„Die Haftpflichtversicherung ist die wichtigste Versicherung im privaten Bereich“, erklärt ein Leitfaden der Verbraucherzentrale. Ein Bewusstsein, das sich auch unter Versicherungsnehmern durchgesetzt hat: Die private Haftpflicht freut sich über konstant hohe Nachfrage. Dies freilich geschieht auch unter einem Wandel der Vertriebswege: weil die Haftpflicht als vergleichsweise einfaches Versicherungsprodukt gilt, treten InsurTechs in Konkurrenz zum traditionellen Vertrieb – und wirken mittlerweile teils sogar selbst als Risikoträger (Versicherungsbote berichtete).

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Dass junge Unternehmen versuchen, auf den Haftpflichtmarkt zu drängen, hat seinen guten Grund. So liegt die Schadenquote (Schadenaufwendungen brutto direkt in Prozent der verdienten Bruttoprämien) über den Schnitt der 50 größten Versicherer in 2022 bei komfortablen 44,51 Prozent. Die Quote ist zudem konstant im Sinken, wie der aktuelle Branchenmonitor der V.E.R.S. Leipzig GmbH zeigt: in 2017 lag sie noch bei 52,22 Prozent und in 2021 noch bei 46,43 Prozent. Der Wert für 2022 ist somit der beste Wert der Zeitspanne von 2017 bis 2022. Während andere Versicherungszweige unter der Inflation, unter Zinsrisiken oder unter zunehmendem Extremwetter leiden, darf die Haftpflicht als stabiler Zweig gelten.

Nur drei Unternehmen müssen rote Zahlen schreiben

Gute Schadenquoten wirken sich natürlich auch auf die Schaden-Kosten-Quoten bzw. auf die Combined Ratio (CR) der Branche aus – die Schaden-Kosten-Quote gibt Schaden- und Betriebsaufwendungen in Prozent der verdienten Bruttoprämien an. Die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote über 50 Unternehmen hinweg in 2022 liegt bei guten 81,10 Prozent. Zwar ist damit die Haftpflicht nicht so rentabel wie die Hausrat (74,8 Prozent). Dennoch verdienen Haftpflichtversicherer gutes Geld.

So sind es in 2022 auch nur drei Unternehmen, die eine Schaden-Kosten-Quote über 100 Prozent hinnehmen müssen, so dass Schadenaufwendungen und weitere Kosten die eingenommenen Prämien übersteigen. Folgende Haftpflichtversicherer sind betroffen:

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  • Inter Allgemeine (CR von 108,22 Prozent)
  • Bayerische Allgemeine (CR von 108,57 Prozent)
  • DEVKVVaG (CR von 112,63 Prozent)

Betriebsaufwendungen steigen

Anders aber, als Digitalisierung und einfache Vertriebswege vermuten lassen, sinken die Betriebsaufwendungen nicht, sondern steigen: Sie lagen in 2017 bei durchschnittlich 46,19 Mio. Euro je Versicherer und stiegen bis 2022 auf 55,38 Mio. Euro je Versicherer. Allerdings täuscht dieser Anstieg darüber hinweg, dass die Betriebskostenquote – Betriebsaufwendungen (brutto direkt) in Prozent der verdienten Bruttoprämien – recht konstant bleibt. Sie lag im Schnitt über 50 Versicherer hinweg in 2017 bei 36,07 Prozent und in 2018 bei 36,61 Prozent. In diesem Bereich bewegt sie sich seither (2020 lag sie zum Beispiel bei 36,00 Prozent und nun, in 2022, wieder bei 36,59 Prozent).

Haftpflichtversicherungen werden teurer

Was freilich auch steigt, das ist der Preis. So lag die Durchschnittsprämie pro Vertrag in 2017 bei jährlich 144,70 Euro, in 2020 schon bei 153,56 Euro und in 2022 bei 165,00 Euro. Allerdings muss in diesem Kontext auch bedacht werden, dass die Produkte immer besser werden – Wettbewerber versuchen, den hart umkämpften Markt durch Leistungserweiterungen und Zusatzleistungen für sich zu gewinnen. Was vor Jahren einzig in Premium-Tarifen enthalten war, gehören mittlerweile standardmäßig zum Leistungsumfang (Versicherungsbote berichtete).

Wenngleich die Zahl der durchschnittlich gehaltenen Verträge zuletzt nur leicht wuchs – von durchschnittlich 868.038 Verträgen je Versicherer auf durchschnittlich 875.581 Verträge je Versicherer in 2022 – macht das Bruttobeitragsvolumen einen größeren Sprung. Verbuchte in 2021 jeder Versicherer noch im Schnitt 156,97 Mio. Euro an Prämien, wächst dieser Betrag in 2022 um rund 4,7 Prozent auf durchschnittlich 164,33 Mio. Euro je Versicherer an.

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Versicherungstechnisches Ergebnis überschreitet im Schnitt erstmals die 20 Mio. Euro

Erfreulich ist auch das durchschnittliche versicherungstechnische Ergebnis der Branche (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung). Denn buchte jedes Unternehmen in 2021 noch einen Gewinn von durchschnittlich 18,73 Mio. Euro, steigt dieser Betrag in 2022 erstmals über die 20-Millionen-Euro- Grenze: er liegt bei 24,15 Mio. Euro. Dieser Sprung wirkt noch beeindruckender, wenn man die Zahl für 2018 daneben stellt: Damals betrug der versicherungstechnische Gewinn nur 9,61 Mio. Euro je Versicherer. Der Zuwachs zeigt: Die Haftpflicht wird weiterhin ein beliebter Zweig für die Versicherungswirtschaft bleiben.

Hintergrund: Alle Zahlen sind dem aktuellen Branchenmonitor Haftpflicht 2017 - 2022 der V.E.R.S. Leipzig GmbH entnommen. Der Monitor deckt 50 Unternehmen und damit 99 Prozent des Haftpflichtmarktes mit seinen Analysen ab und kann mit weiteren Branchenmonitoren kostenpflichtig auf der Webseite der Leipziger Experten bestellt werden.

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