Stuttgarter-Chef: 'Frühstartrente lässt sich dauerhaft kaum kostendeckend organisieren'
Stuttgarter-Chef Guido Bader hält die Frühstartrente für einen „gut gemeinten Impuls“, aber keinen großen Wurf. Zum Start dürften nur wenige private Anbieter ein Angebot. Denn derartige Produkte seien wirtschaftlich kaum darstellbar. Auch für Vermittler werde die Frühstartrente kaum eine Rolle spielen.

Die geplante Frühstartrente soll Kinder frühzeitig an die kapitalgedeckte Altersvorsorge heranführen. Doch Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Lebensversicherung, sieht erhebliche Schwächen im vorliegenden Konzept. „Die Frühstartrente ist ein gut gemeinter Impuls, aber in meinen Augen kein großer Wurf“, sagt Bader. Denn die staatliche Förderung allein reiche kaum aus, um einen substanziellen Kapitalstock für die Altersvorsorge aufzubauen.
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Geplant sind zehn Euro staatlicher Beitrag pro Monat. Über den vorgesehenen Förderzeitraum von zwölf Jahren summieren sich die Einzahlungen damit auf 1.440 Euro. „Das ist ein symbolischer Einstieg – aber kein spürbarer Beitrag zur privaten Altersvorsorge“, urteilt der Stuttgarter-Chef.
Kritisch sieht Bader auch den geplanten Einstieg in die Frühstartrente. Nach den bisherigen Plänen soll die Förderung zunächst mit dem Geburtsjahrgang 2020 starten und anschließend schrittweise auf weitere Jahrgänge ausgeweitet werden. Damit würden ältere Kinder zunächst nicht berücksichtigt. Bader hält diese Konstruktion für problematisch: „Das sorgt für unnötige Ungleichbehandlung.“
Die größten Probleme lägen aber beim vorgesehenen Produktdesign. Die Frühstartrente soll auf standardisierten Altersvorsorgedepots aufsetzen. Vorgesehen sind dabei enge Kostenvorgaben sowie für die Frühstartrente eine Abschluss- und Vertriebskostenfreiheit. Doch gerade diese Konstruktion könnte dazu führen, dass das Angebot privater Anbieter zum Start überschaubar bleibt. „Ein verpflichtendes Standardprodukt mit Kostendeckel sowie vollständiger Abschluss- und Vertriebskostenfreiheit macht das Angebot für private Anbieter wirtschaftlich kaum darstellbar“, warnt Bader.
Denn auch bei sehr kleinen monatlichen Beiträgen entstehen auf Seiten der Anbieter Kosten für Verwaltung, Information und Betreuung. Diese Fixkosten fallen unabhängig davon an, wie hoch der monatliche Sparbeitrag ist. „Wer ein Produkt ohne ausreichende Kostendeckung vorschreibt, darf sich dann nicht wundern, wenn es kaum jemand anbietet.“
Gerade bei den geringen Sparbeiträgen würden Informations-, Verwaltungs- und Betreuungspflichten besonders ins Gewicht fallen. „Der Referentenentwurf schafft kaum Anreize, ein entsprechendes Produkt auf den Markt zu bringen.“
Auch für Versicherungsvermittler und Finanzberater sieht Bader in der derzeit geplanten Konstruktion wenig Potenzial. „Ohne Abschluss- und Vertriebskosten fehlt die wirtschaftliche Grundlage für eine qualifizierte Beratung“, sagt Bader. Das könnte für die praktische Verbreitung der Frühstartrente relevant werden. Denn gerade die staatlichen zehn Euro sollen lediglich einen Einstieg bilden. Soll aus dem kleinen staatlichen Impuls ein größerer Vorsorgebaustein entstehen, wären zusätzliche private Einzahlungen durch Eltern oder andere Familienangehörige entscheidend.
Nicht alle Elemente des Konzepts bewertet der Stuttgarter-Chef kritisch. Positiv hebt er insbesondere die Verbindung der Frühstartrente mit dem geplanten Altersvorsorgedepot hervor. Insbesondere die Möglichkeit, zusätzlich eigenes Kapital einzuzahlen, könne den staatlichen Startbeitrag sinnvoll ergänzen. „Die Möglichkeit zusätzlicher Einzahlungen sowie die spätere Übertragung in einen anderen Altersvorsorgevertrag schaffen grundsätzlich sinnvolle Flexibilität“, so Bader weiter.
