Wie erleben Kundinnen und Kunden ihre private Krankenversicherung dann, wenn sie Leistungen tatsächlich in Anspruch nehmen müssen? Dies wollte eine aktuelle Studie herausfinden – wir zeigen die zehn besten Anbieter des Tests.

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Hintergrund: In kaum einer Versicherungssparte ist das Vertrauensverhältnis so sensibel wie in der privaten Krankenversicherung. Entscheidungen über Erstattungen, Leistungsanerkennung oder Abrechnungsmodalitäten betreffen unmittelbar die gesundheitliche Versorgung der Versicherten – und damit zentrale Lebensbereiche. Häufig geht es nicht um abstrakte Kostenfragen, sondern um konkrete medizinische Behandlungen, um laufende Therapien, um Vorsorge oder um die Begleitung im Krankheitsfall, teils auch für Angehörige und Familien. Fairness zeigt sich hier deshalb nicht allein in formaler Vertragstreue, sondern vor allem in Transparenz, Nachvollziehbarkeit und einem konsistenten, verlässlichen Umgang mit Leistungsfällen im Alltag.

Die aktuelle ServiceValue-Untersuchung zur fairsten Schaden- und Leistungsregulierung richtet den Blick genau auf diesen Punkt. Anders als klassische Marktanalysen oder Tarifvergleiche misst sie keine objektiven Leistungskennzahlen, sondern die wahrgenommene Fairness im konkreten Leistungsprozess – also dort, wo Kundinnen und Kunden ihren Versicherer tatsächlich erleben. Die Studie unterscheidet dabei innerhalb der Krankenversicherung zwischen den Kategorien private Krankenversicherung (PKV) und Krankenzusatzversicherung. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Bewertungen in der PKV auf Versicherer beziehen, bei denen Leistungsentscheidungen nicht nur ergänzende Bausteine betreffen, sondern die umfassende medizinische Versorgung der Versicherten. Im Folgenden stehen daher die bestplatzierten Anbieter der privaten Krankenversicherung im Mittelpunkt.

Was wurde gemacht?

Die Bewertung der privaten Krankenversicherung ist Teil der übergeordneten Studie „Fairste Schaden- und Leistungsregulierung von Versicherern 2026“, die ServiceValue in Kooperation mit FOCUS-MONEY durchgeführt hat. Insgesamt wurden 646 Versicherungsunternehmen über zahlreiche Versicherungssparten hinweg untersucht, darunter neben der PKV auch Krankenzusatz-, Hausrat-, Wohngebäude-, Kfz-, Haftpflicht-, Unfall- und Rechtsschutzversicherungen. Die Befragung erfolgte eigeninitiiert über ein externes Online-Panel und ohne Einbindung der untersuchten Versicherer.

Grundlage der Auswertung sind 61.782 Kundenurteile, die im November 2025 erhoben wurden. Befragt wurden ausschließlich Versicherte, die innerhalb der letzten 36 Monate bei ihrem Anbieter einen Schaden- oder Leistungsfall angezeigt hatten. Nach Angaben der Studienmacher werden Versicherer nur dann in die jeweilige Spartenauswertung aufgenommen, wenn sie eine spartenabhängige Mindeststichprobengröße erreichen. Konkrete Fallzahlen je Sparte oder je Unternehmen werden dabei allerdings nicht ausgewiesen.

Wie wurde bewertet

Die Bewertung der Schaden- und Leistungsregulierung basiert auf einer standardisierten Kundenbefragung. Den Befragten wurde folgende Frage gestellt: „Wenn Sie bei einem Anbieter versichert sind und innerhalb der letzten 36 Monate dort einen Versicherungs- bzw. Leistungsfall angezeigt haben: Wie beurteilen Sie insgesamt die Regulierung des Schadens- oder Leistungsfalles seitens dieses Versicherers?“

Die Antworten erfolgten auf einer fünfstufigen Skala von „ausgezeichnet“ (1) bis „schlecht“ (5). Für jeden Versicherer wurde aus allen abgegebenen Urteilen ein arithmetischer Mittelwert gebildet. Dabei gilt: Je niedriger der Wert, desto positiver fällt die Bewertung der Schaden- und Leistungsregulierung aus.

Wer wurde ausgezeichnet

Ausgezeichnet wurden jene Anbieter der privaten Krankenversicherung, die in dieser Teilkategorie besser als der Spartendurchschnitt abschnitten. Maßgeblich ist dabei ein Schwellenwert von 2,75: Alle Versicherer mit einem niedrigeren Mittelwert gelten als überdurchschnittlich bewertet.

Die Studie unterscheidet zwei Auszeichnungsstufen. Anbieter, die den Schwellenwert unterschreiten, erhalten das Prädikat „Gut“; Versicherer, die zusätzlich besser abschneiden als der Durchschnitt dieser Gruppe, werden mit „Sehr gut“ ausgezeichnet.

