Die Bundesbürger setzen stärker denn je auf die Absicherung konkreter Alltagsrisiken. Parallel dazu verlieren langfristige Vorsorgeprodukte an Bedeutung. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023. Demnach ist der Versicherungsschutz insgesamt breit aufgestellt, verschiebt sich jedoch in seiner Struktur. Kurzfristige, greifbare Risiken stehen zunehmend im Fokus.

Anzeige

Besonders stark ist der Zuwachs bei der privaten Haftpflichtversicherung, deren Verbreitung von 82,8 Prozent im Jahr 2018 auf 89,2 Prozent im Jahr 2023 gestiegen ist. Auch die Hausratversicherung legte von 75,7 auf 78,0 Prozent zu, während die Rechtsschutzversicherung von 46,3 auf 49,8 Prozent anwuchs.

Auch Zusatzversicherungen gewinnen an Bedeutung. Den deutlichsten Sprung verzeichnet jedoch die private Krankenzusatzversicherung, die innerhalb von fünf Jahren von 31,6 auf 47,5 Prozent gestiegen ist. „Die Menschen in Deutschland legen großen Wert auf Sicherheit, das zeigt sich besonders in der Schaden- und Unfallversicherung“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Auffällig ist insbesondere die Entwicklung bei jüngeren Haushalten. Hier steigt die Verbreitung grundlegender Absicherungen weiter an. Versicherungsschutz wird damit zunehmend früh im Lebensverlauf aufgebaut. „Risiken werden zunehmend ernst genommen, eine breitere Basisabsicherung wird zur Selbstverständlichkeit“, so Asmussen.

Auch Rechtsschutzversicherungen profitieren von dieser Entwicklung. Rund jeder zweite Haushalt ist inzwischen entsprechend abgesichert. Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Komplexität im Alltag dürften diese Entwicklung zusätzlich befördern.

Ein anderes Bild zeigt sich hingegen bei der Altersvorsorge. Die kapitalbildende Lebensversicherung ist von 31,9 Prozent im Jahr 2018 auf 27,7 Prozent im Jahr 2023 zurückgegangen. Auch staatlich geförderte Produkte wie Riester- und Basisrenten verlieren leicht an Bedeutung und sinken von 28,0 auf 27,0 Prozent. Gründe sieht der GDV unter anderem in „starren Garantien, wenig Flexibilität und einem geänderten Zinsumfeld“.

Stabil bleibt hingegen die private Rentenversicherung, die sich mit 22,6 Prozent nahezu unverändert zeigt. Gleichzeitig gewinnen biometrische Absicherungen leicht an Bedeutung: Die Berufsunfähigkeitsversicherung steigt von 25,6 auf 26,7 Prozent, die Risikolebensversicherung von 17,2 auf 18,7 Prozent.

Die EVS-Daten zeigen zudem strukturelle Unterschiede. So ist die Verbreitung der Berufsunfähigkeitsversicherung stark einkommensabhängig. Während in unteren Einkommensgruppen weniger als zehn Prozent abgesichert sind, besitzt in höheren Einkommensklassen mehr als jeder zweite Haushalt eine entsprechende Police.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bewertet der GDV das Altersvorsorgereformgesetz als wichtigen Schritt. Mehr Flexibilität und einfachere Produkte könnten die Attraktivität der privaten Vorsorge erhöhen. „Die Reform ist ein überfälliger Modernisierungsschritt. Sie kann die zusätzliche Altersvorsorge attraktiver machen. Entscheidend ist aber, dass für staatliche und private Angebote die gleichen Regeln gelten“, sagt Asmussen. „Kritisch ist, dass der Staat erstmals selbst als Anbieter auftritt. Wenn staatliche Angebote strukturelle Vorteile haben, droht eine Verzerrung des Wettbewerbs.“ Gerade dieser Wettbewerb zwischen Anbietern sorgt aus Sicht des GDV für effiziente und passgenaue Produkte.