Mark StehMark StehRechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht und Inhaber von hammes. Insolvenzverwalter.www.rae-hammes.deAuch die Gewerbekunden von Finanz- und Versicherungsvermittlern können in eine existenzielle wirtschaftliche Krise geraten. Dann ist guter Rat teuer. Ein schlechter Rat ist, allzu viel privates Kapital und/oder Darlehen in das Unternehmen zu pumpen, um damit immer wieder neue Lücken zu stopfen, ohne eine leistungswirtschaftliche Sanierung durchzuführen. Das ist keine nachhaltige Lösung, sondern verlagert das Ende nur um einige Wochen oder Monate. Es muss vielmehr eine zukunftsfähige Lösung her.

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Und diese kann durchaus im Rahmen einer Insolvenz gefunden werden. Eine Insolvenz: ja, richtig, eine Insolvenz! Diese stellt nicht automatisch das Ende eines Unternehmens dar, sondern ist oftmals ein neuer Anfang, der gesetzlich gefördert und geschützt ist. Denn unter dem Mantel der Insolvenzordnung lassen sich Sanierungsvorhaben wesentlich einfacher durchführen. Das beruht auf der Revision des deutschen Insolvenzrechts durch die seit 1999 gültigen und seither mehrfach geänderte Insolvenzordnung (InsO). Damit hat der Gesetzgeber mehrere alte Gesetze, darunter die Konkursordnung von 1877, ersetzt und das Insolvenzrecht umfassend modernisiert. Denn zielte die Konkursverwaltung in der Vergangenheit häufig auf eine zügige Liquidation eines Unternehmens ab, legt die InsO von 1999 einen Schwerpunkt darauf, einen insolventen Unternehmensträger zu sanieren, und hat dafür neue Instrumente geschaffen.

Insolvenzverwalter kann Insolvenzplan als Sanierungsinstrument vorschlagen

Eines davon ist der Insolvenzplan beziehungsweise das Insolvenzplanverfahren. Im Kern stellt das Insolvenzplanverfahren einen vorwiegend vom Insolvenzverwalter erarbeiteten und administrierten Vergleich dar, durch den sowohl die Gläubiger bestmöglich befriedigt werden sollen als auch das Unternehmen erhalten bleiben soll. Das ist besonders wirksam für Unternehmer, denn sie haben dadurch die Chance, die Vorteile der Insolvenzordnung zu nutzen, ohne dass ihr Unternehmen für die Sanierung an einen Dritten übertragen werden muss.

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Wie das funktioniert? Zunächst muss der zahlungsunfähige und/oder überschuldete Unternehmer Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Die Gläubigerversammlung kann dann in der ersten Gläubigerversammlung den Insolvenzverwalter mit der Ausarbeitung eines Insolvenzplans zu beauftragen. Der Insolvenzschuldner kann alternativ die Vorlage des Insolvenzplans mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens verbinden. Der Plan muss spätestens im Schlusstermin dem Insolvenzgericht vorliegen, um berücksichtigt zu werden. Auch kann der Insolvenzverwalter die Erstellung eines Insolvenzplans als Sanierungsinstrument vorschlagen.

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