ERGO kommt nicht zur Ruhe. Soeben bemühte sich der Konzern, mit einem Verhaltenskodex das verloren gegangene Vertrauen der Kunden nach dem Sexskandal von Budapest zurückzugewinnen – schon droht ein neuer Eklat.

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Fehlerhafte Angaben in den Riester-Anträgen

Wie das Handelsblatt in seiner Donnerstagsausgabe berichtet, vermittelten Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer in den Jahren 2005 und 2006 an 70.000 Kunden Verträge mit zu hohen Verwaltungskosten. Das Unternehmen habe daran ungerechtfertigt rund 160 Millionen Euro verdient. Bezeugt haben diese Praxis dem Handelsblatt gegenüber ehemalige Generalvertreter des Unternehmens an Eides statt. Sie selbst hatten tausende dieser Verträge vermittelt.

Bei den überteuerten Riesterverträgen handelte es sich um ein Produkt namens „Kaiser-Rente“, benannt nach Herrn Kaiser, der berühmten Werbefigur der Hamburg Mannheimer. Rund 215.000 dieser Verträge hatte das Unternehmen nach Informationen des Handelsblattes verkauft. Bei einem Drittel jedoch seien in den Anträgen, die den Kunden zur Unterzeichnung vorgelegt worden waren, die Kosten geringer ausgewiesen gewesen als später in den Verträgen.

Ein ehemaliger Generalvertreter war im Jahr 2009 von einem Kunden auf den Fehler aufmerksam gemacht worden. „Die Verwaltungskosten wichen um vier Prozentpunkte von den Kosten ab, die den Kunden in den Anträgen dargestellt worden waren“, so der Vermittler. Für den Kunden bedeuteten die falschen Angaben eine Benachteiligung von durchschnittlich 2.300 Euro pro Vertrag.

Systematische Falschberatung?

ERGO-Sprecherin Alexandra Klemme wies gegenüber dem Handelsblatt die Vorwürfe zurück und sprach von Einzelfällen. So habe es zum Jahreswechsel 2004 auf 2005 eine Tarifänderung bei den Riesterverträgen gegeben, bei denen auch eine Neuberechnung der Verwaltungskosten erfolgte – es sei nicht auszuschließen, dass die Finanzvermittler im Vertrieb fälschlicherweise auf alte Formulare zurück gegriffen hätten. Im Beratungsgespräch seien jedoch korrekte Berechnungen ausgewiesen worden.

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Mehrere Generalvertreter bestritten jedoch die offizielle Darstellung des Unternehmens und beteuerten, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelte. Ein Vermittler schätzt, dass mindestens 70.000 Kunden betroffen seien, die Zahl der fehlerhaft Beratenen sogar bei 100.000 liegen könne. Auf die Ergo kommen nun weitere Verwaltungskosten hinzu, denn alle fehlerhaften Verträge müssen neu berechnet werden, so dass sie den unterschriebenen Anträgen entsprechen.