Big Techs, InsurTechs und die Versicherungsbranche: Die Disruption fällt anders aus als erwartet
Lange galten Google, Amazon, Apple und Meta als mögliche Angreifer der Versicherungsbranche. Mit Kundendaten, Plattformmacht und digitalen Ökosystemen schienen sie prädestiniert, klassische Versicherer unter Druck zu setzen. Dr. Matthias Wald, Leiter Finanzvertrieb und CMO bei Swiss Life Deutschland, sieht das deutlich nüchterner. Im Podcast „Die Versicherungsbranche in 2030 Tagen“ erklärt er, warum Big Techs aus seiner Sicht kaum direkt in den Versicherungsmarkt drängen werden und warum InsurTechs eher Partner als Verdränger sind.

Big Tech: Zu viel Regulierung, zu wenig Marge
Noch vor einigen Jahren galt es vielen Beobachtern als realistisches Szenario: Große Technologiekonzerne könnten mit ihren Daten, Plattformen und Kundenzugängen in den Versicherungsmarkt einsteigen. Schließlich kennen Google, Amazon, Apple oder Meta ihre Nutzer oft besser als viele klassische Anbieter. Mittlerweile ist es ruhig um die vermeintliche Bedrohung geworden, was Dr. Matthias Wald nicht überrascht, denn er hält einen direkten Angriff auf die Versicherungsbranche von dieser Seite für höchst unwahrscheinlich.
Seine zentralen Argumente sind hierfür sind zum einen die hohe Regulierung und zum anderen die geringe Marge der Branche.
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„Es sind schlaue Manager und die hassen Regulierung. Das beweisen sie bei jeder Schlacht mit der EU über andere Dinge, die sie derzeit haben. Wollen die in die mit höchstregulierte Branche in Deutschland?
Ich glaube, die werden […] selbst sagen, nee, wir sind maximal Tippgeber und generieren Leads, aber wir wollen nicht rein. Wenn sie von der Regulierung keine Angst haben sollten, weil sie vielleicht sagen, man wird hier eh so reguliert, das ist egal, dann werden die für Börsenkurse bezahlt und Börsenkurse hängen von hohen Margen ab. Und trotz aller Vorurteile gegenüber dieser Branche sind die Margen in der deutschen Lebensversicherung oder auch Sach- und Krankenversicherung ja nicht so hoch.“
Big Techs bleiben eher am Rand des Marktes
Wald unterschätzt die Technologiekonzerne dabei nicht. Im Gegenteil: Er betont ausdrücklich ihre Kompetenz. „Das sind hochkompetente Unternehmen, sonst hätten sie nicht den Markterfolg gehabt, den sie haben.“
Gerade deshalb glaubt er nicht an einen unüberlegten Markteintritt. Für Big Techs sei der Versicherungsmarkt kein besonders attraktives Spielfeld. Wald fasst seine Einschätzung so zusammen: „Also ich glaube, wir sind so ein Bermudadreieck für diese Konzerne und die sind schlau genug, da nicht reinzufahren, weil es für sie einfach nicht attraktiv ist. Die haben schöne Ozeane, wo sie viel Geld verdienen können, und da werden die bleiben.“
Das bedeutet nicht, dass Technologieplattformen keine Rolle spielen. Sie können Kundenzugänge schaffen, digitale Erwartungen prägen oder an Schnittstellen des Marktes relevant werden. Aber als voll regulierte Versicherer oder direkte Verdränger klassischer Anbieter sieht Wald sie nicht.
InsurTechs: Relevanz ja, Bedrohung nein
Auch bei InsurTechs fällt Walds Einschätzung gelassener aus, als es manche Debatten der vergangenen Jahre nahelegen. Auf die Frage, ob InsurTechs noch Relevanz für Versicherungen hätten, antwortet er: „Ja, eine rein positive.“
Für Wald sind sie vor allem Serviceanbieter. Sie entwickeln Lösungen, die etablierte Versicherer und Finanzdienstleister nutzen können, um Prozesse zu verbessern, Kundenservices zu digitalisieren oder einzelne Wertschöpfungsschritte effizienter zu machen. Sein Blick auf InsurTechs ist damit weniger defensiv als kooperativ. Sie sollen den etablierten Markt nicht zerstören, sondern ihn ergänzen.
Kooperation statt Verdrängung
Wald geht davon aus, dass sie vor allem dort stark sind, wo etablierte Anbieter langsamer oder schwerfälliger agieren. Gleichzeitig verfügen Versicherer und große Finanzdienstleister über Kundenzugang, Kapital, Regulierungserfahrung und Bestände. Daraus ergibt sich eher ein Kooperationsmodell als ein Verdrängungsszenario.
Wald formuliert das so: „Ich glaube, die werden dann Dinge hochziehen, die denen, die Kundenzugang haben, helfen. Das machen die vielleicht in manchen Dingen besser als wir. Die sind klein, mit einer dynamischen Atmosphäre und ich glaube, jeder deutsche Versicherer ist gut beraten bzw. deutsche Player im Finanzdienstleistungsmarkt, sollte sich über jedes Start-up freuen und gucken, wann er sich die Dienstleistung einkauft.“
Wald sieht InsurTechs somit auf keinen Fall als Gegner für etablierte Anbieter, sondern als Technologie- und Servicelieferanten.
Fazit: Die Disruption fällt anders aus als erwartet
Die großen Verdrängungsszenarien der vergangenen Jahre haben sich bislang nicht erfüllt. Big Techs verfügen zwar über Daten, Plattformen und Kundenzugang, doch Regulierung und Margen machen den Versicherungsmarkt aus Walds Sicht wenig attraktiv. InsurTechs wiederum bleiben relevant, aber eher als Partner und Dienstleister denn als Angreifer.
Schlagzeilen
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Für die Versicherungsbranche heißt das: Der Wettbewerb verschwindet nicht, aber er verändert sich. Die entscheidende Frage lautet weniger, ob Google, Amazon oder Apple morgen selbst Versicherer werden. Wichtiger ist, wie etablierte Anbieter Technologie, Kooperationen und digitale Services nutzen, um Beratung, Prozesse und Kundenerlebnis besser zu machen.
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