Im Turnieralltag zielen Angreifer auf den abgelenkten Moment
Die ersten drei Teile dieser Serie haben gezeigt, wie viele Risiken eine Weltmeisterschaft in den Arbeitsalltag spült – von Haftungsfragen beim Public Viewing bis zu Management-Verantwortlichkeiten. Klemens Lemke, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox, beleuchtet im abschließenden Teil ein Risiko, das mit jedem Spieltag wächst: Cyberkriminelle nutzen gezielt aus, dass gerade alle woanders hinschauen.

Angreifer brauchen dafür keine offene Sicherheitslücke. Ein abgelenkter Moment reicht. Davon gibt es in der Turnierphase reichlich: Zwischendurch wird der Spielstand gecheckt, ein inoffizieller Live-Ticker geöffnet, in der Vorfreude auf ein Ticket-Gewinnspiel geklickt. Für Versicherungsmakler und -vermittler ist das der Moment, die IT-Sicherheit ihrer Kunden auf den Prüfstand zu stellen. Das Risiko: „emotionale Unachtsamkeit“.
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Der Faktor Mensch
Phishing ist heute – stark unterstützt durch KI – so sauber gemacht, dass sich gefälschte Nachrichten oder Portale kaum noch von echten unterscheiden lassen. Markus Drenger, Expert Digital Forensics & Incident Response bei HiSolutions, kennt den Ablauf aus seiner täglichen Arbeit: „Die meisten Mitarbeitenden öffnen am Tag sehr viele E-Mails. Ist dazwischen irgendwo eine Phishing-Mail, ist es ganz schnell passiert: ein Klick, eingeloggt, auf OK gedrückt – und dann heißt es für Angreifer: ‚Phishing completed.‘“
Besonders heikel wird es dort, wo Privates und Berufliches verschwimmen. Wer im Büro schnell nach einem Stream oder einem Ticket sucht, holt sich schlimmstenfalls Ransomware ins Netz. Und ein einzelner Klick bleibt selten folgenlos: Welche Systeme betroffen sind und ob Daten abgeflossen sind, klärt im Zweifel erst die Forensik – während der Betrieb längst steht. Fünf Hebel helfen Maklern und Vermittlern, ihre Kunden jetzt durch diese Phase zu bringen.
5 Insurance Hacks für die Cyber-Abwehr
1. Die Ticket-Falle zum Warnsignal machen
Gefälschte Einladungen zu Ticket-Portalen oder exklusiven WM-Events gehören gerade zu den häufigsten Einfallstoren. Dieses Muster sehen wir in der Praxis immer wieder: Sobald jemand die Information erhält, er habe jetzt die Chance auf begehrte Tickets, greift der Köder. Genau diese Vorfreude macht den Klick so wahrscheinlich. Der Tipp an Kunden: Setzen Sie jetzt eine kurze Warnung ins Intranet oder den Messenger. Ein Satz wie „Vorsicht bei Ticketangeboten per Mail – nur offizielle Quellen nutzen“ wirkt oft besser als jede Firewall.
2. Multi-Faktor-Authentisierung zuerst
Der wirksamste technische Quickwin ist die Multi-Faktor-Authentisierung (MFA). Klemens Lemke bringt es auf den Punkt: „Selbst wenn der Hacker Zugangsdaten erbeutet, bleibt das wirkungslos – mit dem zweiten Faktor kommt er einfach nicht ins System.“ Wer MFA vor den großen Spieltagen flächendeckend aktiviert – für E-Mail, Kollaborationstools und Admin-Zugänge –, nimmt dem Diebstahl von Zugangsdaten den größten Teil seiner Wirkung.
3. Deckungsklarheit: Cyber-Police vs. Vertrauensschaden (VSV)
Bei Kunden herrscht oft Unklarheit über Zuständigkeiten. Die Vertrauensschadenversicherung greift vor allem bei Vermögensschäden durch kriminelle Handlungen wie Zahlungsbetrug. Die Cyber-Versicherung übernimmt die Kosten für IT-Forensik, Rechtsberatung und die Wiederherstellung der Systeme nach einem Angriff. Erst zusammen decken beide Policen das ganze Schadenbild ab – die VSV den direkten Geldabfluss, die Cyber-Police die Folgekosten.
