Unternehmen, die ihre Versicherungsverträge erneuern oder erweitern wollen, haben derzeit vergleichsweise gute Karten. In vielen Sparten arbeiten die Industrieversicherer wieder profitabel, was zu stabileren Märkten und teilweise sinkenden Prämien führt. Neue Anbieter verstärken den Wettbewerb zusätzlich. Doch bei allen positiven Tendenzen weist der aktuelle MarktSpot von Willis darauf hin: Über allem schweben geopolitische Unsicherheiten, die die Vertragsverhandlungen 2025 prägen werden.

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„Die Vielzahl systemischer Risiken verlangt heute ein integriertes Risikomanagement: weg vom isolierten Spartendenken, hin zu einer strategischen Gesamtsicht“, betont Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei Willis. Entscheidend für gute Konditionen seien überzeugende Präventionsmaßnahmen und detaillierte Risikoinformationen.

Politische Unsicherheit als zentrale Sorge

Insbesondere Kreditversicherer reagieren sensibel auf die global angespannte Lage. Branchen wie Bau, Industrie, Einzelhandel und Energie stehen unter besonderer Beobachtung. Hier drohen Unternehmen trotz stabiler Rahmenbedingungen höhere Prämien oder gekürzte Deckungslimits.

Auch internationale Aktivitäten bergen zusätzliche Risiken. „Unruhen und wirtschaftliche Unsicherheiten betreffen viele Länder und damit quasi jedes Unternehmen“, warnt Safak Okur, Head of Broking Deutschland und Österreich. „Ob internationaler Mittelstand oder Großkonzern – eine vorausschauende Risikoanalyse in allen Regionen muss zwingend zur Risikostrategie gehören“

Staatlich gesteuerte Cyberangriffe rücken stärker in den Fokus. Während sich die Bedrohungslage zuspitzt, profitieren Kunden dennoch von einem wettbewerbsintensiven Cyber-Versicherungsmarkt mit umfangreichen Kapazitäten. Zudem hat sich das technische Verständnis der Versicherer verbessert: IT-Mindeststandards werden inzwischen flexibler an die Gegebenheiten der Unternehmen angepasst.

Dennoch mahnt Nazaruk zur Vorsicht: „Manager stehen in der Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine zuverlässige IT-Sicherheit zu schaffen. Versäumen sie das, besteht die Gefahr einer Organisationspflichtverletzung, die sich auch auf die Manager-Haftpflichtpolice auswirken kann.“

Klimarisiken belasten Sachsparten

Im Sachversicherungsmarkt zeigen sich die Bedingungen wieder günstiger: Mehr Kapazitäten und neue Anbieter ermöglichen Preisnachlässe oder Mehrjahresverträge. Doch die Zurückhaltung bei Naturkatastrophen bleibt bestehen. „Schwere Unwetterereignisse sind Teil unserer Realität geworden, die finanziellen Schäden werden weiter steigen“, sagt Okur. Empfohlen wird daher, Risiken frühzeitig über datengestützte Szenarioanalysen zu antizipieren.

Auch die Kfz-Versicherung bleibt schwierig. Zwar reichen die Kapazitäten aus, um Unternehmen vor überhöhten Forderungen zu bewahren, doch steigende Reparatur- und Lohnkosten sowie hohe Unwetterschäden belasten weiterhin. Beitragsanpassungen für 2026 seien daher wahrscheinlich.

Das Gesamtbild bleibt positiv, wenn Firmen ihren Teil beitragen. „Tragen Unternehmen ihren Teil zu den Vertragsverhandlungen bei, indem sie fundierte Risikoanalysen zu ihrem Geschäft und zu einzelnen Standorten liefern, Präventionsmaßnahmen ergreifen und frühzeitig in den Dialog mit Versicherern gehen, haben sie gute Chancen auf attraktive Konditionen“, unterstreicht Nazaruk.