Zurich und Denkfabrik legen Reformpläne für die betriebliche Altersversorgung vor
Der Versicherer Zurich und das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) drängen auf eine grundlegende Reform der betrieblichen Altersversorgung. In einem gemeinsamen Positionspapier skizzieren die Autoren neun konkrete Maßnahmen, um die bAV deutlich stärker zu verbreiten. Im Mittelpunkt stehen Autoenrolment, weniger Bürokratie und neue Anreize für Arbeitgeber und Beschäftigte.

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) muss nach Ansicht der Zurich Gruppe Deutschland und des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) deutlich stärker in die geplante Rentenreform eingebunden werden. In einem gemeinsamen Positionspapier warnen die Autoren vor den wachsenden Belastungen des gesetzlichen Rentensystems und sehen die zweite Säule der Altersvorsorge als zentralen Hebel, um Versorgungslücken zu schließen.
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Der demografische Wandel erhöhe den Druck auf das umlagefinanzierte Rentensystem massiv. Immer weniger Beitragszahler müssten für immer mehr Rentner aufkommen, während gleichzeitig die Rentenbezugsdauer deutlich steige. Laut dem Papier lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer 1960 noch bei rund zehn Jahren, heute seien es bereits etwa 20 Jahre.
„Eine langfristige und generationengerechte Lösung wird nur möglich sein, wenn die Altersversorgung in ihrer gesamten Struktur neu gedacht wird“, sagt Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. „Die Fokussierung auf einzelne Stellschrauben greift zu kurz – entscheidend ist, wie alle drei Säulen künftig zusammenwirken.“
Alternative zu verpflichtender Betriebsrente
Vor diesem Hintergrund haben Zurich und DIA einen Neun-Punkte-Plan entwickelt, der die Verbreitung und Akzeptanz der betrieblichen Altersversorgung erhöhen soll. Das Papier sieht dabei insbesondere mehr Verbindlichkeit, weniger Komplexität und stärkere Anreize als entscheidende Hebel. Der erste Punkt zielt auf mehr Dynamik durch Anreizsysteme. Statt eines verpflichtenden Obligatoriums schlagen die Autoren ein gestuftes Bonus-Malus-Modell vor. Unternehmen, die frühzeitig bAV-Systeme einführen, könnten belohnt werden, während Verweigerer perspektivisch Nachteile oder zusätzlichen Transparenzdruck spüren würden.
Als zweiten Reformbaustein fordern die Denkfabrik und der Versicherer einen klaren gesetzlichen Rahmen für Autoenrolment-Systeme mit Opt-out-Lösung. Beschäftigte würden automatisch in eine betriebliche Altersversorgung eingebunden, könnten jedoch aktiv widersprechen. Internationale Erfahrungen zeigten, dass solche Modelle die Teilnahmequoten deutlich erhöhen könnten.
Die neun Reformpunkte im Überblick:
- Mehr Verbindlichkeit durch Bonus-Malus-Anreizsysteme
- Gesetzlicher Rahmen für Autoenrolment mit Opt-out
- Bessere Einbindung von Geringverdienern
- Abbau von Haftungsrisiken für Arbeitgeber
- Vereinfachung der Administration
- Verbesserte Portabilität von Anwartschaften
- Ausbau von Gruppenlösungen für biometrische Risiken
- Mehr Transparenz und Wertschätzung bei Arbeitnehmern
- Bessere Aufklärung und Beratung für Arbeitgeber
Der dritte Punkt beschäftigt sich mit Geringverdienern. Die bestehende Förderung greife bislang zu kurz, weil steuerliche Anreize häufig wirkungslos blieben und die finanzielle Spielräume begrenzt seien. Vorgeschlagen wird deshalb ein stärker gefördertes Mischmodell aus Arbeitnehmer-, Arbeitgeber- und Staatsbeiträgen.
Darüber hinaus plädieren die Autoren für weniger rechtliche Unsicherheiten bei der Arbeitgeberhaftung. Diskutiert werden unter anderem abgesenkte Garantieniveaus und Modelle zur stärkeren Enthaftung der Unternehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vereinfachung der Administration. Gerade kleine und mittlere Unternehmen würden durch komplexe Prozesse abgeschreckt. Deshalb schlagen Zurich und DIA eine zentrale digitale Clearingstelle mit standardisierten Prozessen und Online-Funktionen vor. Auch die Portabilität von Betriebsrenten soll verbessert werden. Anwartschaften müssten sich bei Arbeitgeberwechseln einfacher übertragen lassen. Standardisierte Verfahren und rechtliche Klarstellungen könnten die Praxis erheblich erleichtern.
Besonderes Gewicht legen die Autoren zudem auf Gruppenlösungen für biometrische Risiken wie Invalidität oder Todesfall. Während die gesetzliche Absicherung in diesen Bereichen zurückgegangen sei, könnten kollektive Lösungen über Arbeitgeber Versorgungslücken schließen.
Ergänzend sehen Zurich und DIA Nachholbedarf bei der Wahrnehmung der bAV. Viele Beschäftigte unterschätzten den Wert ihrer Ansprüche, gleichzeitig würden zahlreiche Arbeitgeber Chancen und Nutzen der betrieblichen Altersversorgung nicht ausreichend erkennen. Mehr Transparenz, stärkere Finanzbildung und gezielte Beratung seien deshalb notwendig.
„Wenn die gesetzliche Rente an ihre Grenzen stößt, braucht Deutschland eine stärkere zweite Säule“, betont Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland. „Die betriebliche Altersversorgung ist der naheliegendste Hebel, um Versorgungslücken wirksam zu schließen – nicht nur bei der Altersrente, sondern auch bei der Absicherung biometrischer Risiken.“
