Hintergrund: Damit Versicherer ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden dauerhaft erfüllen können, schreibt das Solvency-Aufsichtsregime vor, auch für wirtschaftlich schwere Zeiten genügend Eigenmittel als Polster vorzuhalten. Zentral hierfür sind die Solvenzquoten (SCR-Quoten) – für diese Quoten ist nicht der „Normalbetrieb“ relevant, sondern die Simulation eines wirtschaftlichen Extrem-Ereignisses, das alle 200 Jahre auftritt.

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Erreicht ein Versicherer eine Quote von mindestens 100 Prozent, hat er genügend Eigenmittel, um eine solche Situation zu stemmen. Jedoch erleichtern bis Ende 2031 noch die Volatilitätsanpassung (VA), die Maßnahme für risikofreie Zinssätze sowie Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen (Ü) das Erreichen der 100-Prozent-Hürde.

Durch die Übergangsmaßnahmen wird die Bruttoquote (mit Einberechnung der Hilfsmaßnahmen) von der Nettoquote (ohne Hilfsmaßnahmen) geschieden. In der Privaten Krankenversicherung erreichen jedoch alle Unternehmen auch ohne Hilfsmaßnahmen eine Quote über 100 Prozent. Die durchschnittliche Nettoquote der Branche verbessert sich in 2022 von 494,55 Prozent auf 510,25 Prozent.

Übergangsmaßnahmen spielen in der PKV aber kaum eine Rolle: Deswegen liegen zwischen der durchschnittlichen Nettoquote am Markt und der durchschnittlichen Bruttoquote auch nur 13,87 Prozentpunkte (die Bruttoquote liegt 2022 bei 524,12 Prozent).

Nettowerte der PKV-Versicherer streben auseinander

Auffallend ist aber eine andere Spreizung der Werte, denn Nettoquoten streben in der PKV weit auseinander. Zwischen dem Solvenzquoten-Sieger (der Universa Kranken mit 1.019,77 Prozent) und dem Solvenzquoten-Letzten liegen immerhin 881,31 Prozentpunkte. Versicherungsbote stellt in seiner Bildstrecke PKV-Unternehmen mit den niedrigsten (und damit "schlechtesten") Solvenz-Nettoquoten 2022 vor.

Beachtet werden muss aber auch: jedes PKV-Unternehmen erfüllt dennoch die Anforderungen von Solvency II auch ohne Übergangshilfen. Zudem tummeln sich im hinteren Bereich auch auffallend kleine Krankenversicherer. Das verwundert aber kaum: kleine Unternehmen haben – anders als große PKV-Versicherer – nur wenige Möglichkeiten, eine schlechte Risikosituation innerhalb und zwischen den Tarifwerken zu kompensieren.

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Alle Solvenzquoten sind einer Übersicht der Analyse-Experten von Assekurata entnommen. Eine Tabelle mit dem Zahlenmaterial ist auf der Webseite des Unternehmens aus Köln verfügbar.