Die Katastrophe ist noch lange nicht überwunden

Aufgrund der stark zerstörten Infrastruktur wird der Wiederaufbau wohl noch Jahre dauern. Unmittelbar nach der Flut war es ohne befahrbare Straßen, ohne Strom oder Wasser und ohne Internetempfang vielerorts lange Zeit kaum möglich vorzudringen oder mit Reparaturmaßnahmen zu beginnen. Auch waren viele Handwerker selbst betroffen und durch die Pandemie Material nur schwer zu beschaffen, was den Wiederaufbau immer wieder verlangsamte. Auch wenn die Presse kaum noch berichtet, ist die Katastrophe nicht überwunden. Der Schaden bleibt wirtschaftlich enorm und die vielen menschlichen Tragödien dürfen nicht vergessen werden.

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Martin Gräfer ist Mitglied des Vorstandes der Versicherungsgruppe die Bayerische und Vorstandsvorsitzender der BA die Bayerische Allgemeine AG, die Komposit-Gesellschaft der Gruppe.Versicherungsgruppe die Bayerische

Wir als Bayerische haben bisher mehr als 40 Prozent aller gemeldeten Schäden vollständig reguliert und damit sicher vielen Menschen eine Perspektive geben können. Und dennoch sind wir immer noch vollauf damit beschäftigt, alle Schäden zu bearbeiten und unseren Beitrag für die Betroffenen zu leisten. Um einmal konkrete Zahlen zu nennen: Es werden am Ende wohl insgesamt deutlich mehr als 20 Millionen Euro sein, die wir für dieses Ereignis unseren Kundinnen und Kunden zur Verfügung stellen werden. Das entspricht mehr als 10 Prozent der gesamten Beitragseinnahmen unseres Sachversicherers eines Jahres.

Erneut wird über eine Pflichtversicherung für Elementarschäden debattiert

Zahlen, nach denen ein Großteil der Schäden nicht versichert sind und nicht einmal die Hälfte aller Gebäude in Deutschland über eine zusätzliche Elementar-Absicherung verfügt, lassen aktuell erneut Forderungen nach einer Pflichtversicherung aufkommen. Die Justizminister der Länder haben bei ihrer Herbstkonferenz den Weg für eine Arbeitsgruppe freigemacht, die eine solche Pflicht für Hausbesitzer prüfen soll. Erste Ergebnisse sollen im kommenden Frühjahr vorgestellt werden. Verbraucherschützer begrüßen das Vorgehen und sprechen sich ebenfalls für eine Pflichtversicherung aus.

Aber ist eine Pflichtversicherung das Mittel unserer Zeit? Sind wir Bürger nicht selbst in der Lage, solche Entscheidungen zu treffen? Wie viele Monate wollen wir noch ungenutzt verstreichen lassen, ehe wir die Zahl der gegen Elementargefahren abgesicherten Gebäude aktiv erhöhen? Und sollten wir nicht lieber jetzt über alternative Maßnahmen zum Hochwasserschutz und innovative Versicherungslösungen nachdenken? Die nächste Naturkatastrophe wartet nicht bis unsere Regierung im Frühjahr 2022 über erste Ergebnisse diskutiert.

Die Elementarschadenversicherung muss greifbarer werden

Wir werden wohl nicht um eine Pflichtversicherung umhinkommen, die es im Übrigen bis 1994 in Baden-Württemberg ja schon gab. Aber warum man gerade die Eigentümer von Immobilien zwingen muss mit geringem Beitrag einen erheblichen Vermögenswert zu schützen, werde ich wohl nicht mehr wirklich nachvollziehen können. Für mich ist das eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dass gerade Verbraucherschützer fordern, dass man die Verbraucher zwingen soll sich zu schützen, klingt zumindest für mich befremdlich. Aber Fakt ist, dass mehr als die Hälfte der Hauseigentümer beispielsweise in NRW keine Elementarversicherung abgeschlossen haben. Allerdings darf eine Versicherungspflicht keinesfalls dazu führen, dass sich die politisch Verantwortlichen in den Regionen und im Bund aus ihrer Verantwortung ziehen und beispielsweise nicht deutlich mehr investieren, um in den Kommunen besseren Starkregen- oder Hochwasserschutz zu erreichen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es in bestimmten Bereichen des Ahrtals geplant, Regenwasserrückhaltebecken zu bauen. Diese Pläne wurden damals zu Gunsten des Baus des Nürburgrings wieder verworfen. Sicher ist aber: Prävention in Form von Naturgefahrenschutz nützt der Gesellschaft am meisten.

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Gleiches gilt auch für den Einzelnen. Neben einem angemessenen Versicherungsschutz kommt es auch darauf an, dass Eigentümerinnen und Eigentümer selbst im Bereich Prävention aktiv werden. Das Eigentum kann mitunter mit einfachen Maßnahmen vor beispielsweise Starkregen oder Sturmereignissen geschützt werden. Hierzu hat die Bayerische einen Ratgeber entwickelt, der Hausbesitzern wertvolle Impulse liefert.

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