4. Im Ernstfall: erst die Hotline, dann handeln
Kommt es trotz aller Vorsicht zum Vorfall, zählt jede Minute. Markus Drenger: „Da sind Stunden, Minuten entscheidend. Wenn das am Freitagabend passiert und die IT erst am nächsten Montag reagieren kann, kann es zu spät sein.“ Einfach den Stecker zu ziehen, ist allerdings auch keine gute Idee. Blinder Aktionismus richtet oft mehr Schaden an, als er verhindert. Manche tun das aus Überforderung und glauben, damit sei das Problem bereinigt. Tatsächlich erschwert es die Spurensicherung: Lässt sich nicht mehr nachvollziehen, welche Wege der Angreifer im System genommen hat, bleibt unklar, ob man ihn wirklich ausgesperrt hat. Der Fahrplan für Kunden sollte daher lauten: zuerst die 24/7-Hotline des Versicherers anrufen.
5. Den Anlass für die Bestandsansprache nutzen
Die Aufmerksamkeit fürs Turnier ist ein guter Aufhänger, um über Cyber-Risiken zu sprechen. Ein Impuls zur aktuellen Bedrohungslage zeigt dem Kunden, dass Sie seine betrieblichen Risiken im Blick haben. Aus dem WM-Gespräch werden oft konkrete Deckungsanfragen – und die enden nicht mit dem Finale.
Schlagzeilen
Sozialstaat wächst zulasten der jungen Generation
Im Turnieralltag zielen Angreifer auf den abgelenkten Moment
Kapitalrente: Vermittlerverband warnt vor Staatsfonds ohne Wettbewerb
Banken- und Versicherungsaktien: Mehr Substanz als die Bewertungen zeigen
Finanzbildung: Deutschland verzichtet auf Finanz-PISA
Formulierungs- & Handlungshilfen für das Beratungsgespräch
Mit den richtigen Fragen und konkreten Handlungsempfehlungen können Vermittler das Thema Cyberrisiken rund um die Fußball-WM praxisnah ansprechen und gleichzeitig den Mehrwert ihrer Beratung verdeutlichen.
- Sensibilisierung: Alle Mitarbeiter per kurzer Rundmail auf die erhöhte Gefahr gefälschter WM-Links und E-Mail-Anhänge hinweisen.
- Technik-Check: Prüfen, ob für sämtliche wichtigen Zugänge die Multi-Faktor-Authentifizierung aktiviert ist.
- Notfall-Vorsorge: Die 24/7-Cyber-Hotline des Versicherers im Smartphone speichern – damit sie auch dann erreichbar ist, wenn der eigene Rechner nicht mehr nutzbar ist.
Beratung, die über das Turnier hinausreicht
Die vergangenen Wochen haben eines gezeigt: Eine Weltmeisterschaft läuft nicht abgeschottet vom Tagesgeschäft. Sie ist eine operative Ausnahmesituation, die das Risikomanagement über Wochen fordert. Ob rechtliche Absicherung von Kampagnen, Compliance bei Hospitality-Einladungen oder die Abwehr von Cyber-Attacken – die WM bündelt Risiken, die das ganze Jahr über bestehen.
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Für Makler und Vermittler endet die Aufgabe daher auch nicht mit dem Schlusspfiff. Wer seine Kunden durch diese Wochen begleitet, legt den Grundstein für eine strategische Partnerschaft. Sondersituationen sind der beste Anlass, statische Sicherheitskonzepte zu hinterfragen und an die reale Bedrohungslage anzupassen. Wer jetzt für Deckungsklarheit sorgt und die „menschliche Firewall“ stärkt, schafft einen Wert, der über das Endspiel hinaus hält.
