Deutsche Unternehmen überschätzen Cyber-Resilienz
Ein Großteil der deutschen Unternehmen glaubt, sich vollständig finanziell von einem Cyberangriff erholen zu können. Doch viele Firmen überschätzen ihre Widerstandskraft nach Angriffen deutlich. Gleichzeitig wächst der Druck durch KI und systemische Risiken.

Cyber-Risiken bleiben auch 2026 das größte Unternehmensrisiko. Dennoch schätzen viele deutsche Führungskräfte die eigene Widerstandsfähigkeit offenbar deutlich zu optimistisch ein. Das zeigt der aktuelle „Risk & Resilience Report: Cyber Threats & technologische Entwicklungen 2026“ des Spezialversicherers Beazley.
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Demnach glauben 75 Prozent der befragten deutschen Entscheider, dass sich ihr Unternehmen nach einem Cyberangriff finanziell vollständig erholen könnte. Gleichzeitig halten sich 80 Prozent für gut auf Cyber-Risiken vorbereitet. Aus Sicht von Experten könnte genau darin ein Problem liegen.
Beazley sieht eine wachsende Lücke zwischen subjektivem Sicherheitsgefühl und tatsächlicher Resilienz. „Damit offenbart sich, dass zahlreiche Unternehmen in Deutschland ihre tatsächliche Reife und Belastbarkeit überschätzen, um einen Cyberangriff mit seinen Auswirkungen über alle Geschäftsbereiche hinweg erfolgreich zu bewältigen“, warnt Gesine Froese, Regional Manager Cyber Risks DACH bei Beazley.
Cyber-Vorfälle seien heute längst keine isolierten IT-Probleme mehr. Vielmehr breiten sich Störungen zunehmend über Plattformen, Lieferanten und digitale Abhängigkeiten aus. Damit steigen Reichweite, Dauer und wirtschaftliche Folgen von Angriffen erheblich.
32 Prozent der deutschen Führungskräfte nennen Cyber-Risiken wie Datenschutzverletzungen oder externe kriminelle Angriffe als größte Bedrohung. Der Wert liegt über dem Niveau des Vorjahres. Damit bestätigen deutsche Unternehmen einen internationalen Trend: Cyber-Risiken zählen inzwischen in allen großen Märkten zu den Top-Sorgen der Wirtschaft.
„Diese Lücke ist kritisch, weil Cyber-Risiken immer systemischer werden. Die öffentlich wirksamen Vorfälle des Jahres 2025 demonstrieren dies eindrucksvoll. Mit der zunehmenden Vernetzung von Unternehmen und dem Einsatz von Technologien wie KI, breiten sich Störungen schneller über Organisationen und Lieferketten hinweg aus, wodurch Vorfälle schneller komplex und schwerer einzudämmen sind“, betont Froese.
Parallel wächst die Bedeutung künstlicher Intelligenz in den Unternehmen. 79 Prozent der deutschen Befragten erwarten positive Effekte von KI auf die Geschäftsergebnisse. Gleichzeitig rechnen 73 Prozent damit, dass KI innerhalb der kommenden 18 Monate Arbeitsplätze ersetzen wird.
Immerhin planen 28 Prozent der deutschen Unternehmen gezielt höhere Investitionen in Cybersicherheit. Dazu zählen laut Beazley nicht nur Technikbudgets, sondern auch Zugang zu Spezialwissen, bessere Reaktionsfähigkeit und realistische Krisenszenarien.
