Die Zukunft der Versicherungsbranche entscheidet sich für Daniel Dierkes nicht zuerst an der digitalen Oberfläche. Der Gründer und Geschäftsführer von SureIn sieht den größten Wandel dort, wo heute noch viel manuelle Arbeit passiert: im operativen Maschinenraum der Branche.

Anzeige

Besonders relevant ist das im Gewerbe- und Industriegeschäft. Denn dort treffen komplexe Risiken, viele Beteiligte, dokumentenlastige Prozesse und hoher Beratungsbedarf aufeinander. Genau hier sieht Dierkes den Hebel für KI: nicht als Ersatz für Makler, sondern als Infrastruktur, die operative Arbeit übernimmt und Beratung wieder stärker in den Mittelpunkt rückt.

KI verändert den Maschinenraum

Dierkes erwartet bis 2031 keine völlig neue Versicherungsbranche. Aber eine Branche, in der sich die Art zu arbeiten deutlich verändert hat. „Ich glaube, der größte Wandel gerade passiert nicht unbedingt im Frontend. Also auf der Oberfläche. Sondern es passiert gerade relativ viel im, wenn man so will, operativen Maschinenraum der Versicherungsbranche.“

Damit meint er Aufgaben wie Koordination, Datenerfassung, Abstimmung, Dokumentenprüfung und manuelle Prozesssteuerung. Weil Versicherungsarbeit häufig textlastig, regelbasiert und wiederkehrend ist, eigne sie sich besonders für KI-Anwendungen.

Seine zentrale These: Digitalisierung allein reicht künftig nicht mehr. „Die Frage ist nicht, wie digital ist ein Unternehmen, sondern wie viel Arbeit ist bereits automatisiert. Ich glaube, das ist so die neue Kernfrage.“

surein setzt genau dort an. Das Unternehmen ist auf Gewerbe- und Industrieversicherung spezialisiert und entwickelt mit Modus ein KI-Betriebssystem für Maklerbetriebe. Es soll kein klassisches Maklerverwaltungsprogramm ersetzen, sondern bestehende Systeme wie MVP, E-Mail, WhatsApp, Dokumente und Kommunikation verbinden.

Der Makler wird Risikoarchitekt

Trotz KI erwartet Dierkes keine menschenlose Versicherungswelt. Gerade im Gewerbe- und Industriebereich gehe es nicht nur um Produktverkauf, sondern um komplexe Risikoentscheidungen. „Es braucht Vertrauen, es braucht Einordnung, es braucht jemanden, der Verantwortung übernimmt.“

Damit verändert sich die Rolle des Vertriebs. Maklerinnen und Makler werden weniger sachbearbeitend arbeiten und mehr Zeit für Risikoanalyse, Beratung und Kundenbeziehung haben. Dierkes bringt es so auf den Punkt: „Ich glaube, dass der Vertrieb viel weniger sachbearbeitend tätig sein wird und viel mehr als Berater bzw. Risikoarchitekt und Marke gefragt sein wird.“

Für das Gewerbe- und Industriegeschäft bedeutet das: Spezialisierung, Branchenwissen und Beratungsqualität werden wichtiger. KI kann Informationen vorbereiten und Prozesse anstoßen. Die Einordnung, Verantwortung und Vertrauensarbeit bleiben aber beim Menschen.

Mehr Produktivität im Gewerbe- und Industriegeschäft

Der größte Hebel von KI liegt für Dierkes nicht nur in einzelnen Effizienzgewinnen. Er sieht die Chance, die lineare Skalierung der Branche aufzubrechen: mehr Kunden bedeuten heute meist mehr Prozesse, mehr Mitarbeitende und mehr Fixkosten. „Software hat unsere Branche digitalisiert, KI beginnt unsere Branche so ein Stück weit produktiver und skalierbarer zu machen.“

Das gilt auch für Schadenprozesse. Gerade dort sieht Dierkes großes Potenzial, weil viele Informationen, Dokumente und Beteiligte zusammengeführt werden müssen. KI könne Schäden priorisieren, Dokumente prüfen und Kommunikation vorbereiten. Bei Großschäden und komplexen Industriefällen erwartet er aber keine vollständige Automatisierung.

Der Grund: Der Schadenfall bleibt einer der wichtigsten Momente für Kundenzufriedenheit und Vertrauen. Effizientere Prozesse können hier viel verbessern — ersetzen aber nicht die menschliche Verantwortung.

Dierkes’ Blick auf 2031 ist deshalb weder reine KI-Euphorie noch Skepsis. Seine These: Gewinner werden jene Marktteilnehmer sein, die KI nicht nur als digitale Oberfläche verstehen, sondern als operative Infrastruktur. Für surein heißt das: Gewerbe- und Industrieversicherung spezialisierter, produktiver und beratungsstärker machen.

Das vollständige Gespräch mit Daniel Dierkes können Sie direkt hier hören oder im Versicherungsfunk auf Spotify & Apple-Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt.