So investieren die Deutschen zwischen Sparbuch und Krypto
Viele Deutsche setzten trotz Neobrokern und Krypto-Boom bei der Geldanlage weiterhin auf Sicherheit. Überdies klafft zwischen Finanzwissen und Anlageverhalten eine erhebliche Lücke. Das Thema Beratung muss deshalb grundlegend neu ausgerichtet werden.

Deutsche Sparer interessieren sich zunehmend für Kapitalmarktanlagen. ETFs, Aktien und sogar Kryptowährungen gehören inzwischen für viele Privatanleger zum Anlageuniversum. Doch obwohl der Zugang zu Finanzmärkten einfacher geworden ist, fehlt es vielen Menschen weiterhin an grundlegender Finanzbildung. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger unter 1.000 Sparern. Die Autoren sehen deshalb einen grundlegenden Wandel in der Anlageberatung erforderlich.
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„Der Zugang zu Kapitalmärkten wurde über Neobroker demokratisiert“, heißt es in der Untersuchung. Demokratisiert worden sei allerdings lediglich der Zugang und nicht automatisch auch das Finanzwissen. Denn die Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild. Lediglich 62 Prozent der Befragten verstehen die Auswirkungen der Inflation auf ihre Kaufkraft. Nur gut jeder Zweite kann die Vorteile einer breiten Diversifikation oder den Zinseszinseffekt korrekt erklären. Gleichzeitig treffen viele Anleger weitreichende Anlageentscheidungen. Während manche Sparer trotz soliden Wissens aus Unsicherheit bei klassischen Sparprodukten bleiben, überschätzen andere ihre Kompetenzen und investieren riskanter, als ihre tatsächliche Risikotragfähigkeit zulässt.
Auch die Vermögensverteilung zeigt deutliche Widersprüche. Nach wie vor liegen große Teile des Vermögens auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten. Gleichzeitig investieren manche Anleger überproportional hohe Vermögensanteile in besonders volatile Anlageklassen. So gibt rund jeder sechste Befragte an, mehr als die Hälfte seines Vermögens in Tages- oder Festgeld angelegt zu haben. Umgekehrt hat jeder 16. Befragte den Großteil seines Vermögens in Kryptowährungen investiert. Weitere 15 Prozent halten dort immerhin größere Vermögensanteile.
Besonders stark bleibt die Bedeutung der eigenen Immobilie. Für jeden fünften Deutschen stellt das Eigenheim den größten Vermögenswert dar und bildet einen zentralen Baustein der Altersvorsorge. Gleichzeitig warnen die Studienautoren vor Klumpenrisiken. Gerade ältere Haushalte hätten häufig einen Großteil ihres Vermögens in der selbstgenutzten Immobilie gebunden. Dadurch fehle oftmals die notwendige Liquidität für größere Sanierungen oder unerwartete Ausgaben. Beratung müsse deshalb künftig nicht nur den Vermögensaufbau, sondern auch die Vermögensstruktur stärker in den Blick nehmen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Generationen. Anleger unter 40 Jahren investieren wesentlich häufiger in ETFs, Einzelaktien und Kryptowährungen als ältere Menschen. Gleichzeitig beschäftigen sie sich intensiver mit ihrer privaten Altersvorsorge. Mehr als 85 Prozent der unter 40-Jährigen geben an, privat für den Ruhestand vorsorgen zu wollen. Bei den über 40-Jährigen liegt dieser Anteil deutlich niedriger.
Auch zwischen den Geschlechtern bestehen erhebliche Unterschiede. Frauen setzen häufiger auf Tages- und Festgeld und nutzen Kapitalmarktprodukte insgesamt seltener als Männer. So verfügen 43 Prozent der Frauen über keinen Anlageanbieter, bei den Männern sind es lediglich 29 Prozent. Zugleich wünschen sich Frauen häufiger eine persönliche Beratung, während Männer eher eigenständig Anlageentscheidungen treffen möchten.
Die wichtigste Motivation beim Sparen bleibt für die meisten Deutschen nicht die schnelle Rendite, sondern finanzielle Sicherheit. Besonders häufig genannt werden der Aufbau einer Notfallreserve, die private Altersvorsorge sowie der langfristige Vermögensaufbau. Kurzfristige Renditeziele spielen dagegen für viele Anleger nur eine untergeordnete Rolle.
Trotz Digitalisierung und wachsender Bedeutung von Online-Angeboten bleibt die persönliche Beratung ein wichtiger Erfolgsfaktor. Besonders bei größeren Anlageentscheidungen bevorzugen viele Kunden weiterhin das Gespräch in der Filiale.
