen: demnach werden rund zehn Prozent der jährlichen Beträge für die Schadensregulierung im Unfall- und Schadensbereich an Betrüger ausgezahlt. Nach Schätzungen gehen der Assekuranz so jedes Jahr rund 4,2 Milliarden Euro verloren.

Hohe Akzeptanz von kleineren Betrugsdelikten

Die Ergebnisse der Umfrage lassen darauf schließen, dass viele Bürger den Versicherungsbetrug als Kavaliersdelikt betrachten. Rund vier Prozent der Befragten gaben an, in den letzten fünf Jahren ihre Versicherung betrogen zu haben – weitere sieben Prozent wissen angeblich von einem Betrug in ihrem sozialen Umfeld. Oftmals werden Versicherungen im Freundes- und Bekanntenkreis in Anspruch genommen, um einen kleineren Schaden unrechtmäßig erstattet zu bekommen.

„Gerade die kleineren Betrügereien sind in der Summe ein großes Problem für die Versicherungswirtschaft“, schlussfolgert Jörg von Fürstenwerth vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bevorzugt wird die private Haftpflichtversicherung als Ziel für Schummeleien wahr genommen – fällt das teure Notebook vom Tisch oder landet ein Rotweinfleck auf dem Teppich, lässt man einen Freund mit seiner Haftpflichtpolice einspringen, auch wenn er gar nicht den Schaden verursacht hat.

Doch manche Pannen bieten sich offenbar besonders für Betrugsversuche an. Eine Sonderuntersuchung zu Laptopschäden hat ergeben, dass 36 Prozent aller Schadensmeldungen zu Unrecht erfolgten – erfasst wurden hierfür nur solche Fälle, bei denen sich Experten zu einhundert Prozent sicher waren, einen Betrug vor Gericht nachweisen zu können. Zugleich sind die Delikte stark spartenabhängig. So vermuteten die Interviewten, dass man neben der Privathaftpflicht auch bei Hausrat- und Autoversicherungen leicht tricksen könne. Etwa werden nach Einbrüchen Gegenstände als gestohlen gemeldet, die sich gar nicht in der Wohnung befanden.

Versicherungsnehmer unter Verdacht

Thomas Leicht, Vorsitzender der Kommission Kriminalitäts- und Geldwäschebekämpfung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betonte, dass die meisten Kunden ehrlich seien, schränkte jedoch ein, dass bei jeder zehnten Schadensmeldung ein Betrugsversuch im Spiel sei. So müssen sich Versicherungsnehmer zunehmend auf das Misstrauen der Assekuranz einstellen. „Früher hat ein Sachbearbeiter bei einer Schadenmeldung oft nach Bauchgefühl entschieden“, sagte Leicht, doch nun werde die Regulierung immer mehr systematisiert – und selbst kleinere Schäden genau begutachtet. Zuletzt war die Assekuranz im März scharf kritisiert worden, weil sie Versicherungsnehmer schneller auf ihre schwarze Liste für potentielle Betrüger (HIS) setzt – darauf findet sich jeder wieder, der innerhalb von 24 Monaten drei Schadenmeldungen bei Sachversicherungen vorzuweisen hat.

Des Weiteren lässt die Interpretation der Studie durchaus kritische Fragen zu. Beispielsweise wurden dem Betrugsbereich als sogenannte „Grauzone“ jene Fälle zugerechnet, in denen die Befragten nicht auf die Frage antworteten, ob sie ihre Versicherung in den letzten Jahren betrogen haben. Die Zahl der Interviewten, die eine Auskunft verweigerten, betrug 11 Prozent. Doch wer antwortet schon gern auf die Frage, ob er ein Betrüger sei – auch wenn er sich nie etwas zu Schulden kommen ließ?