Nach Jahren mit roten Zahlen deutet sich im Kfz-Markt eine Trendwende an. Das hatte bereits GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen kürzlich vermeldet: „Unterm Strich könnte damit 2025 eine Schaden-Kosten-Quote von 97 Prozent stehen und damit die Rückkehr in die versicherungstechnische Gewinnzone“

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Die positive Entwicklung spiegelte sich bei der Huk-Coburg bereits in den Geschäftszahlen für 2024 wider. Denn der Konzern steigerte die gebuchten Bruttobeiträge um 10,4 Prozent auf knapp zehn Milliarden Euro. Insbesondere das Kerngeschäftsfeld Kfz-Versicherung profitierte von einem neuen Tarifierungssystem und einer leicht verbesserten Autokonjunktur. Ein deutliches Zeichen für die Rückkehr zur Ertragskraft ist die deutlich verbesserte Schaden-Kosten-Quote in der Kfz-Versicherung sank von 113,4 auf 101,7 Prozent. „Damit haben wir in unserem Kerngeschäft einen wichtigen Schritt getan, um wieder in die Gewinnzone zurückzukehren“, betonte Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher des Vereins auf Gegenseitigkeit.

Im Kfz-Geschäft wuchs der Bestand auf rund 14 Millionen Fahrzeuge (+0,8 Prozent). Rund 1,7 Millionen Neuverträge wurden 2024 abgeschlossen, darunter 543.000 bei der Online-Tochter HUK24. Gleichzeitig hatte der Versicherer auch einen Abgang von 1,6 Millionen Verträge hinnehmen müssen und so nur ein schmales Bestandsplus von 100.000 Fahrzeugen eingefahren. Die vielen Abgänge waren in den deutlichen Beitragsanpassungen begründet. Denn der Versicherer hatte wegen der hohen Kosten für Ersatzteile und Reparaturen reagieren müssen. Die Beitragseinnahmen legten um 15,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sprach Huk-Coburg-Vorstandssprecher Klaus-Jürgen Heitmann über die aktuelle Lage und die Perspektiven der Branche. Die jüngsten Prämienerhöhungen von rund 14 Prozent hätten laut Heitmann dazu geführt, dass sich die Schaden-Kosten-Quote stabilisiert. Für 2025 werde eine Rückkehr in die Gewinnzone erwartet. Das gelte sowohl für den Gesamtmarkt als auch für die Huk-Coburg.

Zuletzt hatte es beim Coburger Versicherer viel Bewegung gegeben. Denn trotz vieler Vertragskündigungen infolge der starken Preiserhöhungen im Jahr 2024 konnte die Huk-Coburg ihre Marktposition ausbauen. Heitmann berichtet von einem kräftigen Neugeschäft, das zu einem Bestandsplus von 300.000 bis 400.000 Verträgen führen dürfte. Damit habe man die Abgänge mehr als kompensiert.

Ein gravierendes Problem sieht Heitmann nach wie vor in den Reparatur- und Ersatzteilkosten. Denn diese steigen weiter kräftig. So würden Werkstattpreise bis zu acht Prozent schneller als die Verbraucherpreise klettern. Verstärkt werde diese Entwicklung durch das Ersatzteil-Monopol der Autohersteller. Um hier gegenzusteuern, setzt der Versicherer auf Werkstattbindung und damit auf ein Modell, das drei Viertel der Kunden bereits gewählt haben. Dadurch sind Kunden im Falle eines Kaskoschadens an bestimmte Vertragswerkstätten gebunden. Dadurch wollen die Versicherer die Abläufe sowie Kosten für die Reparatur von Autos, die Kosten für Mietwagen und die Kosten für Rechtsstreitigkeiten verringern.

Dass sich diese Klausel und die damit verbundene Regelung mit den Partnerschäften auszahlt, hatte zuletzt Allianz-Chef Oliver Bäte deutlich gemacht: „Pro Schadenfall sparen wir etwa 1000 Euro ein.“

Neben den Kostensteigerungen sieht Heitmann auch die Klimarisiken als Unsicherheitsfaktor. „Bislang sind wir von größeren Elementarschäden aus Sturm oder Hagel verschont geblieben. Eine Flut wie im Ahrtal kann uns immer noch passieren“, warnte Heitmann.

Langfristig erwartet er eine Marktbereinigung im Kfz-Segment: Größere Anbieter könnten ihre Vorteile bei Digitalisierung und Schadenmanagement besser ausspielen. Die Huk-Coburg setzt dabei weiterhin auf organisches Wachstum und das Direktmodell über die Tochter Neodigital, bleibe aber dennoch offen für Zukäufe.