Was die Studie nicht leisten kann

Die Ergebnisse erlauben keine Aussagen über den objektiven Leistungsumfang der Tarife oder über die inhaltliche Qualität einzelner Versicherungsbedingungen. Ebenso wird nicht erfasst, welche konkreten Leistungen oder Behandlungen reguliert wurden, wie umfangreich oder komplex die jeweiligen Leistungsfälle waren oder ob es sich um routinemäßige Erstattungen oder um medizinisch und vertraglich anspruchsvolle Konstellationen handelte. Die Untersuchung trifft zudem keine Aussage über die fachliche oder rechtliche Bewertung einzelner Leistungsentscheidungen. Bewertet wird ausschließlich die wahrgenommene Fairness der Schaden- und Leistungsregulierung aus Sicht der Versicherten.

Die Sieger der PKV – vorgestellt in der Bildstrecke

Versicherungsbote stellt die bestplatzierten Anbieter der privaten Krankenversicherung in einer Bildstrecke vor. Berücksichtigt werden ausschließlich jene Versicherer, die in der Studie mit dem Prädikat „Sehr gut“ ausgezeichnet wurden. Die Reihenfolge folgt dabei der Wertung von hinten nach vorn – beginnend mit den Anbietern am unteren Ende der Spitzengruppe und endend mit dem bestbewerteten Versicherer. Weitere Informationen zur Studie und zur Methodik finden sich auf der Webseite von ServiceValue.

Methodischer Hinweis

Zusätzlich zur Platzierung im ServiceValue-Ranking werden die bestbewerteten Anbieter in kurzen Porträts vorgestellt. Zur Einordnung der Marktstellung wird dabei unter anderem die Zahl der versicherten Personen in der Krankenvollversicherung herangezogen, wie sie im MAP-Report oder Branchenmonitor ausgewiesen wird. Diese Kennzahl umfasst jene Personen, deren Krankenkosten vollständig oder im Rahmen eines beihilfekonformen Restkostentarifs über eine private Krankenversicherung abgesichert sind. Sie dient damit der Einordnung der Marktstellung im klassischen Vollversicherungsgeschäft.

Davon zu unterscheiden ist die tarifliche Systematik bei der Darstellung des Versicherungsportfolios. Diese differenziert strikt zwischen den einzelnen Versicherungsarten der privaten Krankenversicherung, insbesondere zwischen der Krankenvollversicherung und der Krankenkostenteilversicherung. Letztere umfasst Zusatzversicherungen zur Ergänzung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und wird eigenständig ausgewiesen. Auch die Pflegepflichtversicherung – obwohl eng an die Krankenvollversicherung gebunden – wird separat geführt, ebenso weitere Versicherungsarten wie die Krankentagegeld- und die Krankenhaustagegeldversicherung. Grundlage dieser Differenzierung sind die gebuchten Bruttoprämien, wodurch sich die Geschäftsstruktur und das wirtschaftliche Gewicht der einzelnen Versicherungszweige präzise einordnen lassen.

Besonders aufschlussreich ist dabei der Anteil der Krankenkostenteilversicherung, da er zeigt, welchen Stellenwert das Zusatzversicherungsgeschäft innerhalb des jeweiligen Unternehmens einnimmt und wie stark das Portfolio auf Ergänzungstarife ausgerichtet ist. Charakteristisch für dieses Segment ist eine grundlegende strukturelle Besonderheit: Zusatzversicherungen erreichen häufig sehr große Versichertenzahlen, generieren jedoch pro Person deutlich geringere Beiträge als die Krankenvollversicherung, da sie jeweils nur einzelne Leistungsbereiche absichern und nicht das vollständige Krankheitskostenrisiko (Versicherungsbote berichtete).

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Für die Einordnung von Kundenurteilen – etwa zur Leistungsregulierung – kann diese Struktur dennoch bedeutsam sein. Versicherer mit einem großen Zusatzversichertenbestand haben allein aufgrund der höheren Personenzahl eine größere Zahl potenzieller Leistungsfälle und Kundenkontakte. Die Bewertungen spiegeln damit eine breitere Erfahrungsbasis wider, während bei stärker vollversicherungsorientierten Unternehmen das Beitragsvolumen je versicherter Person höher ist, die absolute Zahl der versicherten Personen und damit auch die Zahl einzelner Leistungsfälle jedoch geringer ausfallen kann. Die Ergebnisse der ServiceValue-Studie beziehen sich allerdings auf die Kundenwahrnehmung der Leistungsregulierung, ohne zwischen einzelnen Tarifarten zu unterscheiden. Ein direkter Bezug zu bestimmten Versicherungszweigen oder Tarifsegmenten ist daher nicht möglich.