Wohngebäudeversicherung: Jeder zweite ohne Elementarschutz
Viele Eigenheimbesitzer fühlen sich gut abgesichert, sind es aber nicht. Eine neue Studie zeigt massive Lücken beim Schutz vor Alltags- und Extremrisiken. Das Problem liegt weniger in fehlenden Policen als in fehlender Vorsorge.

Die Mehrheit der deutschen Eigenheimbesitzer fühlt sich gut abgesichert. Doch dieses Sicherheitsgefühl trügt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle PrimeHome-Studie der Versicherungsgruppe die Bayerische. Demnach ist das Eigenheim in Deutschland häufig unzureichend geschützt. Das liegt oft nicht daran, dass es keinen passenden Schutz gibt, sondern weil Risiken zu spät erkannt und adressiert werden.
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So halten sich zwar 82 Prozent der Eigentümer für gut informiert, gleichzeitig fehlt vielen das Bewusstsein für zentrale Gefahren. Besonders deutlich wird das beim Elementarschutz: Fast jeder zweite Hausbesitzer verfügt über keine entsprechende Absicherung, obwohl Extremwetterereignisse längst zum Alltag gehören. Die finanziellen Folgen können erheblich sein. Bereits 41 Prozent der Befragten geraten bei Schäden unter 10.000 Euro in Schwierigkeiten, während durchschnittliche Elementarschäden bei mehr als 17.000 Euro liegen. „Wir versichern Häuser, aber wir schützen sie nicht konsequent. Das ist das eigentliche Kernproblem“, sagt Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen.
Besonders kritisch ist, dass viele der häufigsten Schadenursachen unterschätzt werden. Risiken wie Schimmel, Starkregen, Rückstau oder Leitungswasserschäden gelten oft als Randthemen, obwohl sie zu den teuersten Schadenfällen zählen. Nur etwa ein Viertel der Eigentümer stuft diese Gefahren als relevant ein.
Gleichzeitig fehlen vielen Haushalten die finanziellen Reserven, um Schäden abzufedern. Die durchschnittlichen Rücklagen liegen bei rund 15.300 Euro. Zusätzliche Belastungen wie etwa durch notwendige Ersatzunterkünfte können weniger als die Hälfte der Befragten langfristig selbst tragen.
Aufgeschobene Vorsorge verschärft das Problem
Hinzu kommt ein strukturelles Vorsorgeproblem. 36 Prozent der Eigentümer verschieben notwendige Modernisierungen aus Kostengründen. Betroffen sind dabei zentrale Bereiche wie Dach, Leitungen, Heizung oder Dämmung und damit genau jene Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit eines Gebäudes erhöhen. Die Folgen sind doppelt negativ. Die Schadenanfälligkeit steigt, während gleichzeitig der Immobilienwert sinkt. „Wir sehen ein strukturelles Vorsorgeversagen. Wer Risiken nicht erkennt und Prävention aufschiebt, zahlt später doppelt“, warnt Gräfer.
Die Studie macht deutlich, dass die größte Schwachstelle nicht nur im Produkt liegt, sondern in der Beratung. Viele Eigentümer verlassen sich auf einmalige Abschlussgespräche oder ihr Bauchgefühl. Komplexe Risiken werden dabei oft nicht systematisch erfasst.
Das Ergebnis ist eine trügerische Sicherheit: Versicherungen sind vorhanden, doch entscheidende Risiken bleiben unberücksichtigt. Vermittler und Makler könnten hier eine zentrale Rolle einnehmen. Dafür müsste Beratung jedoch stärker auf ganzheitliche Risikoanalyse und Prävention ausgerichtet werden.
Die Bayerische will mit PrimeHome nun einen Ansatz etablieren, der über die klassische Schadenregulierung hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen regelmäßige Risikoanalysen, präventive Maßnahmen und ein integriertes Vorsorgebudget. Ziel ist es, Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen.
„PrimeHome ist nicht entstanden, um eine weitere Police zu verkaufen, sondern als lösungsorientiertes Gesamtkonzept“, so Gräfer. „Sicherheit entsteht nicht durch Regulierung, sondern durch Vorsorge.“

