Die private Krankenversicherung (PKV) hat es nicht leicht. Zwar: Die größte Gefahr für die Branche – eine politische Mehrheit für die Bürgerversicherung – ist abgewehrt. Dennoch aber macht der Niedrigzins den Anbietern zu schaffen, da angelegte Gelder der Versicherten kaum noch etwas abwerfen für die Altersrückstellungen.

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2020: Das Jahr der Beitragsanpassungen

Hinzu kommt eine steigende Lebenserwartung der Versichertem mit steigenden Gesundheitskosten und kommen teure Reformen wie das Pflegelöhneverbesserungsgesetz. Die Unternehmen reagieren mit Beitragsanpassungen – laut Statistischem Bundesamt (Destatis) erhöhte sich das Preisniveau des privaten Krankenschutzes zwischen März 2020 und März 2021 um 5,3 Prozent (Versicherungsbote berichtete). In einer solchen Situation schauen die Ratinghäuser natürlich genau auf die Unternehmen. So veröffentlichte jüngst auch das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) sein Qualitätsrating privater Krankenversicherer für 2021/2022.

Teilbewertungen für Substanzkraft, Produktqualität, Service

So sollen die privaten Krankenversicherer in drei Teilbereichen bewertet werden: finanzielle Substanzkraft, Produktqualität und Service. Datenbasis der Studie sind die Jahresabschlüsse 2020 der privaten Krankenversicherer, die Beschwerdestatistik laut BaFin sowie DFSI Produktratings aus 2021 zu Vollkostenversicherung, Zusatzversicherung und Pflegeversicherung.

Was wurde gemacht?

  • Der erste Teil des Ratings betritt die finanzielle Substanzkraft. Gibt diese doch einen wichtigen Hinweis, ob ein PKV-Unternehmen auch in Zukunft stabile und moderat steigende Beitragssätze bieten kann, erklären die Experten vom DFSI. Hierfür erdachte man sich die Substanzkraftquote als eigenständige Kennzahl: „Addiert man zum doppelten Eigenkapital die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) und ein Viertel aus dem Saldo der Stillen Reserven und Stillen Lasten, ergibt sich die Substanzkraftquote, wenn man diese Summe durch die Altersrückstellungen (eingezahlte und verzinste Kundengelder) teilt.“
  • Neben dieser Quote fließt aber auch noch das versicherungstechnische Ergebnis, die Nettoverzinsung, der Marktanteil und die Entwicklung der Versichertenzahl ins Rating ein. So erhielt zum Beispiel ein Unternehmen volle Punktzahl für Versichertenzahlen, wenn es mindestens fünf Prozent zulegen konnte. Beim Marktanteil erhielt volle Punktzahl, wer mindestens zehn Prozent vom Markt hält. Sobald aber die bereinigte Solvenz- bzw. SCR-Quote eines Unternehmens unter 100 Prozent lag (so dass Solvency-Ziele verfehlt wurden), wurden in der Teilbewertung wieder 50 Punkte abgezogen.
  • Der zweite Teil des Ratings betrifft die Produktqualität. Hier flossen Endnoten der vom DFSI durchgeführten Produkttests ins Rating ein (jeweils die Bestnote). Auch wollte man die Produktvielfalt bewerten anhand der Frage, an wie vielen DFSI-Tests ein Unternehmen teilnahm. Wer bei 11 Ratings mit mindestens einem Produkt antrat, erhielt hier volle Punktzahl.

  • Ein dritter Rating-Teil betrifft den Service. Hier floss der DFSI-Test zum Thema Gesundheitsservices mit einer Gewichtung von 70 Prozent ein. Dreißig Prozent kommen für die BaFin-Beschwerdestatistik hinzu.

Die drei Teilratings werden in einem letzten Schritt zu einer Gesamtbewertung zusammengefasst, für die ein Unternehmen maximal 100 Punkte erreichen kann. Die Gewichtung liegt bei 40 Prozent Substanzkraft, 40 Prozent Produktqualität und 20 Prozent Service.

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