Die Riester-Rente ist in den letzten Jahren unter Dauerbeschuss gewesen und pünktlich zum 20. Geburtstag erhitzten sich die Debatten erneut. Denn die geförderte Altersvorsorge war auch ein Thema im Wahlkampf. Insgesamt scheinen die Zeichen nicht gut zu stehen. Schließlich zeichnen diverse Gesellschaften kein Neugeschäft mehr. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht Reformbedarf und selbst die CDU/CSU verzichtete im Wahlprogramm auf jede Erwähnung.

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Doch eigentlich war das, nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) benannte Produkt, anders gedacht. Denn Riester wollte ursprünglich eine verpflichtende zusätzliche Altersvorsorge einführen. Statt der aktuell 16,157 Millionen Policen hätte man "mehr als 40 Millionen Geförderte.“ erreichen können. Dennoch sind die Zahlen gar nicht so schlecht. Denn mit den aktuellen Werten bleibt das Produkt die erfolgreichste freiwillige private Altersvorsorge der Welt.

Riester-Rente verliert an Boden

Der Bestand der Riester-Rente setzt auch im ersten Quartal 2022 den Sinkflug fort. So zählte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Ende März insgesamt 16,157 Millionen Verträge. Das sind 54.000 Verträge weniger als zum Jahresende 2021.

Wohnriester und Investmentfonds schwächeln

Der größte Verlierer bei der einst von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) erfundenen Zulagenrente ist der Wohn-Riester. Dieser Durchführungsweg hatte sich, wie auch die Riester-Variante über Investmentfonds, in den vergangenen Jahren über steten Zuwachs gefreut. Diese beiden Riester-Wege verloren im ersten Quartal Verträge. So sank die Zahl beim Wohn-Riester um rund 25.000 Verträge auf nun 1.705 Millionen Verträge. Auch die Riester-Renten über Investmentfonds mussten Verluste bei den Bestandszahlen hinnehmen. Hier sackte die Zahl der Policen um 22.000 Verträge auf nun 3.241 Millionen ab.

Stabil bleiben die Policen über Versicherungen. Hier bleibt die Anzahl der Verträge konstant. Damit ist die Assekuranz mit knapp zwei Drittel der Verträge (65,2 Prozent) weiterhin Spitzenreiter. Diese Riester-Form hatte in den letzten Jahren die größten Verluste hinnehmen müssen. Während die Versicherer Ende 2012 noch knapp elf Millionen Riester-Policen in den Beständen hatten, sind es Stand März 2022 nur noch 10,672 Millionen Verträge.

Ebenfalls verloren haben Policen über Bankspar-Verträge. Hier sank die Zahl der Verträgezwischen Januar und März von 546.000 auf 539.000. Zum Vergleich: Den höchsten Stand hat Riester-Verträge über Banksparpläne 2014. Damals gab es immerhin 814.000 Verträge. Bis zum Jahr 2015 hatten alle Riester-Angebote mehr oder weniger wachsen können. Doch seither geht es insbesondere mit den Policen über Versicherungen sowie mit Banksparplänen eher abwärts.

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Die Zahlen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig. Denn bei den ausgewiesenen Riester-Verträgen des Bundesministerium für Arbeit und Soziales handelt es sich um den Bestand. Dieser ist bereinigt um stornierte Verträge. Und: Jede fünfte Riester-Rente ist ruhend gestellt, die Sparer zahlen also keine Beiträge mehr ein. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. In konkreten Zahlen würde dies bedeuten, dass rund 3,25 Millionen Verträge aktuell nicht mit Beiträgen bedient werden. Wie viel Riester-Policen in der 20-jährigen Bestehensgeschichte bereits storniert wurden, dazu konnte die Bundesregierung keine Angaben machen. Die Bestandszahl dürfte auch deshalb nur bedingt stichhaltig sein, weil eben nur Verträge in der Ansparphase gezählt werden. Inzwischen sind jedoch viele Policen in der Rentenphase. Hierzu gibt es ebenfalls keine Zahlen.