Die Lebensversicherungsbranche befindet sich im strukturellen Wandel: Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen haben sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Wachstumstreiber entwickelt. Klassische Produkte verlieren dagegen trotz gestiegenem Höchstrechnungszins und höherer Überschussbeteiligungen zunehmend an Bedeutung.

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Das Neugeschäft verlagert sich klar in Richtung kapitalmarktorientierter Lösungen. Allein im Jahr 2024 stiegen die Kapitalanlagen in fondsgebundene Policen um knapp 20 Prozent. Dieser Trend wird durch die Entwicklung an den Kapitalmärkten ebenso gestützt wie durch veränderte Kundenerwartungen. Auch die Branche selbst blickt optimistisch auf dieses Segment. Besonders hoch sind die Geschäftserwartungen bei Fondspolicen ohne Garantien, gefolgt von der betrieblichen Altersversorgung und fondsgebundenen Produkten mit Garantien.

Fondspolicen mit Garantien nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Sie verbinden ein Sicherheitsversprechen mit Renditechancen am Kapitalmarkt. Genau darin liegt auf der einen Seite ihre Attraktivität und auf der anderen Seite aber auch ihre Komplexität, erklärt Rita Fester, Senior-Analystin Assekurata Rating-Agentur GmbH, in einem Blog-Beitrag.

Die Produkte arbeiten häufig mit mehreren Anlagekomponenten. Ein Teil der Beiträge fließt in das klassische Sicherungsvermögen, ein anderer in Fonds oder gemanagte Portfolios. Ergänzend kann ein Wertsicherungstopf eingesetzt werden, um Marktschwankungen abzufedern. Ziel ist es, eine lebenslange Mindestrente zu garantieren und gleichzeitig an positiven Kapitalmarktentwicklungen zu partizipieren.

Ein zentrales Element ist dabei die garantierte Mindestleistung, etwa über einen garantierten Rentenfaktor. Gleichzeitig können Kunden das Garantieniveau individuell wählen. Üblich sind Absicherungen von 60, 80 oder sogar 100 Prozent der Beiträge. Höhere Garantien bieten mehr Sicherheit, schränken jedoch die Renditechancen ein, da weniger Kapital in Fonds investiert werden kann.

Ein prägendes Merkmal moderner Fondspolicen ist die breite Auswahl an Investmentmöglichkeiten. Viele Versicherer bieten ihren Kunden Zugang zu einer Vielzahl von Fonds, häufig ergänzt durch gemanagte Portfolios. Rund drei Viertel der Anbieter bieten laut der Assekurata-Marktstudie eine freie Fondsanlage mit durchschnittlich rund 113 Fonds an. Die höchste Anzahl an offerierten Fonds lag sogar bei fast 280. Diese Vielfalt ermöglicht eine individuelle Ausrichtung. Gleichzeitig erhöht sie jedoch die Komplexität. Für viele Kunden wird die Auswahl zunehmend unübersichtlich.

Auch für Vermittler steigen damit die Anforderungen. Regulatorische Vorgaben wie Geeignetheitsprüfungen, Nachhaltigkeitspräferenzen und Kostentransparenz erschweren die Beratung zusätzlich. Während erfahrene Anleger von der Auswahl profitieren können, ist für viele Kunden ein strukturierter und vorselektierter Ansatz sinnvoller.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Fondspolice ist dabei weniger die Anzahl der verfügbaren Fonds als deren Qualität. „Entscheidend sind dabei das Produktkonzept, die Kostenstruktur und die Qualität der Fonds. Eine große Fondsauswahl ist dabei nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Zwar ermöglicht sie individuelle Vorsorgestrategien, doch gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Beratung, die Transparenz und die finanzielle Einordnung.", erklärt Fester.