Der deutsche Tierversicherungsmarkt wächst seit Jahren dynamisch. Neue Anbieter treten ein, hohe Durchschnittsprämien und eine im internationalen Vergleich weiterhin geringe Versicherungsdurchdringung sorgen für Fantasie. Mit einem erwarteten Prämienvolumen von rund 700 Millionen Euro im Jahr 2025 dürfte die Tierkrankenversicherung spätestens 2027 die Milliardengrenze überschreiten. Was lange als Randprodukt galt, entwickelt sich zu einer ernstzunehmenden Sparte.

Anzeige

Und doch konzentriert sich der Markt nach wie vor stark auf Hund, Katze und Pferd. Angesichts von rund 15,9 Millionen Katzen, 10,5 Millionen Hunden in Deutschland (Zahlen des ZZF-Verbands 2025) und 1,3 Millionen Pferden (mit nochmals deutlich krasseren Prämien) ist das nachvollziehbar. Gleichzeitig ist die Heimtierlandschaft deutlich vielfältiger. In deutschen Haushalten leben zusätzlich rund 4,3 Millionen Kleinsäuger wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Frettchen, etwa 3,2 Millionen Ziervögel sowie diverse Tiere in rund 1,1 Millionen Terrarien. Damit sprechen wir von Millionen weiterer Risiken, die bislang nur selten versichert sind.

Kleine Tiere, große Rechnungen

Diese vermeintliche Nische ist wirtschaftlich und emotional relevanter, als es auf den ersten Blick scheint. Für viele Familien sind Kaninchen oder Meerschweinchen die ersten Haustiere der Kinder. Sie sind Familienmitglieder, mit entsprechender Erwartung an medizinische Versorgung zur Sicherung des Familienfriedens. Spätestens beim ersten größeren Tierarztbesuch wird deutlich, dass auch kleine Tiere große Rechnungen verursachen können. Die gestiegenen tierärztlichen Gebühren und die zunehmende Spezialisierung in der Tiermedizin verstärken diesen Effekt zusätzlich.

cms.iwgyy.450x600Ludwig Koch verantwortet bei Cleos Welt die Produktentwicklung im Bereich Tierkrankenversicherung. Sein Schwerpunkt liegt auf spezialisierten Versicherungslösungen für Heimtiere sowie auf der Entwicklung digitaler Prozesse für Nischenmärkte innerhalb der wachsenden Tierversicherungsbranche.@Cleos_Welt

Gerade bei Kleinsäugern zeigt sich, dass die Schadenfrequenz mit rund zwei Leistungsfällen pro Jahr und Tier durchaus auf dem Niveau von Hunden und Katzen liegt. Typisch sind chronische Erkrankungen, insbesondere im Zahn- und Magen-Darm-Bereich. Zahnfehlstellungen – genetisch bedingt oder durch falsche Fütterung begünstigt – führen häufig zu wiederkehrenden Korrekturen, Entzündungen und Folgeschäden. Behandlungen können sich über Jahre ziehen und schnell mehrere tausend Euro kosten. Auch Erkrankungen an den Ohren oder diverse Parasiten können zu vielen Behandlungen und in der Summe zu hohen Schäden führen. Hinzu kommen rassespezifische Risiken, etwa bei Widder-, Rex- oder Satinkaninchen, die besonders anfällig für Zahn- oder Ohrenprobleme sind. Entsprechend bewegen sich die Beiträge für eine hochwertige Kaninchenversicherung inzwischen auf dem Niveau einer guten Hundekrankenversicherung und liegen bei ca. 100 – 130 Euro, pro Monat (!).

Anzeige

Exoten als unterschätztes Risiko

Bei Vögeln und Reptilien ist die Schadenfrequenz teilweise geringer, die Einzelfälle jedoch oft komplex. Erkrankte Papageien, Greifvögel oder Reptilien werden nicht in jeder Praxis behandelt. Häufig sind spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte oder Kliniken erforderlich, die mit höheren Abrechnungssätzen arbeiten. Gleichzeitig ist die Bandbreite der Risiken enorm – vom kleinen Frosch bis zum mehrere Jahrzehnte alten Papagei. Auch hier entstehen schnell Kosten, die für Halter ohne Absicherung schwer kalkulierbar sind.

Marktsegment nur von wenigen Anbietern ernsthaft bespielt

Für Vermittler eröffnet sich damit ein Marktsegment, das bislang nur von wenigen Anbietern ernsthaft bespielt wird. Neben Cleos Welt sind nur einzelne spezialisierte Gesellschaften aktiv. Der Wettbewerb ist überschaubar, das Potenzial groß.

Heimtierhalter sind häufig gut vernetzt, engagiert in Vereinen oder Zuchtverbänden und bereit, in die Gesundheit ihrer Tiere zu investieren. Wer hier mit Kompetenz und passenden Produkten auftritt, trifft auf eine dankbare und loyale Zielgruppe.

Anzeige

Warum Spezialisierung zum Wettbewerbsvorteil wird

Allerdings ist diese Nische anspruchsvoll. Erfolgreich ist nur, wer Prozesse konsequent digitalisiert, um das kleinteilige Geschäft effizient abzuwickeln und gleichzeitig flexibel genug bleibt, um neue Risiken schnell in den Versicherungsschutz zu integrieren. So hat Cleos Welt beispielsweise Schäden durch Enzephalitozoonose (E.C.) bei Kaninchen kurzfristig in den Versicherungsschutz aufgenommen, nachdem sich gezeigt hatte, dass hier eine relevante Versorgungslücke bestand. Möglich ist das nur mit fundiertem veterinärmedizinischem Know-how – sowohl in der Produktentwicklung als auch in der Leistungsbearbeitung.

Cleos Welt versichert inzwischen eine mittlere vierstellige Anzahl an exotischeren Tieren, von Papageien und Schildkröten über Frettchen bis hin zu Miniaturschweinen oder Ameisenvölkern. Diese Spezialisierung ist kein Nebenprodukt, sondern gewollt. Die Heimtier-Nische innerhalb der wachsenden Tierkrankenversicherung ist kein Randthema mehr, sondern ein Markt mit Substanz.

Für Vermittler bedeutet das: Wer heute auf spezialisierte Heimtierlösungen setzt, positioniert sich in einem Segment mit Wachstum, vergleichsweise geringem Wettbewerb und hoher Kundenbindung. Die großen Volumina liegen weiterhin bei Hund und Katze. Doch die nächste Wachstumswelle könnte leiser kommen – mit langen Ohren, Federn oder Schuppen.

Anzeige

Hintergrund: Der Gastbeitrag erschien zuerst im neuen kostenfreien Versicherungsbote Fachmagazin 01-2026. Das Magazin kann auf der Webseite des Versicherungsbote bestellt werden.

Seite 1/2/