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Die Wohngebäudeversicherung zählt seit Jahren zu den schwierigsten Sparten der Branche. Naturgefahren und steigende Baukosten belasten die Ergebnisse, ein angespannter Handwerkermarkt verstärkt den Druck. Zwar zeigt sich zuletzt eine leichte Stabilisierung, doch viele Gesellschaften arbeiten weiter im Minus: Bei 25 der fünfzig größten Anbieter lag die Quote auch 2023 oberhalb der Kostenschwelle; und im versicherungstechnischen Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung wiesen sogar 35 Gesellschaften Verluste aus. Die Versicherer reagierten mit kräftigen Beitragserhöhungen. Doch selbst das reichte vielen nicht aus.

Besonders verletzlich zeigten sich Anbieter mit regional konzentrierten Beständen. Kleinere Gesellschaften wie die Bayerische Allgemeine (CR: 119,30 Prozent), die Mannheimer (123,62 Prozent) oder die Adler Versicherung (119,73 Prozent) hatten nur geringe Möglichkeiten zur Risikostreuung. Doch auch größere Akteure wie die Axa (111,35 Prozent), die Gothaer Allgemeine (112,70 Prozent) oder die Signal Iduna (110,00 Prozent) konnten Verluste nicht vermeiden.

Da kommt es nicht überraschend, dass sich Versicherer mit den eigenen Beständen beschäftigen. Zuletzt hatte sich beispielsweise die Continentale aus dem Neugeschäft der Wohngebäudeversicherung für Makler und Mehrfachagenten zurückgezogen. Hintergrund der Entscheidung sei der schwache Geschäftsverlauf im Wohngebäudesegment. „Die Wohngebäudeversicherung hat in der Partnerschaft mit unseren Maklern und Mehrfachagenten in der Vergangenheit nie eine große Rolle gespielt und ist, wie bei vielen anderen Unternehmen in der Branche, defizitär“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Fachportal "VersicherungsJournal".

Nun reagiert offenbar auch die Gothaer mit einer umfassenden Bestandssanierung. Darüber berichtet das Fachportal "procontra". Demnach habe die Barmenia-Gothaer ihre Geschäftspartner in einem Schreiben über anstehende Maßnahmen informiert. In dem Schreiben, das dem Fachportal vorliegt, heißt es: „Als Versicherer ist es unsere zentrale Aufgabe, Risiken im Versicherungskollektiv tragfähig abzusichern. Dazu gehört auch eine kontinuierliche Analyse unseres Portfolios sowie die Umsetzung geeigneter Sanierungsmaßnahmen.“

Vor allem in der privaten Wohngebäudeversicherung habe sich die Lage zugespitzt. Die Versicherungsleistungen lägen inzwischen deutlich über den Beitragseinnahmen. Die Folge: Die Gothaer kündigt an, sich von „schadenbelasteten Risiken oder solchen mit hoher regionaler Risikobündelung“ zu trennen. Die Sanierung werde mit den Hauptfälligkeiten ab Dezember 2025 starten.

Ob von dieser Maßnahme ausschließlich Gothaer-Bestände betroffen sind oder auch die kleineren Bestände der Barmenia, bleibt offen. Klar ist: Makler sollten rechtzeitig mit betroffenen Kunden nach alternativen Lösungen im Markt suchen. Erfolgt keine Kündigung durch den Kunden, kündigt der Versicherer selbst zum Ablauf des Vertrags.

Interessant ist, dass die Gothaer offenbar nach Vertriebskanälen unterscheidet. Während Makler und Mehrfachagenten mit Kündigungen konfrontiert werden, sollen Generalagenten Fortführungsangebote zu veränderten Konditionen erhalten haben. Eine Bestätigung dieser unterschiedlichen Vorgehensweise verweigerte der Versicherer jedoch. Auf "procontra"-Nachfrage hieß es lediglich, Bestände würden regelmäßig überprüft. Das geschehe unabhängig vom Vertriebsweg.

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