Warum KMU die Keyman-Versicherung brauchen
Fällt eine Schlüsselperson plötzlich aus, kann das für kleine und mittlere Unternehmen existenzbedrohend werden. Genau hier setzt die sogenannte Keyman-Versicherung an. Sie gilt als oft unterschätztes Instrument des betrieblichen Risikomanagements.

Maschinen, Fuhrpark oder Betriebsunterbrechungen sind in vielen Unternehmen längst abgesichert. Doch ausgerechnet die wichtigsten Personen bleiben häufig unversichert. Dabei kann der plötzliche Ausfall einer zentralen Führungskraft oder eines Spezialisten gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Die sogenannte Keyman-Versicherung soll Unternehmen genau vor diesem Risiko schützen.
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Bei einer Keyman-Versicherung wird eine zentrale Person im Unternehmen abgesichert – etwa ein Geschäftsführer, ein leitender Entwickler oder ein wichtiger Vertriebsmitarbeiter. Im Leistungsfall erhält das Unternehmen die vereinbarte Versicherungssumme, um finanzielle Verluste abzufedern, personelle Übergangsphasen zu überbrücken oder einen Nachfolger einzuarbeiten.
Besonders relevant für KMU und Familienunternehmen
Vor allem kleine und mittlere Unternehmen gelten als besonders anfällig. Während Großkonzerne personelle Ausfälle häufig intern kompensieren können, hängt der wirtschaftliche Erfolg vieler KMU an wenigen Schlüsselpersonen.
Besonders kritisch ist die Situation häufig in Familienunternehmen, in denen zentrale Entscheidungen bei Inhaber oder Geschäftsführer gebündelt sind. Fällt eine solche Person durch Tod oder schwere Krankheit plötzlich aus, kann das den gesamten Geschäftsbetrieb destabilisieren.
Hinzu kommt: Schlüsselpersonen verfügen oft über spezielles Know-how oder langjährige Kundenbeziehungen, die kurzfristig kaum ersetzbar sind. Auch Banken und Investoren reagieren sensibel auf den Ausfall wichtiger Entscheidungsträger. Liquiditätsprobleme oder Finanzierungsschwierigkeiten können die Folge sein.
Die konkrete Ausgestaltung einer Keyman-Versicherung hängt stark von Branche, Unternehmensstruktur und Funktion der versicherten Person ab. In technologiegetriebenen Unternehmen oder Start-ups fallen die Versicherungssummen häufig besonders hoch aus.
In der IT- und Technologiebranche geht es oft um Entwickler mit Spezialwissen, das kurzfristig kaum ersetzbar ist. Dort sind Versicherungssummen von bis zum 2,5-Fachen des Bruttojahresgehalts üblich.
Im Handwerk oder klassischen Mittelstand orientieren sich Policen dagegen häufig am 1,5- bis 2-Fachen des Jahresgehalts. Die Laufzeiten liegen meist zwischen fünf und zwanzig Jahren – oft mit Verlängerungsoptionen ohne erneute Gesundheitsprüfung.
Gesundheitsprüfung bleibt kritischer Punkt
Besonders wichtig ist eine sorgfältige Gesundheitsprüfung. Fehlerhafte oder unvollständige Angaben können später zu Leistungsausschlüssen führen.
Gerade bei hohen Versicherungssummen verlangen viele Versicherer zusätzliche ärztliche Untersuchungen. Auch riskante Hobbys oder häufige Reisen in Krisengebiete können Einfluss auf die Annahmebedingungen und die Prämienhöhe haben.
Beim Abschluss einer Keyman-Versicherung spielen zudem steuerliche Fragen eine wichtige Rolle. Grundsätzlich können die Beiträge als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, sofern das Unternehmen Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter ist.
Allerdings lauern Fallstricke: Bei Kapitalgesellschaften kann das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung unterstellen, wenn die betriebliche Veranlassung nicht eindeutig nachgewiesen wird. Eine frühzeitige Abstimmung mit Steuerberatern gilt daher als sinnvoll.
Hinzu kommt die Versicherungssteuerpflicht bei Neuabschlüssen. Sie hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich einige Anbieter aus dem Markt zurückgezogen haben.
Flexiblere Policen und steigende Nachfrage
Der Markt für Keyman-Versicherungen hat sich zuletzt deutlich verändert. Hintergrund sind vor allem der zunehmende Fachkräftemangel und die wachsende Bedeutung von Spezialwissen in Unternehmen.
Zugleich sind moderne Policen flexibler geworden und lassen sich besser an Unternehmenswachstum oder veränderte Strukturen anpassen. Auch Banken und Investoren achten zunehmend auf entsprechende Absicherungslösungen. Gerade bei Finanzierungen wird eine bestehende Keyman-Versicherung immer häufiger als Stabilitätsfaktor bewertet.
Für Vermittler bleibt die Beratung anspruchsvoll. Neben der Auswahl geeigneter Tarife kommt es vor allem auf eine realistische Bewertung des wirtschaftlichen Risikos und eine regelmäßige Überprüfung der Versicherungssummen an. Denn gerade eine Unterversicherung kann im Ernstfall existenzielle Folgen haben.
