R+V Versicherung trennt sich von Condor Leben
Die R+V Versicherung trennt sich von ihrer Lebensversicherungstochter Condor Leben. Das Portfolio mit rund 219.000 Verträgen soll an den Frankfurter Investor Acathia Capital verkauft werden.

Zuletzt war es etwas ruhiger um den Run-Off alter Leben-Bestände geworden. Das kommt nicht überraschend. Zwar gilt der Run-off für den Versicherer oft als technischer Befreiungsschlag. Für viele Versicherte fühlt er sich jedoch wie ein schleichender Vertrauensbruch an. Denn: Wenn Altbestände nur noch bilanziell optimiert werden, gerät das Grundversprechen der Lebensversicherung ins Wanken.
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Lediglich bei der Zurich war der Verkauf des geschlossenen Lebensversicherungsbestands im November 2025 wieder in greifbare Nähe gerückt. Nun will sich die die R+V Versicherung von ihrer Lebensversicherungstochter Condor Leben trennen. Darüber berichtet das "Handelsblatt". Demnach werde der Maklerversicherer an den Frankfurter Investor Acathia Capital verkauft. Damit wechselt ein Portfolio von rund 219.000 Lebensversicherungsverträgen den Eigentümer. Eine entsprechende Absichtserklärung sei in dieser Woche unterzeichnet worden, bestätigte ein Unternehmenssprecher dem "Handelsblatt". Der Kaufvertrag soll im zweiten oder dritten Quartal 2026 unterzeichnet werden. Zum Kaufpreis hätten die Beteiligten keine Angaben gemacht.
Die Condor Leben verfügt vor allem über Verträge aus der privaten Altersvorsorge. Dazu zählen klassische Lebensversicherungen mit Garantiezins ebenso wie Policen der sogenannten neuen Klassik mit reduzierten Garantien sowie fondsgebundene Produkte. Die R+V hatte die Condor ursprünglich 2008 von der Oetker-Gruppe übernommen. Während das Sachversicherungsgeschäft der Condor Allgemeine inzwischen vollständig in die R+V Allgemeine integriert wurde, blieb die Lebensversicherung bislang als eigenständige Gesellschaft bestehen. Seit Anfang 2026 schreibt Condor Leben kein Neugeschäft mehr in der privaten Altersvorsorge, ist jedoch weiterhin in der betrieblichen Altersversorgung sowie im Geschäft mit Berufsunfähigkeitsversicherungen aktiv.
Die Beschäftigten, die bislang die Condor-Leben-Bestände betreuen, sollen bei der R+V angestellt bleiben. Die Verwaltung der Verträge soll zunächst weiterhin durch die R+V erfolgen. Dies solle voraussichtlich für bis zu drei Jahre nach Abschluss der Transaktion festgeschrieben sein.
Der Verkauf steht im Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung der R+V. Der genossenschaftliche Versicherer arbeitet seit längerem daran, Komplexität im Konzern zu reduzieren und sich stärker auf die Kernmarke R+V zu konzentrieren. Zudem führt die Gesellschaft aktuell ein neues IT-System für die Bestandsverwaltung in der Lebensversicherung ein. Die Migration der Condor-Verträge auf die neue Plattform wäre nach Brancheninformationen mit erheblichen Kosten verbunden gewesen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte R+V-Chef Norbert Rollinger signalisiert, dass ein Verkauf von Lebensversicherungsbeständen grundsätzlich möglich sei. „Wenn der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen für uns von Vorteil wäre, könnten wir nicht einfach sagen, dass wir es nicht machen“, sagte Rollinger damals.
